Kurzurlaub mitten in der Woche

Für zahlreiche Frühaufsteher gehört der Mittwoch fest zum Wochenprogramm. Im Naturerlebnisbad Wallhausen genießen die Frühschwimmer das naturbelassene Wasser und die starke Gemeinschaft.

Für zahlreiche Frühaufsteher gehört der Mittwoch fest zum Wochenprogramm. Im Naturerlebnisbad Wallhausen genießen die Frühschwimmer das naturbelassene Wasser und die starke Gemeinschaft.

Mehr als 50 Frühschwimmer besuchten an diesem Mittwochmorgen zeitversetzt das Naturerlebnisbad – mit dem Ziel, sich zu bewegen und die Seele baumeln zu lassen.

Wassertemperatur: 25,3 Grad. Strahlender Sonnenschein. Mittwoch, 8 Uhr. Im Naturerlebnisbad Wallhausen gehört das von Mai bis Oktober zusammen: Frühschwimmen, Gemeinschaft und Bewegung.

Zwischen 6 und 10 Uhr treffen sich jeden Mittwoch zahlreiche Frühaufsteher. Manche ziehen ihre Bahnen, andere sitzen anschließend bei Kaffee und Frühstück zusammen. Bademeister Eberhard Seebauer sorgt seit 2020 für eine Wohlfühlatmosphäre am Beckenrand. Sicherheitsschuhe hat der gelernte Metzger und Landschaftsgärtner längst gegen „Badelatschen“ eingetauscht. Mit einem Lächeln bereitet er Kaffee und Cappuccino zu, stellt in den Ferien Malsachen für Kinder bereit und pflegt die Rosen am Beckenrand.

An diesem Tag kommen mehr als 50 Gäste zum Frühschwimmen. „Eberhard ist unsere gute Seele“, sagt eine Besucherin aus Rot am See. Dabei kommen die Schwimmer unter anderem aus Wallhausen, Crailsheim, Kirchberg, Rot am See und Reubach. „Wenn morgens die Sonne über das Wasser kommt, gibt es nichts Schöneres. Und naturaufbereitetes Wasser ist einfach etwas Besonderes.“

Selbst wenn die Wassertemperatur Richtung 20 Grad sinkt, kommen die Frühaufsteher. Vor zwei Jahren wagte sich eine Besucherin sogar am Muswiesen-Mittwoch mit Mütze bei 13 Grad ins Wasser.

Bewegung und Gemeinschaft

„Ich bin 1988 nach Wallhausen gezogen. Seitdem bin ich hier im Freibad“, erzählt Gabi Hachtel-Bräuninger. Für sie ist das Frühschwimmen „wie ein Kurzurlaub mitten in der Woche – auch wenn man morgens mit dem Wecker kämpfen muss.“

Auch die 19-jährige Melanie Schütze ist eng mit dem Bad verbunden. Sie engagiert sich seit ihrer Kindheit in der DLRG und beaufsichtigt an diesem Morgen das Schwimmen. „Für mich ist das DLRG Familie. Hauptberuflich bin ich Industriekauffrau, hier bin ich ehrenamtlich Rettungsschwimmerin.“

Jeden Mittwoch sind auch Margit Walch und Rainer Walch dabei. „Es ist wie Urlaub – richtig genial“, sagt Margit Walch. Besonders schätzen sie die feste Runde, in der jeder willkommen ist. Vor drei Wochen kamen bei hochsommerlichen Temperaturen sogar 95 Badegäste zum Frühschwimmen. „Die Bewegung und die Gemeinschaft gefallen mir“, ergänzt ihr Mann.

Stammgast Bettina Berger hält sich den Mittwochmorgen grundsätzlich frei. „Es ist einfach ein toller Start in den Tag. Wir sind irgendwie die Sommergruppe“, sagt sie mit einem Lachen. Im Winter fehle das gemeinsame Frühstück am Beckenrand. Dann trifft sich die Runde stattdessen unter dem Heizpilz in der Nische der Anlage.

Mit selbstgebackenem Brot bereichert Christa Pankolin aus Kirchberg die Runde. „Hier ist immer gute Stimmung, das Wasser ist herrlich weich und man riecht nicht nach Chlor.“ Auch Siglinde Schmidt aus Reubach schätzt das Naturwasser: „Ich genieße die Zeit und bin dankbar, dass es das Angebot gibt. Man sieht sich, tauscht sich aus und fühlt sich sofort willkommen.“

Die Idee zum Frühschwimmen hatte Bürgermeister Andreas Frickinger. Während seiner Zeit als stellvertretender Kämmerer lernte er das Konzept im Voralbbad Heiningen kennen. „Ich habe mir gedacht: Warum nicht auch in Wallhausen?“ Gesagt, getan – seit vier Jahren gehört das morgendliche Angebot fest zum Freibad Wallhausen. Mit seiner Idee habe er bei Bademeister Eberhard Seebauer sofort „offene Türen eingerannt“, erzählt dieser schmunzelnd.

Gegen halb neun wird die Runde durch eine Grundschulklasse der Julius-Wengert-Schule Wallhausen ergänzt. Regelmäßig nutzen auch Schulen und Kindergärten aus den umliegenden Gemeinden und Städten das Naturerlebnisbad.

Kostengünstiger Betrieb

Für den Bürgermeister vermittele das Bad echtes Urlaubsgefühl und lebe von seiner Gemeinschaft. „Die Menschen haben Spaß und knüpfen Kontakte.“

Ein wesentlicher Pfeiler sei die DLRG-Ortsgruppe Wallhausen mit rund 360 Mitgliedern. „Ohne ihr Ehrenamt gäbe es diese Plattform nicht“, betont Frickinger. Ein weiterer Grund zum Feiern war in diesem Jahr das 50-jährige Jubiläum der Ortsgruppe. 

„Die Rettungsschwimmerausbildung ist für die Bäder von großer Bedeutung.“

Auch ökologisch setzt die Schwimmanlage Maßstäbe: Gegenüber einem klassischen Chlorbad benötige es rund ein Drittel weniger Wasser. Künftig sollen ein eigener Brunnen und eine Photovoltaikanlage die Anlage noch nachhaltiger machen. Langfristig soll das Bad komplett regenerativ werden. Das naturbelassene Wasser mache den Betrieb zudem besonders kostengünstig.

Wie die Gäste erzählen, setzt sich Frickinger regelmäßig selbst zur Runde und nimmt am Schwimmen teil. „Der persönliche Austausch mit den Bürgern liegt mir sehr am Herzen. Es macht mir unglaublich Spaß, hier Bürgermeister zu sein“, erzählt er.

Das Bad wurde 1974 als konventionelles Freibad eingeweiht. In den darauffolgenden Jahren wurde die Anlage schrittweise erweitert und gehe auf eine Bürgerinitiative zurück. Das heutige Naturerlebnisbad bestehe seit 20 Jahren.

Für Frickinger sind es vor allem die Menschen, die diesen Ort besonders machen. Wer mittwochmorgens kommt, nimmt oft mehr mit als ein paar geschwommene Bahnen: das Gefühl, Teil einer starken Gemeinschaft zu sein.


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