Demokratie beginnt im Klassenzimmer
Rund 60 Schüler erarbeiteten bei der Crailsheimer Jugendkonferenz konkrete Vorschläge für ihre Stadt und Schulen. Im Rahmen der Präsentation traten sie in direkten Dialog mit der Verwaltung.
„Die demokratische Beteiligungskompetenz Jugendlicher muss
für ihre spätere Entwicklung gestärkt werden“, sagt Jonas Förtsch. Der Lehrer und
Verantwortliche für Demokratiebildung am Lise-Meitner-Gymnasium Crailsheim
begleitete die Präsentation der Crailsheimer Jugendkonferenz im Ratssaal. Die
Konferenz selbst ist eine Kooperation mit dem Jugendbüro. Ein ähnliches Format
gab es bereits im Vorjahr unter Trägerschaft des Kultusministeriums. „Wir haben
das Konzept an Crailsheim angepasst und mit mehreren Schulen weiterentwickelt.
Die Themen stammen aus Fragestellungen, die die Jugendlichen hier vor Ort
umtreiben.“ Es gehe um lokalpolitische Anliegen, aber auch um Zukunftsfragen,
Digitalisierung und Mobilität. Ziel sei es, Handlungskompetenz zu fördern: „Die
kommt im Schulalltag zu kurz. Hier kommen Schüler direkt mit
Entscheidungsträgern ins Gespräch.“
Sechs Schulen beteiligt
Neben Bürgern verfolgen Gemeinderäte, Lehrkräfte und
Oberbürgermeister Christoph Grimmer die Präsentation. Rund 60 Schüler der
Klassen acht bis zwölf nahmen teil. „Sie tauschen sich aus, lernen Perspektiven
kennen, finden Kompromisse und vertreten ihre Interessen“, erklärt der Pädagoge
weiter. Beteiligt waren sechs Schulen: das Lise-Meitner-Gymnasium und Albert-Schweitzer-Gymnasium,
die Realschulen zur Flügelau und am Karlsberg, die Eichendorffschule und die
Leonhard-Sachs-Schule.
„In dieser Konstellation findet die Konferenz erstmals
statt“, sagt Katharina Merz, Leiterin des Crailsheimer Jugendbüros. Ihr Fokus
liege auf der Entwicklung junger Menschen: „Sie sind die Zukunft unserer
Stadt.“
Auch die Gemeinderäte Ulrike Römer und Dennis Arendt sitzen
im Publikum. „Die Jugendkonferenz interessiert mich sehr. Unsere Gesellschaft
besteht nicht nur aus Älteren, sondern auch aus der jungen Generation“, sagt
Römer. Durch ihre Enkel bleibe sie nah an den Themen der Jugend: „Wir kommen
zusammen, um an einem familienfreundlichen Crailsheim zu arbeiten.“ Arendt
ergänzt: „Es ist beeindruckend, wie sich junge Menschen engagieren und
weiterentwickeln.“ Dieses Engagement müsse gewürdigt und unterstützt werden,
betont der ehemalige Vorsitzende des Jugendgemeinderats. „Als Pate des
Jugendgemeinderats habe ich den Prozess begleitet. Es ist sehr positiv, dass
Jugendliche verschiedener Altersgruppen zusammenkommen und ihre Ergebnisse
präsentieren“, fügt Gemeinde- und Stadtrat Peter Gansky hinzu.
Sorgen um Kriminilität
An acht Thementischen arbeiteten die Jugendlichen zu
politischer Bildung, ÖPNV, Digitalisierung, Klima, Sicherheit, Engagement,
Zukunft und „Mein Crailsheim“, ihre Wünsche aus. Sie schlugen unter anderem
Debattierclubs und mehr Sichtbarkeit von Wahlprogrammen vor – auch als Reaktion
auf „Fake News“. Im ÖPNV fordern sie günstigere Tickets und bessere
Verbindungen, besonders in abgelegene Ortsteile.
Beim Thema Digitalisierung wünschen sie sich öffentliches
WLAN, lockerere Regeln in der Oberstufe sowie ein Social-Media-Verbot für unter
14-Jährige. Für die Stadt regen sie mehr Grünflächen, Recyclingmöglichkeiten
und Pfandboxen an Schulen an.
Einige Jugendliche äußerten Sorgen über zunehmende
Kriminalität, etwa durch Drogenhandel und Gewalt. Genannt wurden bessere
Beleuchtung an Orten wie Spielplätzen, Turnhallen und dem ZOB sowie mehr
sichtbare Sicherheitsdienste, insbesondere am Bahnhof. Für das
Gemeinschaftsgefühl schlagen die Jugendlichen mehr Treffpunkte, Ausflüge und
bezahlbare Freizeitangebote vor.
Themen wie Finanzen oder Steuern kämen im Unterricht zu
kurz. Die Berufsorientierung solle einheitlicher werden, etwa durch mehr
Studieninformationen an Realschulen.
Schnell auf einem Nenner
Die Jugendlichen beteiligten sich mit spürbarer Begeisterung
an der Konferenz. „Es ist toll, dass wir unsere Wünsche einbringen können“,
sagt ein Teilnehmer. „Wir kamen aus unterschiedlichen Altersstufen, kamen aber
schnell auf einen gemeinsamen Nenner“, betont eine weitere Schülerin.
„Ich finde es wichtig und spannend, dass sich junge Menschen so intensiv mit diesen Themen auseinandersetzen“, betont Oberbürgermeister Christoph Grimmer. An einigen Punkte arbeite die Stadt bereits intensiv. „Auch das Thema Sicherheit spielt im Gemeinderat schon länger eine Rolle.“ Er versteht sich auch als Ansprechpartner für junge Menschen. „Ich möchte zeigen, dass ihre Anliegen ernst genommen werden.“ Gemeinsam mit seinem Stellvertreter beteiligt sich Grimmer auch regelmäßig an „Schule trifft Rathaus“, einer Initiative der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg. „Wir bieten das gerne an und stehen den Klassen als Gesprächspartner zur Verfügung.“ Zugleich verweist er auf Grenzen: Viele Themen werden diskutiert, die Bildungspolitik liege jedoch beim Land. „Wir prüfen, was möglich ist – aber die Mittel sind begrenzt.“ Bei der Freizeitgestaltung sei Crailsheim bereits aktiv: Am Volksfestplatz und am Albert-Schweitzer-Gymnasium entstehen neue Flächen. „Die Ideen der Jugendlichen gehen in eine ähnliche Richtung, brauchen aber Zeit.“
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