Liebe auf vier Hufen: Leonie Kopf und ihre besonderen Haflinger
Für Leonie Kopf sind ihre Haflinger nicht nur Rekordhalter der Aachener Quadrille, sondern treue Wegbegleiter. Beide bildete sie selbst aus – ein Leben ohne sie ist unvorstellbar.
Heute sind ihre beiden Haflinger Namao (rechts) und Willi
nicht nur Leonie Kopfs tägliche Begleiter, sondern auch Teil eines Weltrekords
und ihre besten Freunde.
„Tiere sind immer ehrlich und verstellen sich nicht“, sagt
Leonie Kopf aus Spaichbühl. Für die 28-Jährige bedeutet ein erfülltes Leben,
ihre Tiere jeden Tag um sich zu haben. Ein Leben ohne Pferde? Für sie nicht
vorstellbar.
Als Kopf sechs Jahre alt war, zog die Familie von Honhardt nach Spaichbühl. Reitstunden nahm sie mit fünf Jahren, mit sieben standen die ersten Pferde im eigenen Stall. Was als „Pferdefieber“ begann, wurde zur Leidenschaft fürs Leben.
Die Familie nahm vor allem ältere Pferde und Tierschutztiere auf, die einen Gnadenplatz suchten. „Zuerst waren es zwei Islandpferde, dann kam ein Shetlandpony dazu“, erinnert sie sich. Schon als Siebenjährige kümmerte sie sich um die Tiere. „Leonie ist bei ihren Pferden voll in ihrem Element“, erzählt Mutter Yvonne Kopf. „Ich habe Fotos, da steht sie auf dem Pferderücken, grinst und rutscht hinten runter.“
Später wechselte die heute 28-Jährige von Island- zu Großpferden, absolvierte das damalige „Große Hufeisen“, heute Reitabzeichen 7, sowie den Pferdebasispass und nahm an Turnieren teil. Mit dem Isländer Jury bestritt sie Reiterrallyes und Freizeitturniere. Das Tierschutzpferd litt zuletzt an einer Lungenerkrankung und musste vor Kurzem eingeschläfert werden. „Er wurde 40 Jahre alt“, erzählt die Pferdebesitzerin stolz über ihren langjährigen Weggefährten.
Neben Pferden und zeitweise zwei Eseln aus dem Tierschutz gehört auch Blaustirnamazone Lotte zur Familie. Sie begrüßt ihre Menschen mit „Guten Morgen“ und kann sogar die Tonlage von Leonie Kopfs Schwester nachahmen.
Mit 18 Jahren erfüllte sich die 28-Jährige einen Herzenswunsch und kaufte Haflinger Namao. Damals war er eineinhalb Jahre alt und wurde von ihr selbst ausgebildet. Heute starten beide im Springen und der Vielseitigkeit. Wichtiger als sportliche Erfolge ist ihr jedoch die Verbindung: „Unser Grundstein liegt im Gelände und darin, zusammen Spaß zu haben.“
Vertrauen statt Leistung
Auch das erste Aufsitzen geschah aus dem Gefühl heraus: Bei einem Spaziergang spürte sie, dass der richtige Moment gekommen war und setzte sich spontan auf Namaos Rücken. Bis heute steht Vertrauen an erster Stelle. „Wenn der Sport einen so hohen Stellenwert bekommen würde, dass wir dieses Gefühl nicht mehr hätten, machen wir etwas falsch.“
Der Wallach ist weit mehr als ein Turnierpferd – er ist ihr bester Freund. Gemeinsam unternehmen sie Wanderritte oder gehen schwimmen. „Er ist mein verlässlicher Begleiter und spiegelt jede Laune von mir wider“, sagt Kopf mit einem Lachen.
Ein Höhepunkt war in diesem Jahr eine Quadrille in Aachen. Dort brachen die Haflinger-Reiter einen Weltrekord, den bisher 132 Friesen hielten. 158 Haflinger gingen an den Start, 147 wurden gewertet. Die Pferde mussten während der Quadrille die vorgeschriebene Gangart halten.
Mit dabei war auch ihr erst dreieinhalbjähriger, noch nicht vollständig ausgebildeter Haflinger Willi. „Hätte es ihn gestresst, hätten wir abgebrochen.“ Eine Freundin ritt ihn – und Willi meisterte die Quadrille ohne Abzug. Bereits 2024 nahm Kopf mit Namao am Haflinger-Europachampionat teil. Beim nächsten Championat möchte sie wieder dabei sein.
Gerade Willi hat eine besondere Geschichte: „Er ist ein Tierschutzpony und war ursprünglich ein Schlachtfohlen.“ Zuvor hatte die Tierarzthelferin einen Halbbruder des heute elfjährigen Namao gekauft. Das Fohlen kam von einer Alm in Österreich. Doch es starb dort unerwartet. „Ich hatte einen Platz frei und Willi aufgenommen.“ Auch ihn bildet die 28-Jährige selbst aus. „Er ist das Gegenteil von Namao – ihn bringt nichts aus der Ruhe. Deshalb ergänzen sie sich so gut.“
Der Hof war lange ein Treffpunkt für Jung und Alt. „Die Nachbarskinder waren immer da.“ Heute stehen fünf Pferde im Stall: die zwei Haflinger Namao und Willi sowie die drei Pferde ihrer jüngeren Schwester, die sich laut Mutter Yvonne Kopf „von Leos Pferdeleidenschaft anstecken ließ“. Nur der jüngere Bruder konnte mit Pferden nie viel anfangen.
Ein Herz für Tierschutztiere
Für die Tierarzthelferin beginnt und endet jeder Tag im Stall. Morgens versorgt sie die Pferde, dann geht sie zur Arbeit in die Tierarztpraxis Buchklinge Wallhausen. Mit dabei: ihre Dackel Bones und Franky. Die 14-jährige Bones begleitete früher Ausritte und genießt heute ihre Rentnerjahre. Inzwischen ist der dreieinhalbjährige Franky mit dabei – auch er stammt aus dem Tierschutz. Mutter Yvonne Kopfs Hund Theo reiste einst aus Rumänien über den Tierschutz ein.
Warum so viele Tiere, deren Vergangenheit oftmals unbekannt ist? Für die 28-Jährige ist klar: „Sie brauchen auch ein Zuhause. Das sind Tiere, die nicht so ins Muster passen, aber trotzdem liebenswert sind.“
Ein Satz, der viel darüber sagt, wie Leonie Kopf ihr Leben mit Tieren versteht. Nicht Leistung oder Perfektion, sondern Vertrauen, Verantwortung und die Bereitschaft, einem Tier eine Chance zu geben. Ihre langjährige Freundin Lara Dillmann bringt es auf den Punkt: „Namao und Leo sind ein ehrliches Team.“
Zwischen der 28-Jährigen und ihren Tieren braucht es keine großen Worte – nur Vertrauen und die gemeinsame Freude ein Leben miteinander zu teilen.
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