Von der Idee zur wertvollen Hilfe

Johannes Kurfiß und Michael Etzel bringen mit ihrem Touchdisplay neue Vibes in die Schulen. Sie zeigen, wie moderne Berufsorientierung heute funktioniert.

Johannes Kurfiß und Michael Etzel bringen mit ihrem Touchdisplay neue Vibes in die Schulen. Sie zeigen, wie moderne Berufsorientierung heute funktioniert.

Johannes Kurfiß (links) und Michael Etzel haben Job Vibez eigenständig entwickelt. "Die Kids sind Kurzformate gewohnt - man muss sie über die richtigen Kanäle erreichen, um sie neugierig zu machen."

„Unsere Überlegung war, wie sich Kinder und Jugendliche während der Schulzeit ein möglichst umfassendes Bild von Berufen machen können“, erklärt Johannes Kurfiß. Der 33-Jährige gründete gemeinsam mit Michael Etzel das Start-up JobVibez mit Sitz in Stimpfach. Schnell war den beiden klar: Die Digitalisierung verändert nicht nur die Arbeitswelt, sondern auch die Art, wie junge Menschen Informationen aufnehmen. „Die Kids sind Kurzformate gewohnt – man muss sie über die richtigen Kanäle erreichen, um sie neugierig zu machen.“ Zwar ist Berufsorientierung Teil des Lehrplans, doch klassische Formate wie Messen bleiben für viele Schüler wenig nachhaltig und gehören nur zum Pflichtprogramm. Hier setzt JobVibez an. Herzstück ist ein modernes Touchdisplay-Board, das bereits in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Crailsheim an sechs Schulen installiert wurde.

So begleiten wir die Schüler nachhaltig über die Schule hinaus", erklärt Etzel.

Unternehmen haben die Möglichkeit, ihre Daten über ein Firmenportal an JobVibez zu übermitteln. Die Grundeintragung ist kostenlos und umfasst ein Firmenprofil sowie die angebotenen Ausbildungsberufe sowie Praktikumsstellen. Für einen Aufpreis können Imagevideos ergänzt werden, die für zusätzliche Sichtbarkeit sorgen. Umso enttäuschter sind Etzel und Kurfiß darüber, dass insbesondere kleine und mittlere Unternehmen dieses Angebot bislang zögerlich annehmen. „Das ist ernüchternd. Viele stellen ihre Firmenprofile nicht zur Verfügung, obwohl sie damit gezielt Auszubildende ansprechen könnten“, sagt Kurfiß. Ergänzt wird das Board durch ein Schülerportal für zu Hause: Per QR-Code nehmen die Jugendlichen die Informationen mit und können Inhalte weiter vertiefen. „So begleiten wir die Schüler nachhaltig über die Schule hinaus“, erklärt Etzel. Eine Standortkarte gibt zudem einen Überblick, wo sich die Firmen befinden.

Positive Resonanz

Was im März 2025 als Idee begann, wurde bereits im September mit dem ersten Board an der Leonhard-Sachs-Schule Realität. Die Resonanz der Schulen sei positiv – ebenso die Nutzung: Allein an der Realschule zur Flügelau wurde das Board innerhalb einer Woche rund 1.000 Mal verwendet. Der Fokus von JobVibez liegt hierbei klar auf früher Orientierung. „Berufsfindung sollte nicht erst beginnen, wenn Entscheidungen unmittelbar anstehen“, betont Kurfiß. Ziel sei es, Jugendlichen frühzeitig dabei zu helfen, eine fundierte Entscheidung für ihren beruflichen Weg zu treffen.

Die Bedienung ist bewusst simpel: Über den Touchscreen können sich die Schüler spielerisch durch Ausbildungsangebote, Firmenprofile und ein Funquiz regionaler Unternehmen im Umkreis von 25 Kilometern klicken. „Viele Berufe haben Jugendliche nicht auf dem Schirm. Das Board soll Neugier wecken.“ Per Touch gelangt der Schüler direkt zum Unternehmen und erfährt unter anderem welche Praktikumsplätze angeboten werden. „Praktika sind der beste Weg, um herauszufinden, ob ein Beruf zu mir passt.“

Etzel und Kurfiß sind beide Softwareentwickler und haben JobVibez eigenständig konzipiert. Kurfiß bringt ein Maschinenbaustudium mit, Etzel ist Elektrotechniker. Erste Impulse entstanden bei einer „Nacht der Programmierer“ von Bausch + Ströbel, bei der Kurfiß auf das Thema aufmerksam wurde. „Viele Firmen sind auf Social Media unterwegs, doch die Kids folgen ihnen nicht. Es ist schwieriger für die Unternehmen mit den Schülern in Kontakt zu treten.“ Warum also nicht dort ansetzen, wo die Schüler sich besonders intensiv mit ihrer beruflichen Orientierung auseinandersetzen.

Mehrwert für Schulen

Auch für die Schulen bietet das System einen Mehrwert: Sie können das Display eigenständig verwalten, Bildungspartner einpflegen und über regionale Veranstaltungen der Berufsorientierung informieren. Das Programm „Schule bewegt“ nutzt die Plattform ebenfalls für gezielte Aktionen. Die Resonanz sei positiv. „Wir sind sehr zufrieden, wie das Board ankommt, und entwickeln es kontinuierlich weiter, sodass es interessant bleibt“, sagt Etzel. Es soll die Schüler dazu motivieren, sich auch nachhaltig und interaktiv mit dem Thema auseinanderzusetzen und ihnen dabei helfen, herauszufinden, in welche berufliche Richtung ihre Reise gehen soll.

Wie kommt JobVibez eigentlich bei den Schulen an? Wolfgang Lehnert, Schulleiter der Realschule zur Flügelau, zeigt sich überzeugt: „In den Pausen wird das Board intensiv genutzt. Die Idee ist klasse, weil sie ein aktuelles, niederschwelliges und zeitgemäßes Angebot für unsere Schüler darstellt.“ Zudem sei das Gerät versichert. Gerade vor dem Hintergrund neuer Verwaltungsvorschriften zur Berufsorientierung sei das System eine gute Ergänzung. „Wir machen bereits sehr viel in diesem Bereich und werden das Angebot weiter ausbauen.“ Während viele Schüler den Weg in weiterführende Schulen einschlagen, wüssten andere früh, dass sie eine Ausbildung anstreben. Manche Schüler benötigen intensivere Unterstützung – insbesondere bei der Suche nach einem Praktikumsplatz. Auch hier könne JobVibez einen wichtigen Beitrag leisten.

Neue Projekte im Blick

Für die Zukunft haben die beiden Gründer bereits neue Projekte im Blick. „Aktuell arbeiten wir an einem virtuellen Team“, berichtet Etzel. Dieses setze sich aus KI-Mitarbeitern zusammen, die auf einen gemeinsamen Aufgabenpool zugreifen. Jeder übernehme daraus eigenständig einen Prozess. „Die Kontrollfunktion behalten aber wir.“ Insgesamt stehen die beiden dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz positiv gegenüber. „Man muss die Technik und den jeweiligen Sachverhalt klar verstehen, doch als Werkzeug hilft KI enorm dabei, schnell und produktiv zu arbeiten“, ergänzt Kurfiß.



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