"Das Forsthaus ist ein Teil von mir"
Das Forsthaus Richtung Wettringen ist für Björn Duske weit mehr als ein Gelände. Es ist das Erbe seines Großvaters. Ein Ort mit Erinnerungen, der heute durch Vandalismus und Diebstahl gezeichnet ist.
„Früher gehörte das Haus zu den Forst- und Amtshäusern von
Rothenburg ob der Tauber.“ Hohe Decken zeichnen die Bauarchitektur aus – einst
lebte hier der Förster. Nach dessen Tod ging das Haus an seine beiden Töchter
über. „Sie wurden später eingewiesen, weil sie crazy wurden. Die beiden nahmen
wirklich ihr ganzes Hab und Gut überallhin mit – sogar zum Einkaufen nach
Michelbach“, erinnert sich Duske mit einem Lachen.
Ein altes Bild erinnert an die Geschichte des Ortes. "Das hab ich noch gefunden. So sah es früher aus."
Als das Forsthaus schließlich versteigert wurde, kaufte
Ernst Ehnes es gemeinsam mit einem HNO-Arzt aus Rothenburg. „Sie sagten sich:
Bevor wir uns gegenseitig hochbieten, kaufen wir es zusammen.“ Ehnes, gebürtig
von Michelbach, bewohnte fortan den oberen Teil des um 1827 errichteten Hauses,
der Arzt den unteren.
Beruflich hatte Ernst Ehnes Mineralwasser abgefüllt – er war es, der das erste Michelbacher Mineralwasser herstellte. Heute sitzen wir im Verkostungs- und Aufenthaltsraum des Getränkehandel Duske in Brettheim. „Hier war damals die Abfüllerei.“ In einer Zeit, in der es in Brettheim nur Tafelwasser gab, bohrte sein Opa nach Mineralwasser – mit Erfolg. 1982 verkaufte Ehnes den Betrieb an Eico. Ehnes führte zudem einen Beerenbau, eine Mosterei und eine Safterei.
Sogar die ehemalige Synagoge gehörte zeitweise der Familie – „Dort standen die Mosttanks vom Opa“, erklärt Duske mit einem Lachen.
Nach dem Tod seines Großvaters erbte er dessen Hälfte des
Forsthauses. Die zweite Hälfte kauften er und sein Bruder Sven Duske gemeinsam
hinzu. Björn Duskes eigener Werdegang ist vielseitig: Zunächst lernte er
Bierbrauer, absolvierte später eine Ausbildung zum Zimmerer und ist heute
Zimmerermeister. „Nebenher brenne ich schon in vierter Generation Schnaps.“
Das rund zwei Hektar große Grundstück des Forsthauses wird bis heute genutzt. Die Obstbäume liefern das Obst für die Brennerei. Ein Verkauf komme nicht infrage. „Unser Opa hat viele Bäume gepflanzt.“ Die Tische im Verkostungsraum stammen etwa aus dem Holz der größten Douglasie dort. Für jedes seiner vier Enkelkinder pflanzte Ernst Ehnes zur Geburt einen Baum am Forsthaus.
„So etwas gibt man nicht her.“
Aus dem größten Baum des Forsthauses, einer Douglasie, stellte Björn Duske Möbel für seinen Verkostungsraum her.
Über Jahrzehnte war das Haus ein Ort der Gemeinschaft. „Die
großen Partys begannen in der Generation meiner Mutter.“ Später nutzte die
Familie das Anwesen als Wochenenddomizil, zeltete dort und feierte kleine
Feste. „Wenn wir mit 16 nach der Schule nicht wussten, wohin, sind wir ins
Forsthaus gegangen.“ Aus kleinen Treffen wurden Veranstaltungen mit bis zu 600
Gästen. Bands probten dort, eine Heavy-Metal-Band drehte sogar ein Musikvideo,
2004 fand eine große Reggae-Party mit Musik von Bob Marley statt.
Eine Episode blieb besonders in Erinnerung: Als Duske 17 war, stand plötzlich die Kripo vor der Tür seiner Eltern. Ein späterer Gewaltverbrecher aus Michelbach, der immer noch seine Strafe wegen Mordes absitzt, hatte regelmäßig an den Feiern teilgenommen – eine Geschichte, die für große Aufregung sorgte und heute mit Abstand fast skurril wirkt. „Er hat sein ganzes Geld versoffen, wollte es seinen Eltern nicht sagen und behauptete, auf dem Heimweg überfallen worden zu sein“, erinnert sich Duske mit einem Lachen. „Jeder hats geglaubt.“
Früher gehörte sogar ein Pool zum Anwesen. „Wir haben ihn
später abgelassen, weil er undicht war – und er diente dann als Tanzfläche. Ich
habe dort meine halbe Jugend verbracht.“ Früher habe man das Haus von der
Straße aus nicht gesehen. Eine dichte Fichtenhecke umgab es, gepflanzt von
seinem Großvater. „Der Borkenkäfer hat sie zerstört.“
Heute ist das Forsthaus zunehmend ein Sorgenkind. Einbrüche,
Vandalismus und Diebstähle gehören zum Alltag. „Man weiß nie, was einen
erwartet, wenn man reingeht.“ Möbel verschwanden, Kupferleitungen wurden
herausgerissen, selbst neu verlegte Stromkabel abgekniffen. Illegale
Müllablagerungen machen die Eigentümer besonders wütend. „Mein Opa hat hier mit
unglaublichem Herzblut gearbeitet. In der zweiten Hütte auf der rechten Seite
hat er sogar eine Sauna mit Bad eingebaut. Auch dort wurde alles kurz und klein
geschlagen.“ Graffiti-Schmierereien an der Außenfassade sind ebenfalls polizeilich
aktenkundig.
Illegale Einbrüche und Aufenthalte scheinen bis heute kein Ende zu nehmen. Die ungebetenen Gäste hinterlassen dabei Dosen und Flaschen.
Bei einer Besichtigung liegt eine alte Matratze auf dem Boden. „Ich habe keine Ahnung, wer sie dort hingetan hat.“ Vor einigen Jahren sei im oberen Bereich zudem ein Schlafsack und ein Turnschuh entdeckt worden. Porzellangeschirr stand auf dem Tisch, als sei es gerade noch benutzt worden.
„Kupferdiebstähle hatten wir auch.“
Eine Matratze im Inneren zeigt, dass sich auch heute noch nächtliche Besucher auf dem Grundstück aufhalten.
Dennoch hat Björn Duske Pläne. „Ich will die Geschichte bewahren.“
Ein alter Ofen, angeblich einst aus dem Schloss Schillingsfürst,
steht heute in seinem Verkostungsraum – eines von Duskes vielen Projekten, um
das Lebenswerk seines Großvaters zu bewahren.
Ein Stück Forsthaus-Geschichte lebt weiter: Der alte Ofen steht heute im Verkostungsraum von Björn Duske in Brettheim. "Man sagt, er habe früher im Schloss Schillingsfürst gestanden."
Vor einigen Jahren entschieden sich Björn und Sven Duske,
keine weiteren Investitionen mehr zu tätigen. Nun soll sich das ändern. „Wir
wollen es diesmal richtig machen und das Anwesen für die Zukunft herrichten.“
In der Vergangenheit hatten die Brüder zeitweise auch einen
Mieter. „Der war aber auch etwas verrückt.“ Zudem trainiere die Bundeswehr dort
jährlich Geiselbefreiungsszenarien. „Sie sind dabei sogar nachts mit dem
Fallschirm gelandet.“
Um weiteren Schaden zu begrenzen, installierten die Brüder
Kameras. Nachts beobachtet Duske regelmäßig Bewegungen.
In der Hoffnung, weiteren Schaden zu verhindern, installierten die Brüder Kameras.
Zum Anwesen gehören auch Flächen am nahegelegenen Taubersee.
Dort hielt Ernst Ehnes Wildschweine. „Er hatte dort außerdem Fischweiher und
Schafe. Sogar am Friedhof in Michelbach waren Wildschafe von ihm untergebracht.“
An seiner Hütte am Weiher wurde ebenfalls bereits die Türe aufgebrochen.
Selbst die Hütte am Taubersee, einst Ort der Wildschweinhaltung von Ernst Ehnes, blieb nicht verschont: Die Tür wurde aufgebrochen.
„Das Forsthaus ist ein Teil von mir“, sagt Björn Duske. „Es ist meine Kindheit, meine Jugend – und ein Stück Zukunft. Ich will das Lebenswerk meines Opas erhalten.“
Was einst ein Ort des Zusammenkommens war, ist heute verbarrikadiert. Um weitere Schäden zu verhindern, wurden die Fenster vernagelt. „Sie waren immer wieder eingeschlagen worden.“
Früher war das Forsthaus ein Ort der Gemeinschaft, heute ist es zunehmend von Vandalismus, Einbrüchen und Diebstahl geprägt.
Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe
Jonas Ilg, Polizeihauptkommissar in der Stabsstelle
Öffentlichkeitsarbeit des Polizeipräsidiums Aalen, zieht eine rechtliche
Bilanz: „Hausfriedensbruch nach § 123 des Strafgesetzbuches kann mit einer
Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder mit einer Geldstrafe geahndet
werden.“
Auch Vandalismus, Graffiti-Schmierereien oder andere
Beschädigungen fallen strafrechtlich unter den Tatbestand der Sachbeschädigung
nach § 303 StGB. „Diese Delikte können mit Freiheitsstrafen von bis zu zwei
Jahren oder mit Geldstrafen geahndet werden.“
Zum Schutz des Eigentums empfiehlt er bauliche Maßnahmen wie
Zäune, Mauern, Hecken oder verschließbare Tore. Auch der Einsatz von Kameras
sei möglich, sofern diese ausschließlich das eigene Grundstück erfassen.
Darüber hinaus gebe es spezielle Einbruchsschutzmaßnahmen. „Eigentümer können
sich hierzu bei den kriminalpolizeilichen Beratungsstellen in den jeweiligen
Landkreisen informieren.“
Heute ist das Forsthaus mit Bretterverschlägen verbarrikadiert, um das einst Lebendige vor weiterem Schaden zu bewahren.
Die Außenfassade trägt die Spuren der Jahre - und erzählt heute mehr denn je die Geschichte des Forsthauses.
Versteckt hinter Bäumen ziert es die heutige Hauptstraße Richtung Wettringen, die jedoch erst nach dem Bau des Hauses angelegt wurde.
Auch Warnschilder vor Videoüberwachung schrecken die Besucher nicht davon ab, das Grundstück zu betreten.
Bierflaschen und Müll liegen teils über das gesamte Grundstück verstreut.
Was einst ein Wohnhaus war, ist heute gezeichnet von den Jahren. Für Ernst Ehnes erfüllte sich mit dem Forsthaus ein Jugendtraum.
Um Diebstähle einzudämmen, räumte Björn Duske große Teile des Hauses bereits aus.



Kommentare
Kommentar veröffentlichen