Drei Sieger, eine Familie

Markus Scheu, Jens Scheu und Collin Scheu haben eines gemeinsam: Sie brennen fürs Handwerk. Alle drei schlossen ihre Ausbildung als Jahrgangsbeste ab und führen den Familienbetrieb mit Hingabe fort.

Drei Männer, eine Leidenschaft: Markus Scheu, Sohn Collin Scheu und dessen Onkel Jens Scheu (von links) stehen gemeinsam für den Familienbetrieb Scheu Flaschnerei und Haustechnik.

Vater, Sohn und Onkel verbindet dieselbe Leidenschaft fürs Handwerk: Mit Herzblut arbeiten sie im Familienbetrieb Scheu Flaschnerei und Haustechnik in Michelbach/Lücke. Das Besondere: Alle drei wurden Sieger ihres Jahrgangs.

Firmeninhaber Markus Scheu beendete 1992 seine Lehre zum Gas- und Wasserinstallateur nach nur zweieinhalb Jahren als bester Auszubildender. Sohn Collin Scheu wurde 2024 Innungssieger als Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Onkel Jens Scheu schloss seine Ausbildung 2000 als Innungs- und Kammersieger ab. Er wurde zudem Bester Auszubildender aller Berufe der Kreishandwerkerschaft. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm die Preisverleihung, die damals erstmals von Reinhold Würth vorgenommen wurde.

Von klein auf dabei

Nach seiner Ausbildung studierte Firmeninhaber Dipl.-Ing. (FH) Markus Scheu Versorgungstechnik. Bruder Jens legte 2003 die Meisterprüfung als Installateur und Heizungsbauer ab, ein Jahr später folgte der Klempnermeister.

„Für mich kam nie ein anderer Beruf infrage“, sagt der 23-jährige Collin Scheu. Schon als Kind begleitete er seinen Vater auf Baustellen und half im Betrieb mit. „Dadurch hatte ich viel Grundwissen und in der Berufsschule einen Vorteil. Außerdem wollte ich besser sein als die anderen.“

Besonders gern arbeitet er im Heizungsbau. „Es macht Spaß, ineffiziente Anlagen aus und durch moderne Wärmepumpen oder Biomasseheizungen zu ersetzen. Oft wird dabei der ganze Heizraum saniert – es entsteht etwas völlig Neues.“ Derzeit besucht er die Meisterschule in Ulm, die er Anfang 2027 abschließen möchte. Sein Ziel: den Familienbetrieb später in fünfter Generation weiterzuführen.

Darauf ist Vater Markus Scheu stolz. „Unsere Geschichte begann 1903, als mein Urgroßvater mit einem Rucksäckle von Heilbronn nach Michelbach kam und den Betrieb gründete. Es freut mich sehr, dass mit Collin die nächste Generation weitermacht.“

Nach einem Skiunfall 2019 arbeitet der 53-Jährige überwiegend im Büro. Zuvor prägte er den Heizungsbau und erinnert sich an die ersten Nahwärmenetze und Biomasseanlagen. „Ich liebe es, Menschen kennenzulernen und gemeinsam mit ihnen neue Projekte umzusetzen.“

Er und sein Bruder sind im Betrieb groß geworden. 

„Wir sind mit Schaffen groß geworden. Samstags wurde für uns selbst gebaut oder umgebaut. Unser Opa nannte das immer die Großkampftage“, erzählt Markus Scheu schmunzelnd. 

„Alle haben mit angepackt und so haben wir gemeinsam viel geschafft.“

Nach Firmengründer Gottlieb Scheu führten Otto und später Karl Scheu den Betrieb, bevor Markus Scheu übernahm. An ihren Vater erinnern sich die Brüder gerne. „Er hat uns schon als kleine Kerle auf die Baustellen mitgenommen“, sagt Markus Scheu. Karl Scheu starb 2023. Besonders im Gedächtnis geblieben ist ein Satz: Bei jedem An- oder Umbau am Haus oder Betrieb erklärte er, das sei sein letztes Projekt – die nächsten könnten die Söhne übernehmen. Bei weiteren Projekten sagte er wieder dasselbe. „Er wäre heute auf jeden Einzelnen stolz.“ Dass Tochter Phyllis Scheu Polizistin wird, sieht die Familie gelassen. „Wir haben unsere Kinder immer in allem unterstützt.“

Jeder hat seinen Part.

Auch Jens Scheu denkt gern an seinen Vater zurück. „Er meinte immer, ich solle Elektriker werden. Das würde gut dazu passen.“ Der heute 45-Jährige blieb jedoch seinem Wunschberuf treu. „Er hat nie erwartet, dass wir den Betrieb übernehmen. Ihm war wichtig, dass wir es aus eigener Überzeugung tun.“

Neben seiner Arbeit im Familienunternehmen engagiert sich der Hauptbrandmeister als Gesamtwehrkommandant bei der Feuerwehr Wallhausen. Seine Leidenschaft gilt der Flaschnerei. „Ich bin stolz auf unsere lange Tradition – sie macht die Geschichte des Betriebs sichtbar.“

Während Markus Scheu den Bereich Haustechnik verantwortet, kümmert sich Jens Scheu um Blecharbeiten und Badsanierungen. „Jeder hat seinen Bereich. Deshalb ergänzen wir uns so gut“, sagt der zweifache Meister. Seit 2002 ist der 45-Jährige außerdem Vorsitzender des Gesellenprüfungsausschusses und nimmt dem handwerklichen Nachwuchs die Prüfungen ab. Schwägerin Jenny Scheu und Seniorchefin Lieselotte Scheu arbeiten im Büro mit. Der Betrieb bildet Klempner, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie Kaufleute für Büromanagement aus.

Auf ihrer Homepage gibt das Team Einblicke in ihren Arbeitsalltag. Weitere Infos unter www.teamscheu.de.

Was 1903 mit einem „Rucksäckle“ begann, lebt heute in vierter Generation weiter – getragen von der Freude am Handwerk und familiärem Zusammenhalt.

Info: Markus Scheu setzte sich im Winter 1991/1992 in Crailsheim gegen zwölf Prüflinge durch, wie aus der Niederschrift der Handwerkskammer hervorgeht. Jens Scheu gegen 66 Lehrlinge im Kammerbezirk von denen 50 die Prüfung bestanden. Er wurde bester Auszubildender aller Ausbildungsberufe der Kreishandwerkerschaft Hall und setzte sich gegen 340 Azubis durch; Collin Scheu gegen 23 Prüflinge der Innung Schwäbisch Hall – im Kammerbezirk bestanden 92 von 123 Lehrlingen ihre Prüfung.


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