Kegeln bringt ihr Halt und Ausgleich
Taja Wöran aus Blaufelden sichert sich den Titel bei den württembergerischen Jugendeinzelmeisterschaften. Die 13-Jährige hat dafür hart gekämpft - auf und abseits der Bahn.
Die Herausforderungen, die sie meistern musste, haben Taja
Wöran zu der jungen Frau gemacht, die heute auf der Kegelbahn erfolgreich ist.
Taja Wöran aus Blaufelden hat bei den Württembergerischen
Jugendeinzelmeisterschaften im Kegeln den Titel in der Altersklasse U14
gewonnen. „Damit hat sie nicht nur sich selbst, sondern unsere gesamte Gemeinde
auf die sportliche Landkarte im Kegeln gesetzt“, betont Bürgermeister Michael
Dieterich stolz.
Die erst seit rund zwei Jahren aktive Nachwuchssportlerin des SKC Markelsheim ließ sich von der großen Bühne nicht beeindrucken. Bereits im Vorlauf erzielte sie mit 525 Holz eine persönliche Bestleistung und belegte unter 16 Teilnehmerinnen Rang zwei hinter Liara Schmidt vom TSV Essingen. Damit qualifizierte sie sich für den Endlauf der besten Acht. Dort bewies die 13-Jährige einen Tag später ihre Nervenstärke. Während Favoritin Liara Schmidt auf 486 Holz zurückfiel, hielt Taja ihr Niveau und erreichte starke 503 Holz.
„Konstanz und Nerven machen einen Meister aus“, sagt Dieterich.
Mit ihrem Erfolg qualifizierte sich Taja für die Deutschen Meisterschaften. Am 16. Mai trat sie in München gegen die 23 besten U14-Keglerinnen Deutschlands an.
Für Bürgermeister Dieterich ist ihr Erfolg auch ein Zeichen für die sportliche Stärke der Gemeinde: „In Blaufelden wächst etwas Besonderes heran.“ Im Herbst wird Taja beim Meisterempfang im Rathaus geehrt und darf sich ins Goldene Buch der Gemeinde eintragen.
Bei einem Training auf der Kegelbahn in Markelsheim erzählt die 13-Jährige von ihrem Weg zum Sport. Dieser begann über das Ferienprogramm. „Eigentlich wollte ich mit zwei Freundinnen hingehen, aber die hatten keine Zeit. Also bin ich alleine zum Kegeln gegangen.“
Hinter ihrem Erfolg steht eine schwierige Vergangenheit. Mehrere Schulwechsel aufgrund von Mobbing prägten ihre Kindheit. Ihr Selbstbewusstsein habe sie sich über Jahre zurückerkämpft. Heute findet sie im Kegeln Halt und Ausgleich. „Mir gefällt, dass man alleine spielt, aber trotzdem Teil eines Teams ist. Jeder Wettbewerb ist aufregend.“ Aktuell spielt sie als Gastspielerin in Westhausen, ab September im Jugendteam des TSV Essingen. Für den SKC Markelsheim tritt sie in einer gemischten Mannschaft an.
Mit fünf Jahren wurde sie eingeschult und übersprang später eine Klasse. „In den Sommerferien hat sie sich die komplette dritte Klasse selbst beigebracht und ist direkt von der zweiten in die vierte Klasse gewechselt“, berichtet Mutter Sandra Wöran stolz. Derzeit besucht Taja die Realschule in Niederstetten und beginnt demnächst eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement.
„Wir sind jede Woche mit ihr beim Training“, sagt Vater Arndt Wöran. Bei der Meisterschaft habe man gespürt, dass Großes möglich sei. „Wir wussten, dass sie die 500 Holz knacken wird.“ Neben dem Kegeln spielt Taja auch Fußball. „Aber beim Kegeln sehe ich, was ich geschafft habe, und kann mich selbst reflektieren“, erklärt sie. Bei Wettkämpfen ist ihr der Rückhalt ihrer Eltern wichtig – auch wenn diese nicht direkt hinter ihr sitzen dürfen. „Dort sitzt immer ihr Trainer“, sagt Mutter Sandra Wöran mit einem Lachen. Der Titelgewinn war für alle ein emotionaler Moment. „Wir lagen uns weinend in den Armen“, erinnert sich Sandra Wöran. Die Teilnahme an der Meisterschaft sei eigentlich erst für nächstes Jahre geplant gewesen.
Reise nach Frankreich
Anfang Juli reist sie mit dem TSV Essingen nach Frankreich, im Oktober steht der Ländervergleich an. Für November und Dezember sind weitere Liga- und Jugendspiele geplant. Insgesamt bestreitet sie rund 20 Wettkämpfe pro Jahr. Mit der Jugendmannschaft des TSV Essingen hat sie im nächsten Jahr erneut die Chance, sich den Traum vom deutschen Meistertitel zu erfüllen. Neben dem Sport engagiert sich Taja bei den Pfadfindern. Im kommenden Jahr nimmt sie am Jamboree in Polen teil.
Trainer Timo Leber begleitet sie seit Anfang an und sieht in ihr ein außergewöhnliches Talent. „Sie ist unglaublich fokussiert, setzt Dinge konsequent um und hat immer ein Ziel vor Augen.“ Ihr Ehrgeiz sei einer der Hauptgründe für ihren rasanten Aufstieg. „Manche kegeln seit 20 Jahren und treffen nichts“, ergänzt er mit einem Lachen.
Sandra Wöran nutzt die Gelegenheit für einen Appell: „Wir brauchen Nachwuchs. Taja ist aktuell die einzige Spielerin in der U14. Dazu kommen nur noch zwei U19-Spieler.“
Auf ihrem Instagram-Account @onlyyy_tajaa lässt Taja ihre Follower regelmäßig an ihrem Training und ihren Wettkämpfen teilhaben.
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