Aus fürstlichen Kleiderschränken

Designerkleider mit Geschichte: Bei einer Benefiz-Modenschau im Schloss Kirchberg werden Stücke aus fürstlichem Besitz zum Kauf angeboten.

Modenschau in Kirchberg: Aus Kleiderschränken von Fürstinnen und Prinzessinnen

Model Mira Singh präsentiert im Durchgang „Froh in den Alltag“ mit sichtbarer Freude einen Hosenanzug aus dem Jahr 1973. „Der Traum einer jeden Studentin – da musste sich der Professor damals erst einmal sammeln“, kommentiert Heide Ruopp mit einem Augenzwinkern.

Eintauchen in die Welt des Adels – in schimmernde Stoffe, feine Schnitte und zeitlose Eleganz: Dazu lud eine Benefiz-Modenschau im Salon von Schloss Kirchberg ein. „Dies ist eine Benefizveranstaltung zugunsten der Renovierung des Tischbeinhäuschens Kirchberg sowie der St.-Veits-Kirche Unterregenbach“, erklärt Heide Ruopp aus Langenburg. Unter dem Motto „Chic aus Hohen Häusern“ öffneten Damen des Adels und der Gesellschaft ihre privaten Kleiderschränke und spendeten ihre edlen Stücke für den guten Zweck – sie wurden im Rahmen der Schau zum Kauf angeboten.

Bereits im Herbst 2025 habe es eine ähnliche Veranstaltung gegeben, deren Erlös im vierstelligen Bereich lag, berichtet Ruopp. Als frühere Pfarrersfrau liege ihr der Erhalt der Kirchen besonders am Herzen. Die Kleider stammen unter anderem von Irma Fürstin zu Hohenlohe-Langenburg, Andrea Prinzessin zu Hohenlohe-Heidenbergstetten und Prinzessin Beatrix zu Hohenlohe-Langenburg sowie weiteren Damen der Gesellschaft. Auch eine Künstlerin beteiligte sich anonym.

Sechs Models – allesamt Laien mit Freude an Mode – präsentierten die Outfits mit strahlenden Gesichtern: Linda Vaas aus Dinkelsbühl, Ulrike Löchner aus Kupferzell, Bianca Bauer aus Braunsbach, Angelika del Rio aus Ruppertshofen, Mira Singh aus Waldenburg und Christiane Stadelmaier aus Stuttgart. Manche der gezeigten Stücke waren echte Unikate.

Für die musikalische Umrahmung sorgten Marlene Wollmann am Keyboard, Walter Wollmann sowie Dr. Margarete Friz und Hans Böhm mit Gesang. „Wir gestalten die Zwischenmusik, damit sich die Frauen in Ruhe umziehen können“, erklärt Marlene Wollmann. Jedes Lied war thematisch auf die Schau abgestimmt. Mit Titeln wie „Kleider machen Leute“, „Feine Damen“ oder „Blaues Blut“ nahmen sie das Publikum mit auf eine klangvolle Zeitreise.

Modenschau in Kirchberg: Aus Kleiderschränken von Fürstinnen und Prinzessinnen

Für die musikalische Umrahmung sorgten Walter Wollmann (links), Hans Böhm und Dr. Margarete Friz mit ihrem Gesang, begleitet von Marlene Wollmann am Keyboard.

Heide Ruopp selbst führte kenntnisreich durch den Abend. Rund 36 Outfits wurden in acht thematischen Durchgängen präsentiert – insgesamt standen rund 80 Kleiderspenden zum Verkauf. Die Stücke reichten bis in die 1970er-Jahre zurück und stammten von renommierten Designern.

Die Begrüßung übernimmt Model Linda Vaas – in einer markanten Kreation von Thierry Mugler aus den 1980er-Jahren. Die schmale Taille und der ausgestellte Schnitt seien „typisch Mugler“, erklärt Heide Ruopp. Der französische Designer mit Wurzeln im Theater verstand es, Mode wirkungsvoll in Szene zu setzen. Außerdem wurden Stücke von Windsor, Strenesse, Mothwurf, Massimo Dutti sowie Uli Knecht aus Stuttgart präsentiert.

Modenschau in Kirchberg: Aus Kleiderschränken von Fürstinnen und Prinzessinnen

Linda Vaas zeigt einen zartrosa Rock von Windsor, kombiniert mit einer hellblauen Bluse von feinster Qualität.

Der Salon, den die Wollmanns im Schloss angemietet haben, war bis auf den letzten Platz gefüllt. Rund 25 Gäste verfolgten die Präsentationen und verweilten auch nach der Show bei Buffet und Gesprächen zwischen den ausgestellten Kleidern. Die Modenschau sei von Walter Wollmann, seiner Frau und Heide Ruopp organisiert worden. Oft würden noch Tage später Anfragen zu einzelnen Stücken eingehen.

Im Publikum zeigte sich die generationsübergreifende Begeisterung. Helga Gunst aus Schwäbisch Hall etwa war „gespannt wie ein Flitzebogen“. Ob sie ein Kleid erwerben werde, entscheide sie nach Stilgefühl. „Ich erfreue mich immer an Schönem – und diese Atmosphäre hier, in diesem Haus, macht alles noch besonderer.“

Der erste Durchgang steht im Zeichen des „Sommers“ – voller Farben und fließender Stoffe. Mit sichtbarer Freude und natürlicher Eleganz präsentieren die Models die luftigen Ensembles.

Es folgt der zweite Durchgang: „Das kleine Schwarze“. Zeitlose Klassik und stille Raffinesse – unweigerlich denkt man an Audrey Hepburn und „Frühstück bei Tiffany“. Gezeigt werden unter anderem Stücke von Windsor sowie Strenesse aus Nördlingen.

Der dritte Durchgang „Froh in den Alltag“ widmet sich tragbarer Eleganz mit Charakter. Zu sehen sind Kreationen von Mothwurf sowie von Heinz Hess, dem Gründer von Hess Natur, der sich früh auf schadstofffrei produzierte Mode spezialisierte. Mira Singh präsentiert einen Hosenanzug aus dem Jahr 1973. Heide Ruopp kommentiert mit einem Lachen: „Der Traum einer jeden Studentin – da musste sich der Professor damals erst einmal sammeln.“ Linda Vaas zeigt einen zartrosa Rock von Windsor, kombiniert mit einer hellblauen Bluse von feinster Qualität.

Im vierten Durchgang „Landhaus“, werden neben weiteren Modellen von Mothwurf auch Entwürfe von Thierry Mugler sowie Massimo Dutti gezeigt. Ein besonderes Oberteil wurde von einer Schneiderin eigens gefertigt und entstammt der privaten Sammlung von Fürstin Irma.

Ein Höhepunkt des Abends folgt im fünften Durchgang: Zwei originale Prinzessinnenkleider der Designerin Rena Lange. Sie gehörten zwei Prinzessinnen aus Langenburg, darunter Prinzessin Beatrix zu Hohenlohe-Langenburg. Entworfen wurden sie unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Charakteristisch für Rena Lange waren ihre goldenen Signaturknöpfe – stets mit ihrem Namen versehen. „Man hat immer gesagt: Wer bei Coco Chanel nichts findet, geht zu Rena Lange.“

Der sechste Durchgang, „Elegant & Ladylike“, zeigt Stücke aus „der obersten Etage“, wie Ruopp formuliert. Wieder sind Entwürfe von Thierry Mugler zu sehen – feminin, mit betonter Taille – ebenso wie ein Plisseerock von Mothwurf.

Unter dem Motto „Kostüme“ präsentiert der siebte Durchgang farblich abgestimmte Kostüme unter anderem wieder von Thierry Mugler. Ergänzt werden sie durch klassische Blazer von Windsor – Schnitte, die seit 50 Jahren bestehen.

Modenschau in Kirchberg: Aus Kleiderschränken von Fürstinnen und Prinzessinnen

Mit viel Freude präsentierten die Models die Kleider dem Publikum – hier Christiane Stadelmaier in einem kurzen Schwarzen.

Den Abschluss bildet der achte Durchgang „Blazer“. Noch einmal treten Modelle von Windsor in Erscheinung, ergänzt durch einen Sommerblazer des Stuttgarter Designers Uli Knecht. „Heute würde man wohl Kompetenzjäckle dazu sagen“, scherzt Ruopp. Das Stück stammt aus dem Kleiderschrank von Andrea Prinzessin zu Hohenlohe-Heidenbergstetten.

Am Ende waren sich Models wie Gäste einig: Es war ein Abend voller Eleganz, Musik und Geschichten. „Die Vorstellung war wunderbar“, sagt Wilfried Walter aus Stuttgart. Eine Besucherin aus der Schweiz fasst es so zusammen: „Man wurde in eine andere Welt entführt. Musik und Mode erzählten Geschichten. Es war einfach nur schön.“


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