Eine lieb gewonnene Tradition zum Jahresabschluss
374 Läuferinnen und Läufer trotzten beim Silvesterlauf der Kälte. Aus ganz unterschiedlichen Motiven – ob für den guten Zweck oder einfach aus Freude am Sport – gingen sie an den Start und brachten sich beim Laufen schnell auf Betriebstemperatur.
Durch eine Schnapsidee entstanden
Die Entstehung des Silvesterlaufs ist ebenso schlicht wie
charmant. „Früher haben wir hier im Vereinsheim immer Silvester gefeiert“,
erinnert sich Hermann Wacker, Vater von Heidrun Kleinert. „Irgendwann sind wir
aus einer Laune heraus einfach losgelaufen – ohne Startnummern, ohne
Zeitmessung. Vielleicht fünf Leute.“ Was damals als spontane Idee begann, ist
heute ein fest etablierter Lauf mit mehreren hundert Teilnehmern. Die
Teilnehmenden selbst kommen aus allen Altersklassen. Einige wärmen sich bereits
eine halbe Stunde vor dem Start auf, andere gehen entspannt an die Sache heran.
Ob ambitionierter Läufer, Freizeitjogger oder Nordic Walker – am Start ist für
jeden Platz. Bereits eine Woche nach dem Anmeldestart am 1. Dezember hatten
sich 50 Teilnehmende registriert. Insgesamt gingen rund 315 Voranmeldungen ein
– für das Organisationsteam dennoch ein arbeitsreicher Kraftakt.
"Ohne den Silvesterlauf kein neues Jahr"
Die Motive der Läuferinnen und Läufer sind vielfältig: Viele gehen aus reiner Freude am Sport an den Start, andere treibt vor allem der Gedanke an Bewegung für den guten Zweck an. „Ohne den Silvesterlauf gibt es irgendwie kein neues Jahr“, sagt eine Teilnehmerin an der Anmeldung. Jonathan Hartter aus Crailsheim ist in diesem Jahr zum fünften Mal dabei. Er läuft in seiner Freizeit regelmäßig, gehört jedoch keinem Verein an. „Ich starte über die zehn Kilometer“, erklärt er. Sein Laufkollege Lars Rettek aus Honhardt nimmt bereits zum dritten Mal teil. Der zertifizierte Sporttrainer sieht sich an diesem Tag vor allem als Motivator: „Ich bin heute mehr Anfeuerer als Läufer – das entscheidet sich aber noch auf der Strecke“, sagt er mit einem Lachen. „Der Silvesterlauf ist mittlerweile eine Verpflichtung. Traditionen werden schnell zu Verpflichtungen.“
Auch das Deutsche Rote Kreuz ist beim Silvesterlauf wieder im Einsatz. „Wir sind hier eigentlich jedes Jahr vertreten – alles auf ehrenamtlicher Basis“, erklärt einer der Sanitäter. Ein Helfer begleitet die Strecke, zwei weitere bleiben am Vereinsheim in Bereitschaft. In den vergangenen Jahren kam es zu keinen nennenswerten Vorfällen, und auch in diesem Jahr verläuft der Silvesterlauf unfallfrei. „Die Sportler sind gut vorbereitet. Wir sind vor allem zur Sicherheit präsent – falls doch einmal etwas passieren sollte.“
Viele Teilnehmende sind an diesem Tag mit
Nordic-Walking-Stöcken unterwegs. „Wir sind zum ersten Mal hier“, sagt eine
65-jährige Teilnehmerin aus Vellberg. In ihrer Freizeit betreibt sie
leidenschaftlich Nordic Walking. „Wir wollten es einfach einmal ausprobieren
und dabei sein.“ Auch eine Polizistin aus dem Landkreis Rottweil nahm für den
Silvesterlauf eine längere Anreise auf sich. Amelie Ziegler stand in diesem
Jahr erstmals in Hengstfeld an der Startlinie. „Ich komme gerade aus der
Nachtschicht“, berichtet die 23-Jährige. In der Region hat sie bereits an
mehreren Läufen teilgenommen, in diesem Jahr lief sie zudem den
Berlin-Marathon. Ziegler versucht das Training zwischen ihren Schichten
unterzubringen. „Das muss man einfach gut einteilen.“
Besonders beeindruckend ist die Altersspanne der
Teilnehmenden: Der älteste Läufer ist der 82-jährige Manfred Richter aus
Reubach. Seit 50 Jahren nimmt er regelmäßig an Wettkämpfen teil, in Hengstfeld
steht er bereits zum 39. Mal an der Startlinie – in diesem Jahr erstmals mit
Nordic-Walking-Stöcken. Eine kürzlich zugezogene Verletzung konnte ihn jedoch nicht
davon abhalten, dennoch mitzulaufen. „Der Silvesterlauf gehört für mich einfach
zum Jahresende“, sagt Richter. Nach rund 56 Minuten überquert er stolz die
Ziellinie. „Ich war bei jedem Lauf hier im Landkreis dabei.“ Zuletzt gewann er
in Niedernhall den ersten Platz. Insgesamt hat er bereits mindestens 50
Marathons absolviert und sogar an einem 100-Kilometer-Lauf in der Schweiz
teilgenommen.
Zum 39. Mal ging Manfred Richter an den Start. Mit stolzen 82 Jahren war er der älteste Teilnehmer des Silvesterlaufs und bewältigte die 5 Kilometer mit seinen Nordic-Walking-Stöcken in 56 Minuten.
Ehrgeiz, Motivation und Sieg
Nach dem Startschuss machen sich die Läuferinnen und Läufer auf den Weg Richtung Michelbach zum Wendepunkt des Fünf-Kilometer-Laufs. Von dort führt die Strecke über Asbach zurück zur Ziellinie am Vereinsheim. Bereits nach rund 15 Minuten überqueren Yassin Bouchti bei den Männern und Marie Brand bei den Frauen als Erste die Ziellinie des Fünf-Kilometer-Laufs.
Mit der Startnummer 399 lief Marie Brand als schnellste Frau des 5- Kilometer- Laufs ins Ziel.
Mit der Startnummer 113 lief Tobias Feyrer als schnellster Läufer unter den Männern des 10 Kilometer-Laufs ins Ziel.
Viele Läuferinnen und Läufer haben sich gezielt vorbereitet,
andere treiben bereits ihr Leben lang regelmäßig Sport. Die Motivationen sind
unterschiedlich, führen jedoch zum selben Ziel: durchhalten, in Bewegung
bleiben und dem eigenen Körper zum Jahresende noch einmal etwas Gutes tun.
Mit vollem Einsatz waren auch in diesem Jahr die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr mit ihren Sauerstoffflaschen auf der 5-Kilometer-Strecke unterwegs.
Zehn Kilometer ohne gezielte Vorbereitung
Auch Carolin Kreuzer und ihr Schwager Marco Kreuzer
erreichen nach ihrem Zehn-Kilometer-Lauf das Ziel. „Ich habe mich eigentlich
überhaupt nicht vorbereitet. Ich bin höchstens einmal fünf oder zehn Kilometer
auf dem Laufband gelaufen“, erzählt Marco Kreuzer mit einem Lachen – das sei
allerdings schon eine Weile her. Bereits 2018 hatte er einmal am Silvesterlauf
teilgenommen. Für seine Schwägerin Carolin Kreuzer ist es in diesem Jahr die
erste Teilnahme. „Ich bin etwa einmal pro Woche joggen gegangen und habe mich
dann hier angemeldet“, berichtet sie. Vieles sei Kopfsache: „Wenn du auf der
Strecke denkst, ich kann nicht mehr, dann schaffst du es auch nicht.“ Marco
Kreuzer ergänzt mit einem Augenzwinkern: „Die harte tägliche Arbeit in der
Landwirtschaft hält auch fit.“
Nach zehn Kilometern strahlten Carolin Kreuzer und ihr Schwager Marco Kreuzer im Ziel.
Die Einnahmen des Silvesterlaufs kommen jedes Jahr sozialen
Einrichtungen zugute. In diesem Jahr profitiert der Kinderschutzbund Crailsheim
von den Erlösen. „Die Läuferinnen und Läufer zahlen eine Startgebühr, von der
ein Teil zur Deckung der Kosten verwendet und der übrige Betrag gespendet
wird“, erklärt Heidrun Kleinert. „Dank unserer Sponsoren fällt der Anteil für
die Fixkosten in der Regel sehr gering aus.“
Ergebnisse des 39. Hohenloher Silvesterlaufs in Hengstfeld
Top-3-Platzierungen
Zehn Kilometer
Männer
1. Tobias Feyrer, FuF-Laufteam 33:51
2. Florian Dinse, TSG Schwäbisch Hall 34:11
3. Manuel Kochendörfer, Jagsttal Grinder 34:14
Frauen
1. Marielle Bouchti, SU Neckarsulm 39:12
2. Tanja Schienagel, TSV Dünkelsbühl 40:12
3. Stefanie Dolinsky, TSV Crailsheim Triathlon 41:30
Fünf Kilometer
Männer
1. Yassin Bouchti, SU Neckarsulm 16:35
2. Ralf Kempf, Tricon Schwäbisch Hall 16:59
3. David Belschner, Tricon Schwäbisch Hall 17:06
Frauen
1. Marie Brand, LG Hohenlohe 18:14
2. Maray Benner, Sun 19:42
3. Felicia Blessing, Pushing Paces 20:17
Nordic Walking, fünf Kilometer
Männer
1. Achim Wöhl, TSV Sulzdorf 37:46
2. Marcel Müller, TSV Willsbach 39:49
3. Thomas Göhring, VfB Stuttgart 42:58
Frauen
1. Ramona Schindler, walken nicht joggen 37:51
2. Nadine Fessler, Motorman Run OCR 37:55
3. Sabine Sprenger, TV Rot am See 41:03

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