Eine lieb gewonnene Tradition zum Jahresabschluss

374 Läuferinnen und Läufer trotzten beim Silvesterlauf der Kälte. Aus ganz unterschiedlichen Motiven – ob für den guten Zweck oder einfach aus Freude am Sport – gingen sie an den Start und brachten sich beim Laufen schnell auf Betriebstemperatur.

39. Hohenloher Silvesterlauf Hengstfeld

Mit dem Startschuss gingen insgesamt 374 Läuferinnen und Läufer ins Rennen.  

Eisige Temperaturen, schneidend kalter Wind und glatte Straßen – doch all das hält sie nicht auf: 374 Läuferinnen und Läufer gehen am Silvestertag beim 39. Hengstfelder Silvesterlauf an den Start. Dick eingepackt in Mützen, Handschuhe und Winterjacken verabschiedeten sie das alte Jahr sportlich – und für den guten Zweck. „Nächstes Jahr feiern wir Jubiläum“, sagt Heidrun Kleinert aus Asbach. Sie leitet die Lauftreffgruppe und gehört zu den Hauptorganisatorinnen des traditionsreichen Silvesterlaufs. „Früher bin ich selbst mitgelaufen, heute stecke ich mitten in der Organisation.“ Für Kleinert ist der Lauf weit mehr als ein sportlicher Wettkampf. „Hier sind immer alle da. Das ist das Schöne – diese Gemeinschaft.“ Zum Silvesterlauf sei sie über den Fußball und durch ihre Eltern gekommen. „Es rücken immer weniger nach. Bei so einem Event sind einfach immer alle da – und das ist etwas Besonderes.“ Treffpunkt ist wie jedes Jahr das Vereinsheim in Hengstfeld. Start und Ziel liegen auf derselben Strecke, die Zeitmessung erfolgt elektronisch über Transponder in den Startnummern. Trotz des kalten Wetters war der Andrang groß. Im vergangenen Jahr waren es noch rund 400 Teilnehmende. Die Anmeldung am Vereinsheim öffnete um 11 Uhr und war bis 12.30 Uhr möglich. Der offizielle Start war für 13 Uhr angesetzt.

39. Hohenloher Silvesterlauf Hengstfeld

 Bereits kurz vor dem Start zog sich die Warteschlange der Teilnehmenden fast bis zum Zielpunkt.

Durch eine Schnapsidee entstanden

Die Entstehung des Silvesterlaufs ist ebenso schlicht wie charmant. „Früher haben wir hier im Vereinsheim immer Silvester gefeiert“, erinnert sich Hermann Wacker, Vater von Heidrun Kleinert. „Irgendwann sind wir aus einer Laune heraus einfach losgelaufen – ohne Startnummern, ohne Zeitmessung. Vielleicht fünf Leute.“ Was damals als spontane Idee begann, ist heute ein fest etablierter Lauf mit mehreren hundert Teilnehmern. Die Teilnehmenden selbst kommen aus allen Altersklassen. Einige wärmen sich bereits eine halbe Stunde vor dem Start auf, andere gehen entspannt an die Sache heran. Ob ambitionierter Läufer, Freizeitjogger oder Nordic Walker – am Start ist für jeden Platz. Bereits eine Woche nach dem Anmeldestart am 1. Dezember hatten sich 50 Teilnehmende registriert. Insgesamt gingen rund 315 Voranmeldungen ein – für das Organisationsteam dennoch ein arbeitsreicher Kraftakt.

39. Hohenloher Silvesterlauf Hengstfeld

Teilnehmende aller Altersklassen gingen in diesem Jahr für den guten Zweck an den Start.

Als Erster meldete sich in diesem Jahr Manfred Haag aus Jagstheim an. Er trägt deshalb die rote Startnummer eins. „Ich laufe die zehn Kilometer und habe mich sofort online angemeldet, sobald es möglich war“, erzählt der 59-Jährige mit einem Lachen. Zum fünften Mal in Folge steht er in Hengstfeld an der Startlinie. Gemeinsam mit seinem Team, den Burgberg Runners, ist er auch in diesem Jahr vertreten. „Ich gehe dreimal pro Woche laufen. Der Silvesterlauf ist für mich zur festen Tradition geworden.“ Insgesamt gehen 13 Läuferinnen und Läufer für die Burgberg Runners an den Start. „Seit mindestens 15 Jahren sind wir dabei“, sagen Sabine Wolfinger und Thomas Reichenwallner, ebenfalls Mitglieder des Teams. In ihren gelben Trikots ist die Gruppe auf der Strecke nicht zu übersehen. „Wir laufen mit, weil es einfach schön ist – es gehört zum Jahresabschluss“, erklärt Wolfinger. Reichenwallner ergänzt: „So lässt man das Jahr sportlich ausklingen. Außerdem läuft man für einen guten Zweck und trifft viele nette Leute. Die Gemeinschaft ist einfach etwas Besonderes.“

39. Hohenloher Silvesterlauf Hengstfeld

Mit der Startnummer 1 führte Manfred Haag sein Team der Burgberg Runners an. Er selbst absolvierte die 10-Kilometer-Strecke, während Kollegin Sabine Wolfinger über 5 Kilometer und Thomas Reichenwallner (links) ebenfalls über 10 Kilometer an den Start gingen.  

Eigentlich sollte die Anmeldung um 12.30 Uhr schließen, doch auch um 12.55 Uhr stehen noch immer lange Schlangen vor dem Vereinsheim. „Die überrennen uns – mal sehen, ob wir um 13 Uhr starten können“, sagt Sonja Grüb. Gemeinsam mit Marina Wurzinger, Sandra Köffler, Heidrun Kleinert, Sonja Boppel, Gudrun Klein und Sandra Utz gibt sie an diesem Mittag die Startnummern aus. Die Warteschlange reicht zeitweise bis in den Zielbereich. Um dem großen Andrang gerecht zu werden, wurden in diesem Jahr zwei Kassen eingerichtet. Für den Fünf-Kilometer-Lauf werden schwarze Startnummern vergeben, für die Zehn-Kilometer-Strecke rote. Jede Startnummer ist mit einem Transponder ausgestattet, der die individuelle Laufzeit exakt misst. „Sobald jemand die Matte im Ziel überquert, stoppt das System die Zeit“, erklärt Grüb.

"Ohne den Silvesterlauf kein neues Jahr"

Die Motive der Läuferinnen und Läufer sind vielfältig: Viele gehen aus reiner Freude am Sport an den Start, andere treibt vor allem der Gedanke an Bewegung für den guten Zweck an. „Ohne den Silvesterlauf gibt es irgendwie kein neues Jahr“, sagt eine Teilnehmerin an der Anmeldung. Jonathan Hartter aus Crailsheim ist in diesem Jahr zum fünften Mal dabei. Er läuft in seiner Freizeit regelmäßig, gehört jedoch keinem Verein an. „Ich starte über die zehn Kilometer“, erklärt er. Sein Laufkollege Lars Rettek aus Honhardt nimmt bereits zum dritten Mal teil. Der zertifizierte Sporttrainer sieht sich an diesem Tag vor allem als Motivator: „Ich bin heute mehr Anfeuerer als Läufer – das entscheidet sich aber noch auf der Strecke“, sagt er mit einem Lachen. „Der Silvesterlauf ist mittlerweile eine Verpflichtung. Traditionen werden schnell zu Verpflichtungen.“

39. Hohenloher Silvesterlauf Hengstfeld

Kurz vor der Ziellinie war in vielen Gesichtern der Stolz über die eigene Leistung zu sehen.

Auch das Deutsche Rote Kreuz ist beim Silvesterlauf wieder im Einsatz. „Wir sind hier eigentlich jedes Jahr vertreten – alles auf ehrenamtlicher Basis“, erklärt einer der Sanitäter. Ein Helfer begleitet die Strecke, zwei weitere bleiben am Vereinsheim in Bereitschaft. In den vergangenen Jahren kam es zu keinen nennenswerten Vorfällen, und auch in diesem Jahr verläuft der Silvesterlauf unfallfrei. „Die Sportler sind gut vorbereitet. Wir sind vor allem zur Sicherheit präsent – falls doch einmal etwas passieren sollte.“

Viele Teilnehmende sind an diesem Tag mit Nordic-Walking-Stöcken unterwegs. „Wir sind zum ersten Mal hier“, sagt eine 65-jährige Teilnehmerin aus Vellberg. In ihrer Freizeit betreibt sie leidenschaftlich Nordic Walking. „Wir wollten es einfach einmal ausprobieren und dabei sein.“ Auch eine Polizistin aus dem Landkreis Rottweil nahm für den Silvesterlauf eine längere Anreise auf sich. Amelie Ziegler stand in diesem Jahr erstmals in Hengstfeld an der Startlinie. „Ich komme gerade aus der Nachtschicht“, berichtet die 23-Jährige. In der Region hat sie bereits an mehreren Läufen teilgenommen, in diesem Jahr lief sie zudem den Berlin-Marathon. Ziegler versucht das Training zwischen ihren Schichten unterzubringen. „Das muss man einfach gut einteilen.“

Besonders beeindruckend ist die Altersspanne der Teilnehmenden: Der älteste Läufer ist der 82-jährige Manfred Richter aus Reubach. Seit 50 Jahren nimmt er regelmäßig an Wettkämpfen teil, in Hengstfeld steht er bereits zum 39. Mal an der Startlinie – in diesem Jahr erstmals mit Nordic-Walking-Stöcken. Eine kürzlich zugezogene Verletzung konnte ihn jedoch nicht davon abhalten, dennoch mitzulaufen. „Der Silvesterlauf gehört für mich einfach zum Jahresende“, sagt Richter. Nach rund 56 Minuten überquert er stolz die Ziellinie. „Ich war bei jedem Lauf hier im Landkreis dabei.“ Zuletzt gewann er in Niedernhall den ersten Platz. Insgesamt hat er bereits mindestens 50 Marathons absolviert und sogar an einem 100-Kilometer-Lauf in der Schweiz teilgenommen.

39. Hohenloher Silvesterlauf Hengstfeld

Zum 39. Mal ging Manfred Richter an den Start. Mit stolzen 82 Jahren war er der älteste Teilnehmer des Silvesterlaufs und bewältigte die 5 Kilometer mit seinen Nordic-Walking-Stöcken in 56 Minuten.

Ehrgeiz, Motivation und Sieg

Nach dem Startschuss machen sich die Läuferinnen und Läufer auf den Weg Richtung Michelbach zum Wendepunkt des Fünf-Kilometer-Laufs. Von dort führt die Strecke über Asbach zurück zur Ziellinie am Vereinsheim. Bereits nach rund 15 Minuten überqueren Yassin Bouchti bei den Männern und Marie Brand bei den Frauen als Erste die Ziellinie des Fünf-Kilometer-Laufs.

39. Hohenloher Silvesterlauf Hengstfeld

Mit der Startnummer 399 lief Marie Brand als schnellste Frau des 5- Kilometer- Laufs ins Ziel.

Der Zehn-Kilometer-Lauf führt von Hengstfeld über Michelbach und dortigen Taubersee nach Leitsweiler, weiter über Gailroth, Schönbronn und Asbach zurück zum Vereinsheim. Als Erste erreichen Tobias Feyrer bei den Männern und Mariele Bouchti bei den Frauen die Ziellinie.

39. Hohenloher Silvesterlauf Hengstfeld

Mit der Startnummer 113 lief Tobias Feyrer als schnellster Läufer unter den Männern des 10 Kilometer-Laufs ins Ziel.

Viele Läuferinnen und Läufer haben sich gezielt vorbereitet, andere treiben bereits ihr Leben lang regelmäßig Sport. Die Motivationen sind unterschiedlich, führen jedoch zum selben Ziel: durchhalten, in Bewegung bleiben und dem eigenen Körper zum Jahresende noch einmal etwas Gutes tun.

39. Hohenloher Silvesterlauf Hengstfeld

Mit vollem Einsatz waren auch in diesem Jahr die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr mit ihren Sauerstoffflaschen auf der 5-Kilometer-Strecke unterwegs.

Zehn Kilometer ohne gezielte Vorbereitung

Auch Carolin Kreuzer und ihr Schwager Marco Kreuzer erreichen nach ihrem Zehn-Kilometer-Lauf das Ziel. „Ich habe mich eigentlich überhaupt nicht vorbereitet. Ich bin höchstens einmal fünf oder zehn Kilometer auf dem Laufband gelaufen“, erzählt Marco Kreuzer mit einem Lachen – das sei allerdings schon eine Weile her. Bereits 2018 hatte er einmal am Silvesterlauf teilgenommen. Für seine Schwägerin Carolin Kreuzer ist es in diesem Jahr die erste Teilnahme. „Ich bin etwa einmal pro Woche joggen gegangen und habe mich dann hier angemeldet“, berichtet sie. Vieles sei Kopfsache: „Wenn du auf der Strecke denkst, ich kann nicht mehr, dann schaffst du es auch nicht.“ Marco Kreuzer ergänzt mit einem Augenzwinkern: „Die harte tägliche Arbeit in der Landwirtschaft hält auch fit.“

39. Hohenloher Silvesterlauf Hengstfeld

Nach zehn Kilometern strahlten Carolin Kreuzer und ihr Schwager Marco Kreuzer im Ziel.

Die Einnahmen des Silvesterlaufs kommen jedes Jahr sozialen Einrichtungen zugute. In diesem Jahr profitiert der Kinderschutzbund Crailsheim von den Erlösen. „Die Läuferinnen und Läufer zahlen eine Startgebühr, von der ein Teil zur Deckung der Kosten verwendet und der übrige Betrag gespendet wird“, erklärt Heidrun Kleinert. „Dank unserer Sponsoren fällt der Anteil für die Fixkosten in der Regel sehr gering aus.“

Ergebnisse des 39. Hohenloher Silvesterlaufs in Hengstfeld

Top-3-Platzierungen

Zehn Kilometer
Männer

1. Tobias Feyrer, FuF-Laufteam 33:51
2. Florian Dinse, TSG Schwäbisch Hall 34:11
3. Manuel Kochendörfer, Jagsttal Grinder 34:14
Frauen
1. Marielle Bouchti, SU Neckarsulm 39:12
2. Tanja Schienagel, TSV Dünkelsbühl 40:12
3. Stefanie Dolinsky, TSV Crailsheim Triathlon 41:30

Fünf Kilometer
Männer
1. Yassin Bouchti, SU Neckarsulm 16:35
2. Ralf Kempf, Tricon Schwäbisch Hall 16:59
3. David Belschner, Tricon Schwäbisch Hall 17:06
Frauen
1. Marie Brand, LG Hohenlohe 18:14
2. Maray Benner, Sun 19:42
3. Felicia Blessing, Pushing Paces 20:17

Nordic Walking, fünf Kilometer
Männer
1. Achim Wöhl, TSV Sulzdorf 37:46
2. Marcel Müller, TSV Willsbach 39:49
3. Thomas Göhring, VfB Stuttgart 42:58
Frauen
1. Ramona Schindler, walken nicht joggen 37:51
2. Nadine Fessler, Motorman Run OCR 37:55
3. Sabine Sprenger, TV Rot am See 41:03


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