„Da war ein fremder Mann im Garten“

In Hengstfeld sorgt ein Wohnungseinbruch für Bestürzung: Ein kleiner Junge verlor sein Erspartes, seine Spielekonsole und seine neue Sporttasche. Die Polizei schließt eine Einbrecherbande nicht aus.

Seit der Nachbarschaftsbefragung ist die Besorgnis in der Hengstfelder Hauptstraße groß: Kinder haben Angst, Eltern schaffen sich Überwachungskameras an.

Seit der Nachbarschaftsbefragung ist die Besorgnis in der Hengstfelder Hauptstraße groß: Kinder haben Angst, Eltern schaffen sich Überwachungskameras an.

Ein Wohnungseinbruch sorgt in dem kleinen Dorf Hengstfeld, einem Ortsteil der Gemeinde Wallhausen, für große Verunsicherung. Am Ortsrand wurde am Dienstag, 12. Mai, zwischen 8 und 17 Uhr in ein Wohnhaus eingebrochen – am helllichten Tag. Nach derzeitigem Kenntnisstand verschaffte sich die Täterschaft gewaltsam Zutritt zum Gebäude, indem eine Fensterscheibe mittels eines Steins eingeworfen wurde, teilt Polizeioberkommissarin Turba vom Polizeipräsidium Aalen mit. Anschließend wurden eine Spielkonsole, Sporttasche, Bargeld und ein Parfüm entwendet. Der Wert des Diebesguts beläuft sich laut Polizei auf rund 700 Euro, der entstandene Sachschaden wird auf etwa 500 Euro geschätzt.

Die Geschädigten fühlen sich seit dem Einbruch zunehmend unsicher und beobachtet. Das Wohnzimmerfenster sei mit solcher Wucht eingeschlagen worden, dass selbst die gegenüberliegende Wand und der Sockel beschädigt wurden. Besonders im Wohnzimmer habe die Täterschaft Spuren der Verwüstung hinterlassen. Entwendet wurden unter anderem die Sporttasche, Spielekonsole und das ersparte Geld des kleinen Sohnes. „Er hat die Sporttasche erst zum Geburtstag bekommen.“ Die Kinder könnten das Geschehene nur schwer einordnen. Vor allem der Sohn könne kaum nachvollziehen, warum ausgerechnet seine Sachen weg sind. „Sie waren auch oben in den Kinderzimmern und in unserem Schlafzimmer. Dort wurden zum Glück nur die Schränke aufgerissen und nichts weiter verwüstet.“ Warum unter anderem ein Parfüm entwendet wurde, können sich die Geschädigten nicht erklären. Das eingeschlagene Fenster liegt zur Hauptstraße hin. 

„Die Täter gingen ein hohes Risiko ein, gesehen zu werden.“ 

Wie belastend das Erlebnis ist, zeigte sich auch beim Gespräch mit der Zeitung, als die Geschädigte bei einem haltenden Paketwagen sofort zusammenzuckte. Die Familie betont, wie tief ein solcher Einbruch Opfer emotional trifft. Besonders in der Nähe eines Sees in Hengstfeld seien immer wieder Jugendliche beobachtet worden, die Sachbeschädigungen begehen und sich dort „rumtreiben“.

Mann im Garten

In der Hauptstraße ist die Verunsicherung seit dem Einbruch groß. Einen Tag nach der Tat fanden Anwohner ein Schreiben des Polizeipostens Rot am See in ihren Briefkästen – mit dem Betreff: „Einbruch in Ihrer Nachbarschaft“. Darin bat die Polizei die Bevölkerung um Unterstützung und Hinweise zu möglichen verdächtigen Beobachtungen im Wohngebiet. „Mama, da war ein fremder Mann im Garten“, erinnert sich eine Mutter aus der Straße an die Worte ihres Kindes. „Die Kinder waren komplett aufgelöst“, berichtet sie gegenüber der Zeitung. Der Vorfall habe sich vor etwa drei Wochen ereignet. Die Kinder spielten im Garten, als sie einen unbekannten Mann bemerkten. „Sie hatten ihn noch nie zuvor gesehen und meinten, er habe eine Jeans und ein weißes T-Shirt getragen.“ Als der Fremde sie bemerkte, sei er geflüchtet. „Die Kinder waren verstört und hatten Angst. Als wir dann nachgesehen haben, waren nur noch Fußspuren zu sehen.“ Nachdem das Schreiben der Polizei im Briefkasten lag, machte sich die Mutter gemeinsam mit ihrer Nachbarin – die ebenfalls auf diesem Weg von dem Einbruch erfahren hatte – auf die Suche nach möglichen Auffälligkeiten am Haus. Die Unsicherheit bleibt. „Wir haben jetzt auch Kameras bestellt, um uns zu schützen“, sagt die Mutter. Ein Polizist habe sich ihr gegenüber zudem geäußert, dass es sich um eine eventuelle Einbrecherbande handeln könne. Auch ihre Nachbarin berichtet von einer spürbaren Verunsicherung, betont aber zugleich den starken Zusammenhalt in der Straße. Das Gespräch mit der besorgten Mutter sei selbstverständlich gewesen. „Ich fühle mich eigentlich sicher, aber bei uns treiben sich immer wieder Leute herum, die ich nicht kenne.“ Seither achten die Anwohner noch stärker darauf, Türen und Fenster geschlossen zu halten und ihre Umgebung genauer im Blick zu behalten.

„Der Wohnungseinbruch in Hengstfeld hat verständlicherweise zu einer Verunsicherung innerhalb der Bevölkerung geführt“, erklärt Bürgermeister Andreas Frickinger in einer Stellungnahme. 

„Gerade in kleineren Ortsteilen wirken sich solche Vorfälle unmittelbar auf das Sicherheitsgefühl der Bürger aus.“ Die Gemeindeverwaltung stehe in engem Austausch mit den zuständigen Polizeibehörden. Da die Ermittlungen derzeit andauerten, sei eine abschließende Bewertung aus Sicht der Gemeinde zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. „In den vergangenen Tagen haben uns zahlreiche Rückmeldungen erreicht, die sowohl Besorgnis als auch den Wunsch nach weiterer Aufklärung und einer stärkeren Präsenz der Sicherheitsbehörden zum Ausdruck bringen“, betont Frickinger. Gleichzeitig zeige sich ein bemerkenswerter Zusammenhalt innerhalb der Bürgerschaft. Unabhängig von möglichen Zusammenhängen mit weiteren bekannt gewordenen Einbrüchen betont der Bürgermeister: „Aufmerksamkeit, gegenseitige Rücksichtnahme und eine enge Zusammenarbeit mit der Polizei bleiben entscheidende Bausteine für das Sicherheitsgefühl vor Ort.“

Schwere der Tat

Während in Hengstfeld Anwohner per Brief informiert wurden, zeigte eine Bewohnerin aus Satteldorf Unverständnis darüber, nicht über dortige Vorfälle informiert worden zu sein. Laut Polizeioberkommissarin Lilian Turba gab es in den vergangenen zwei Monaten zwei Einbruchsversuche in Satteldorf, bei denen die Täter nicht in die Gebäude gelangten. Ob die Öffentlichkeit informiert wird, werde je nach Einzelfall entschieden – abhängig von Erkenntnislage, Schwere der Tat und ermittlungstaktischen Gründen. Ob eine organisierte Tätergruppe hinter den Vorfällen steckt oder ein Zusammenhang mit dem Einbruch in Hengstfeld besteht, werde geprüft. „In Hengstfeld haben die Kollegen wohl die Schwere der Tat festgestellt und sich für eine Nachbarschaftsbefragung entschieden.“ Solche Befragungen setze die Polizei fallabhängig ein. Die Verunsicherung in der Bevölkerung ist groß: Die Geschädigten in Hengstfeld sowie Bewohner der Hauptstraße und Anwohner in Satteldorf haben inzwischen Überwachungskameras installiert. Diese sind auf Privatgrundstücken erlaubt, solange keine öffentlichen Bereiche oder Nachbargrundstücke erfasst werden.

Die Polizei verweist zudem auf weitere Möglichkeiten zur Prävention. Bürger können sich bei den kriminalpolizeilichen Beratungsstellen zu baulichen Schutzmaßnahmen informieren. „Zudem appellieren wir an einen achtsamen Umgang in der Nachbarschaft“, erklärt Turba. Verdächtige Beobachtungen in Wohngebieten sollten frühzeitig der Polizei gemeldet werden. Für den Landkreis Schwäbisch Hall befindet sich die kriminalpolizeiliche Beratungsstelle in der Salinenstraße 18 in Schwäbisch Hall und ist unter Telefon 0791 / 400-322 erreichbar. Umfassende Informationen zum Einbruchschutz bietet zudem die Website der Einbruchschutzkampagne K-EINBRUCH.

Sachdienliche Hinweise zum Einbruch in Hengstfeld nimmt der Polizeiposten Rot am See unter der Telefonnummer 07955 / 454 sowie per E-Mail an rot-am-see.pw@polizei.bwl.de entgegen.


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