Herzensprojekt sucht neuen Beleuchter
Seit vielen Jahren bringen Gerhard Holl und sein Helfer Helmut Gebert ein Bäumchen im Burgbergwald zur Adventszeit zum Strahlen. Nun suchen sie einen Nachfolger, der die Tradition fortführt.
Mit viel Herzblut sorgen Gerhard Holl (links) und sein
langjähriger Freund Helmut Gebert Jahr für Jahr dafür, dass das Bäumchen im
Burgbergwald zur Adventszeit festlich erstrahlt.
Vor rund zwölf Jahren nahm eine ganz besondere Tradition im
Burgbergwald ihren Anfang. Karin Holl aus Crailsheim schmückte erstmals vor dem
ersten Advent ein kleines Bäumchen am Wegesrand. Was als liebevolle Idee
begann, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem echten Herzensprojekt, das
vielen Spaziergängern die Adventszeit verschönert.
Heute steht das geschmückte Bäumchen an zentraler Stelle nahe der Kaiserlinde bei Oberspeltach, direkt am Holzzaun der wilden Orchideen. Gemeinsam mit ihrer Nichte Lisa Mack sorgt Karin Holl jedes Jahr dafür, dass der Baum pünktlich zum Beginn der Adventszeit festlich erstrahlt. „Wir wollen die Menschen ansprechen, die hier vorbeikommen, und auch die Kinder erreichen“, erklärt Holl. Anfangs schmückte sie den Baum mit einer LED-Lichterkette. Doch die hielt nicht lange durch. Warum gerade ein Baum im Burgbergwald? „Zur Weihnachtszeit gibt es überall in den Dörfern beleuchtete und geschmückte Bäume. Aber wir wollten einen im Wald.“
Als die erste Beleuchtung ihren Dienst versagte, fragte sie ihren Schwiegervater Gerhard Holl, ob er nicht etwas entwickeln könne. Der pensionierte Elektromeister sagte sofort zu. Seitdem steckt der heute 86-Jährige jedes Jahr viel Zeit und Fachwissen in die technische Ausstattung. „Er hat all die Jahre jede Menge Herzblut in die Beleuchtung gesteckt“, sagt Karin Holl dankbar.
Technik, Einweisung inklusive
Unterstützung erhielt Gerhard Holl von seinem Freund Helmut Gebert aus Crailsheim. „Ich bin eher der Gehilfe. Gerhard ist der Hauptmacher. Von ihm stammt die ganze technische Ausrüstung“, sagt der 81-Jährige schmunzelnd. Mit einem Augenzwinkern ergänzt er: „In unserem Alter geht man nicht mehr auf Bäume.“ Genau deshalb sucht das Team nach einem Nachfolger für die Beleuchtung. Die technische Ausstattung könne übernommen werden. „Falls sich jemand findet, bin ich gerne bereit, ihn einzuweisen“, betont Gerhard Holl.
Aufgebaut wird jedes Jahr kurz vor dem ersten Advent, abgeschmückt wird traditionell am 6. Januar. Das Forstamt Schwäbisch Hall ermöglicht dafür jährlich eine Sondergenehmigung, sodass Gerhard Holl und sein Helfer direkt bis zum Baum fahren dürfen. Zunächst bringt er die Beleuchtung an, anschließend dekorieren Karin Holl und ihre Nichte den Baum. Auch beim Abschmücken läuft alles in umgekehrter Reihenfolge ab.
Ab 16 Uhr schaltet sich die Beleuchtung über eine Zeitschaltuhr ein. Die gesamte Elektronik befindet sich in einem wettergeschützten Kasten neben dem Baum. Darin arbeiten zwei Zeitschaltuhren, ein Laderegler sowie ein 50-Ampere-Akku, der etwa eine Woche hält. „Den Akku habe ich immer zu Hause geladen. Für die Zwischenzeit hatte ich einen kleineren Ersatzakku eingebaut“, erklärt Gerhard Holl. Die verwendeten Lichterketten arbeiten mit lediglich drei Volt. „Das ist sicher – auch für die Kinder.“ Zusätzlich sorgen Photovoltaikzellen am Baum dafür, dass sich der Akku bei Sonnenschein teilweise selbst aufladen kann.
Sobald die Technik installiert ist, kommen Karin Holl und ihre Nichte zum Einsatz und verwandeln die kleine Fichte in einen festlichen Blickfang. Der Baum ist inzwischen vielen ans Herz gewachsen. „Als wir einmal abgeschmückt hatten, haben mich Leute angerufen und gefragt, ob unser Weihnachtsschmuck gestohlen wurde“, erzählt Karin Holl mit einem Lachen.
Wie groß das Engagement hinter dem Projekt ist, zeigte sich schon vor Jahren: Damals durfte das Team sogar eine Hebebühne der Firma von Eberhard Horlacher aus Altenmünster nutzen, um den Baum dahinter zu schmücken. Dieser sei jedoch mittlerweile zu groß geworden. Für die Beleuchtung selbst genügt eine kleinere Leiter. „Wir waren immer zu zweit, damit einer sichern konnte“, erklärt Gerhard Holl. Zwei Zeitschaltuhren sorgen dafür, dass das Licht zeitversetzt geschaltet wird und auch die Menschen erreicht, die erst später vom Burgberg zurückkommen. „Für mich als Elektromeister war das immer ein schönes Hobby.“ Gemeinsam mit Helmut Gebert verbindet ihn nicht nur das Weihnachtsbaum-Projekt, sondern auch die langjährige Mitgliedschaft in der Chorgemeinschaft Altenmünster-Ingersheim.
Spenden willkommen
Gleichzeitig richtet er einen kleinen Spendenaufruf an die Bevölkerung: „Es wäre sehr hilfreich, wenn wir einen zweiten großen Akku hätten. Dann könnten wir auf den kleinen Ersatzakku verzichten.“
Vor allem aber wünschen sich die Beteiligten, dass die Tradition weiterlebt. „Wir haben viele Menschen damit erreicht. Viele bedanken sich jedes Jahr bei uns und sagen, wie schön das Bäumchen ist“, erzählt Karin Holl. „Manche kommen mit ihren Enkelkindern hierher. Andere laufen extra mit Glühwein oder Tee zum Baum, um die Stimmung zu genießen.“
Direkt gegenüber führt der Weg hinauf zum Burgberg. Dort steht das kleine Weihnachtsbäumchen inzwischen als festes Symbol für Gemeinschaft, Engagement und Adventsfreude. Wer Interesse hat, die Beleuchtung künftig zu übernehmen oder das Projekt zu unterstützen, kann sich bei Karin Holl melden: holl.karin@web.de.
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