"In Erinnerung an Clara Fischer" - Ein Artikel von Lisa-Marie Irschik und Jens Sitarek, Südwestpresse Hohenlohe

Der Förderverein Leichtathletik Crailsheim spendet 3.000 Euro an die Lebenshilfe Crailsheim. Das Geld kommt von den Eltern der jungen Frau, die beim Lauf 2021 starb.

Der Förderverein Leichtathletik spendet 3.000 Euro an die Lebenshilfe Crailsheim.

Bei der Spendenübergabe auf dem Burgberg (von links): Helmut Zanzinger (Förderverein), Peter Schnabel, Volker Gerullis (beide Lebenshilfe) sowie Jürgen Geiger und Martin Wenger (beide Förderverein)

„Die Arbeit mit behinderten Menschen ist immer voller Humor. Man lacht miteinander, nicht übereinander“, so formuliert es Peter Schnabel. Der 70-Jährige aus Vellberg ist seit 1997 Geschäftsführer der Lebenshilfe in Crailsheim – seit 2022 Vorsitzender des Vereins. Bereits während seines Studiums engagierte er sich für die Lebenshilfe Bamberg und baute später die Offene Hilfe in Schwäbisch Hall mit auf. „Ich arbeite gerne mit Menschen", sagt Schnabel und fügt hinzu: "Wir kümmern uns um Menschen mit Behinderung und ihr Angehörigen."

Zentrale Themen sind Freizeitzeitgestaltung, Bildungsangebote, Familienunterstützung, Beratung sowie sozialrechtliche und pädagogische Fragen. Die Lebenshilfe gliedert sich in mehrere Bereiche, darunter der Burgberg mit dem Aussichtsturm. Ziel ist es, Menschen mit Behinderung in die reguläre Wirtschaft einzubinden.

Geplant ist ein Wintergarten

Auf dem Burgberg, der auf Gemarkung der Gemeinde Frankenhardt liegt, helfen sie bei der Rasenpflege, in der Küche und bei der Verpflegung mit. Dort betreibt die Lebenshilfe Crailsheim seit 2022 als Pächter des Schwäbischen Albvereins die Gaststätte als Hüttenwirtschaft. Und dort oben nahm Schnabel stellvertretend für den Verein kürzlich eine Spende des Fördervereins Leichtathletik Crailsheim entgegen. Mit 3.000 Euro soll ein Wintergarten entstehen. „Hier gibt es viele Spielgeräte für Kinder", erklärt Schnabel. Wenn die Eltern in der Wirtschaft sitzen, haben sie ihre Kinder nicht immer im Blick." Zudem wehe manchmal ein starker Wind auf dem Burgberg. Bislang schützt nur eine provisorische Folie die überdachte Fläche.

Technischer Leiter der Lebenshilfe ist Volker Gerullis, gelernter Schreiner. Seit 2022 ist er für die Lebenshilfe tätig und treibt den Bau des Wintergartens maßgeblich voran. In seiner Schreinerei fertigt er bereits die Holzelemente vor. „Die Fenster sind fast fertig", sagt er. Gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Daniel Schendzielorz kümmert sich Gerullis um Umbauten, Grünpflege, technische Arbeiten sowie die Beschaffung von Heizpellets und Getränken auf dem Burgberg.

Tragischer Unglücksfall

Seit die Lebenshilfe den Burgberg pachtet, hat sich viel getan. "Wir haben von Grund auf renoviert - von der Decke bis zum Abschleifen und Neulackieren der Bänke", berichtet Schnabel. Eine neue Heizung und das Dach wurden vom Albverein finanziert. Auch das zuvor schimmlige Fachwerk und die Toiletten wurden saniert. Und jetzt kommt ein Wintergarten dazu. Auf dem symbolischen Scheck des Fördervereins Leichtathletik steht "In Erinnerung an Clara Fischer". Was hat es damit auf sich? Anlass der Spende ist, wenn man so will, der Unglücksfall der 28-Jährigen Läuferin Clara Fischer, die beim Burgberglauf im Burgbergwald 2021 kurz vor dem Ziel zusammenbrach und trotz schneller Erster Hilfe im Krankenhaus starb. Von Helmut Zanzinger vom Förderverein Leichtathletik ist dieser Satz überliefert. "Der tragische Tod der Sportlerin hat uns deutlich gemacht, dass jeder vom plötzlichen Herztod betroffen sein kann." Die Eltern von Clara Fischer wollten das Geld, das ihnen die Veranstalter-Unfallversicherung damals zugestand, nicht haben und spendeten es an den Förderverein. Und der wiederum finanzierte davon im Frühjahr 2024 einen Defibrillator. Das Gerät hängt an einem Wohnhaus im Frankenhardter Ortsteil Oberspeltach und kann im Notfall von jedem genutzt werden, um Leben zu retten. Oberspeltach deshalb, weil sich dort die erste Wechselstation des Burgberglaufs befindet. Nach der Finanzierung des Defibrillators blieb ein Restbetrag von 3.000 Euro.

Was mit dem Geld passiert, ist uns egal", sagt die Mutter von Clara Fischer am Telefon.

"Hauptsache, es wird für einen guten Zweck gespendet." So haben sie und ihr Mann es gegenüber dem Förderverein kommuniziert. Dass die Spende quasi im Burgbergwald bleibt, hält sie für einen guten Zweck. Eine Sache möchte die Mutter noch klarstellen, weil es ihr wichtig ist: Der Tod ihrer Tochter sei ein tragischer Unglücksfall gewesen, der überall hätte passieren können - und der nichts mit Corona oder einer Impfung zu tun hatte, wie immer mal wieder kolportiert wurde. Dies möchte sie "ausdrücklich dementieren".

Siebte Auflage steigt Ende Juni 

Der Burgberglauf findet immer am letzten Juniwochenende statt, heuer am 27. Juni. Anmeldungen für die 7. Auflage sind vom 1. März an möglich: www.syntegon-burgberglauf.de. Die Idee stammt übrigens von Helmut Zanzinger und Martin Wenger vom Förderverein, die fanden, dass es in Hohenlohe kaum Halbmarathons gab. Neben dem Halbmarathon kann man beim Burgberglauf einen Viertelmarathon absolvieren. Oder einen Drei-Sechstel-Marathon, dabei teilen sich drei Läufer die Strecke. Nordic Walking und Kinderläufe runden das Angebot ab.

"Laaf Los" - Ein Trainingsprogramm für den Laufsport in Crailsheim

Neben dem Burgberglauf ist der Förderverein Leichtathletik Crailsheim auch Mitorganisator des zehn Kilometer langen Sparkassenlaufs, der immer am 3. Oktober in der Crailsheimer Innenstadt über die Bühne geht. Neu im Programm ist zudem "Laaf Los", ein Lauftraining für Anfänger, Wiedereinsteiger und Hobbysportler. Das Angebot umfasst 16 Trainingseinheiten mit zwei Terminen pro Woche und endet mit der Teilnahme am Burgberglauf am 27. Juni. Eine Informationsveranstaltung zu "Laaf Los" findet am Donnerstag, 19. Februar, um 19 Uhr im Workloft Crailsheim (Postplatz 5) statt, ein Schnuppertraining am Samstag, 21. Februar, um 14 Uhr. Offizieller Trainingsstart ist am Samstag, 7. März, um 9 Uhr. Weitere Informationen gibt es unter www.laaflos.de. 


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