Lehrling im Handwerk: Kreativ auf Dächern unterwegs
Lukas Merklein befindet sich im dritten Lehrjahr zum Klempner bei der Scheu-Flaschnerei und Haustechnik. Mit Blech, Metall und handwerklichem Geschick verleiht er Häusern Charakter.
Ob bei Schnee, Regen oder Sonnenschein – Lukas Merklein
liebt seine Arbeit an der frischen Luft. „Ich muss raus“, sagt der angehende
Klempner.
Rund acht Meter über dem Boden beginnt für Lukas Merklein
die Arbeit. Der 18-Jährige fertigt Metalldächer, verkleidet Kamine und montiert
Dachrinnen. Schwindelfreiheit gehört für ihn ebenso zum Beruf wie
handwerkliches Geschick. „Wenn ich ein fertiges Dach sehe, bin ich stolz
darauf, dass ich es gemacht habe“, sagt der Auszubildende aus Leitsweiler.
Merklein befindet sich im dritten Lehrjahr bei der Scheu-Flaschnerei und Haustechnik in Michelbach an der Lücke. Im Februar steht seine Gesellenprüfung an. Eine Tätigkeit in der Industrie oder im Büro kam für ihn nie infrage. Vor Ausbildungsbeginn absolvierte er im Betrieb Praktika als Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie als Klempner. „Klempner hat mir viel besser gefallen. Ein Praktikum ist sinnvoll, um herauszufinden, was zu einem passt.“ Besonders die Arbeit mit Blech habe ihn überzeugt.
Praxis von Anfang an
Der angehende Klempner packt gerne praktisch an. Entsprechend verbringt er die Zeit lieber im Betrieb als in der Berufsschule. Diese besucht er im Blockunterricht in Ulm. Dort stehen Mathematik und technische Zeichnungen an, die in der schuleigenen Werkstatt mit Blech praktisch umgesetzt werden. „Man sollte sich trauen, mit Maschinen und Werkzeugen umzugehen, ebenso Interesse an Blech und Metall haben.“ Anders als Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik arbeitet er überwiegend im Freien. „Ich muss viel auf Dächer. Wir arbeiten bei Schnee, Regen und Sonnenschein.“ Auch räumliches Vorstellungsvermögen und Geometriekenntnisse sind gefragt. Besonders schätzt Merklein das Arbeitsklima im Betrieb. „Das Team ist toll. Ich fühle mich richtig wohl.“ Nach seiner Gesellenprüfung wird er übernommen. „Ich bin ein praktischer Mensch und muss raus.“
Das freut auch Inhaber Markus Scheu. „Wir bilden mit dem Ziel aus, unsere Auszubildenden zu übernehmen und Fachkräfte für die Zukunft zu gewinnen“, betont der 53-Jährige. Für ihn zeichnet sich der Beruf des Klempners vor allem durch seine handwerkliche und kreative Seite aus. Im Vergleich zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik bewege er sich näher am Kunsthandwerk. Das zeigt auch eine Rose aus Blech, die Lukas Merklein gefertigt hat. „Aber auf dem Dach gefällt es mir besser“, sagt der Auszubildende schmunzelnd.
Bei der Auswahl von Auszubildenden achtet Scheu nicht nur auf die Noten, sondern auch auf den Typ Mensch. Deshalb absolviert jeder zunächst ein Praktikum. „So können beide Seiten sehen, ob der Beruf und die Zusammenarbeit passt.“ Dabei sollen die Praktikanten früh mitarbeiten. „Wir drücken ihnen das Werkzeug in die Hand und lassen sie auch mal machen.“
Mehr Handwerk als Technik
Ausbilder Jens Scheu legt großen Wert darauf, sein Wissen weiterzugeben. Neben der fachlichen Ausbildung stehe die Arbeitssicherheit an erster Stelle. Wichtig sei ihm, dass seine Lehrlinge die Hintergründe ihrer Arbeit verstehen. Im Betrieb setzt der zweifache Meister auf ein familiäres Miteinander. „Ich bin oft mit Lukas auf der Baustelle. Wir packen alle mit an.“
Besonders wichtig ist ihm die Vermittlung moderner und traditioneller Techniken. „Der Beruf ist mehr Handwerk als Technik“, betont er. Im Gegensatz zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik übernimmt der Klempner Metallarbeiten rund ums Haus. Je nach Region wird der Beruf auch Flaschner, Spengler oder Blechner genannt. „Es ist schön, Dächer zu sehen und sagen zu können: Das habe ich gemacht. Mit unserer Arbeit verleihen wir Häusern Charakter“, sagt der 45-Jährige.
Der Betrieb beschäftigt rund 16 Mitarbeiter sowie zwei Auszubildende in den Berufen Klempner und Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Das 1903 gegründete Familienunternehmen befindet sich bis heute in Familienbesitz. Die Verbundenheit zum Handwerk zeigt sich über Generationen hinweg: Markus Scheu wurde 1992 Jahrgangsbester, Jens Scheu Innungs- sowie Kammersieger und Bester aller Ausbildungsberufe der Kreishandwerkerschaft. Neffe Collin Scheu wurde 2024 nach seiner Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Innungssieger.
Die Handwerkskammer Heilbronn-Franken informiert: Im Jahr 2025 befanden sich im Landkreis Schwäbisch Hall sowie Hohenlohekreis jeweils drei Personen in einer Ausbildung zum Klempner. Der Landkreis Heilbronn wies vier Auszubildende auf. Im Main-Tauber-Kreis waren keine Auszubildenden vertreten. Die Zahl der gesamten Region Heilbronn-Franken beläuft sich auf zehn angehende Klempner.

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