„Hengasch in echt – Unterwegs an den Drehorten von Mord mit Aussicht“
Mord mit Aussicht gehört für mich zu den Serien, die
man nicht einfach nur einmal anschaut und anschließend wieder vergisst. Ich bin
selbst Fan der Serie, insbesondere der ersten drei Staffeln rund um Sophie
Haas, Dietmar Schäffer und Bärbel Schmied. Was mich dabei bis heute begeistert,
sind nicht allein die Kriminalfälle. Es ist vielmehr diese ganz eigene Mischung
aus Eifelidylle, skurrilen Dorfbewohnern, wunderbar trockenen Dialogen und
Figuren, die einem mit der Zeit beinahe vertraut vorkommen.
Hengasch ist dabei eigentlich selbst eine Hauptfigur. Ein Dorf, in dem angeblich nie etwas passiert – erstaunlicherweise jedoch regelmäßig jemand ermordet wird.
Staffel 1 – Ausgerechnet Hengasch
Für Kriminalkommissarin Sophie Haas, gespielt von Caroline
Peters, beginnt die Geschichte mit einer herben Enttäuschung. Eigentlich
rechnet sie mit einer Beförderung in Köln. Stattdessen wird sie nach Hengasch,
einem kleinen fiktiven Dorf in der Eifel, versetzt.
Für die überzeugte Großstädterin könnte die Strafe kaum
größer sein. Ihre neue Polizeidienststelle ist überschaubar, die Arbeitsweise
ihrer Kollegen gewöhnungsbedürftig und das Dorfleben ungefähr so weit von Köln
entfernt, wie Sophie es sich nur vorstellen kann.
Ihre neuen Kollegen sind Dietmar Schäffer und Bärbel
Schmied. Dietmar ist gutmütig, gemütlich und mit den Eigenarten Hengaschs
bestens vertraut. Bärbel ist deutlich jünger, neugierig und engagiert, aber
ebenfalls fest mit dem Dorf verbunden. Sophie hingegen bringt
Großstadtmentalität und kriminalistischen Ehrgeiz mit – und stößt damit
regelmäßig auf eine Welt, in der die Dinge eben schon immer so gemacht wurden.
Genau aus diesem Gegensatz entsteht ein großer Teil des
Humors. Sophie ist häufig genervt, Dietmar bleibt erstaunlich gelassen und
Bärbel versucht irgendwie, zwischen beiden Welten zu vermitteln. Vieles wird
nicht durch offensichtliche Pointen lustig, sondern durch Blicke, kurze
Bemerkungen und herrlich trockene Antworten.
Auch privat wird Sophie schneller Teil von Hengasch, als ihr
lieb ist. Ihr Vater Hannes Haas taucht auf und hat bereits das spätere Zuhause
der beiden organisiert: das idyllisch gelegene Forsthaus. Während Sophie
weiterhin davon ausgeht, möglichst bald nach Köln zurückzukehren, richtet sich
ihr Vater im Landleben erstaunlich bereitwillig ein.
Und natürlich bleibt das vermeintlich verschlafene Hengasch
keineswegs so verbrechensfrei, wie es zunächst scheint. Sophie bekommt
zunehmend Gelegenheit zu zeigen, dass sie kriminalistisch deutlich mehr
draufhat, als man ihr im Dorf anfangs zutraut.
Gleichzeitig entwickelt sich ihr Privatleben weiter. Andreas
Zielonka, Sohn des ehemaligen Hengascher Polizisten Hans Zielonka, weckt
Sophies Interesse. Später tritt mit dem Tierarzt Jochen Kauth ein Mann in ihr
Leben, der Sophie noch lange beschäftigen wird.
Am Ende der ersten Staffel steht Sophie schließlich vor
jener Frage, die sie von Anfang an begleitet: Will sie wirklich zurück nach
Köln – oder ist Hengasch längst mehr geworden als nur der ungeliebte Ort ihrer
Versetzung?
Staffel 2 – Sophie gehört langsam zu Hengasch
In der zweiten Staffel ist aus der fremden
Großstadtkommissarin längst ein fester Bestandteil des Dorfes geworden – auch
wenn Sophie selbst das vermutlich nur ungern zugeben würde.
Ihr Vater Hannes erleidet einen Herzinfarkt. Zu seiner
Unterstützung kommt Danuta ins Forsthaus, die jedoch bald wesentlich mehr als
nur seine Pflegerin ist. Während Sophie beruflich weiterhin mit den erstaunlich
zahlreichen Verbrechen der angeblich friedlichen Eifel beschäftigt ist,
entwickelt sich das Privatleben rund um das Forsthaus munter weiter.
Auch bei den Schäffers wird es nicht langweilig. Heike
Schäffer, Dietmars resolute Ehefrau, gehört ohnehin zu den Figuren, die für den
besonderen Humor der Serie unverzichtbar sind. Dietmar mag Polizist sein – zu
Hause ist trotzdem ziemlich eindeutig geklärt, wer das letzte Wort hat.
Gerade solche Szenen zeigen für mich, warum der Humor von Mord
mit Aussicht so gut funktioniert. Die Serie muss ihre Witze selten
erklären. Manchmal genügt Dietmars Gesichtsausdruck, ein Satz von Heike oder
Sophies ungläubiger Blick auf das, was die Hengascher gerade wieder für
vollkommen normal halten.
Neben den jeweiligen Kriminalfällen rückt Sophies Beziehung
zu Jochen Kauth stärker in den Mittelpunkt. Jochen möchte Verbindlichkeit,
während Sophie mit genau dieser Verbindlichkeit ihre Schwierigkeiten hat.
Trotzdem finden die beiden immer wieder zueinander.
Schließlich steht sogar eine Hochzeit im Raum. Bei einer
gewöhnlichen Serie könnte man nun mit einem romantischen Staffelfinale rechnen.
Aber wir befinden uns in Hengasch. Und eine Hochzeit, bei der einfach nur
geheiratet wird, wäre für Mord mit Aussicht vermutlich auch entschieden
zu unkompliziert.
Staffel 3 – Sophie ist endgültig in Hengasch angekommen
Die dritte Staffel setzt die Geschichte rund um Sophie,
Jochen, Bärbel, Dietmar und die übrigen Hengascher fort. Nach den Ereignissen
rund um die geplante Hochzeit ist Sophies Liebesleben zunächst reichlich
durcheinander.
Auch im Forsthaus verändert sich einiges. Hannes und Danuta
verlassen Hengasch schließlich in Richtung Krakau. Sophie bleibt zurück – und
damit wird besonders deutlich, wie sehr sich ihre Situation seit der ersten
Folge verändert hat.
Die Frau, die einst nichts dringender wollte, als dieses
Dorf wieder zu verlassen, lebt nun allein in jenem Forsthaus, das ursprünglich
lediglich eine Übergangslösung sein sollte.
Mit Jan Schulte kommt außerdem ein neuer Mann in Sophies
Umfeld. Er stammt aus Hengasch, hat aber längere Zeit außerhalb des Dorfes
gelebt und verfolgt große Pläne für seine alte Heimat. Zwischen Sophie und Jan
entwickelt sich zunehmend eine besondere Nähe.
Währenddessen geht das Leben auf der Polizeiwache seinen
gewohnt ungewöhnlichen Gang. Bärbel und Dietmar sind längst nicht mehr einfach
Sophies untergebene Dorfpolizisten. Aus den drei vollkommen unterschiedlichen
Charakteren ist ein Team geworden.
Gerade darin liegt für mich eine der großen Stärken der
ersten drei Staffeln. Die Figuren verändern sich, ohne ihre Eigenheiten zu
verlieren. Sophie bleibt Sophie: schlagfertig, manchmal arrogant, oft genervt
und gleichzeitig längst viel stärker mit Hengasch verbunden, als sie selbst
wahrhaben möchte. Dietmar bleibt der gemütliche Gegenpol und Bärbel entwickelt
sich persönlich wie beruflich weiter.
Gegen Ende der dritten Staffel verändert sich insbesondere
Bärbels Leben grundlegend: Sie wird Mutter.
Und Hengasch? Hengasch bleibt Hengasch. Ein Dorf voller
Menschen, die alles voneinander wissen – außer natürlich genau das, was Sophie
für ihre aktuelle Mordermittlung wissen müsste.
Warum die ersten drei Staffeln für mich so besonders sind
Für mich lebt die ursprüngliche Serie vor allem vom
Zusammenspiel ihrer Figuren. Caroline Peters als Sophie Haas, Bjarne Mädel als
Dietmar Schäffer und Meike Droste als Bärbel Schmied bilden ein Trio, dessen
völlig unterschiedliche Charaktere hervorragend miteinander funktionieren.
Dazu kommen Hannes Haas, Heike Schäffer, Hans Zielonka,
Jochen Kauth und zahlreiche andere Dorfbewohner, durch die Hengasch mit jeder
Folge ein Stück vertrauter wird.
Der Kriminalfall ist dabei oftmals beinahe nur der Rahmen.
Natürlich möchte man wissen, wer der Täter ist. Mindestens genauso interessant
ist aber, wie Sophie auf den nächsten Hengascher Irrsinn reagiert, was Heike
wieder über ihren „Bär“ zu sagen hat oder mit welcher bemerkenswerten
Selbstverständlichkeit Dietmar etwas völlig Absurdes kommentiert.
Der Humor ist häufig trocken, manchmal herrlich böse und
gerade deshalb so gut. Und irgendwann ertappt man sich dabei, dass man dieses
merkwürdige Hengasch selbst irgendwie vermisst.
Die Neuauflage
Nach mehreren Jahren Pause kehrte Mord mit Aussicht
schließlich zurück. Hengasch blieb, doch auf der Polizeiwache begann eine neue
Ära.
Die zentrale Figur der Neuauflage ist
Kriminalhauptkommissarin Marie Gabler, gespielt von Katharina Wackernagel.
Gemeinsam mit Heino Fuß und der jungen Jennifer „Jenny“ Dickel bildet sie das
neue Polizeiteam.
Die Grundidee erinnert bewusst an Sophies Anfänge: Wieder
landet eine Polizistin aus Köln in Hengasch, die mit dem Leben und Arbeiten in
der Provinz zunächst herzlich wenig anfangen kann. Marie möchte Struktur,
Professionalität und Effizienz. Hengasch antwortet darauf ungefähr mit dem, was
Hengasch schon immer auf Veränderungen geantwortet hat: eher wenig
Begeisterung.
Staffel 4 – Ein neues Team übernimmt
Marie Gabler übernimmt die Hengascher Dienststelle und
trifft dort auf Heino Fuß und Jenny Dickel. Das Problem ist nur:
Hengasch funktioniert nach seinen eigenen Regeln.
Heino hätte selbst gerne mehr Verantwortung und betrachtet
seine neue Chefin entsprechend kritisch. Jenny dagegen ist jung, motiviert und
geht teilweise mit so viel Elan an die Arbeit, dass auch daraus neue Probleme
entstehen können.
Die Neuauflage versucht dabei nicht, Sophie, Dietmar und
Bärbel einfach eins zu eins zu ersetzen. Stattdessen entstehen neue
Reibungspunkte. Und der typische Grundgedanke bleibt erhalten: Eine
ambitionierte Kommissarin trifft auf ein Dorf, dessen Bewohner ihre ganz eigene
Vorstellung davon haben, wie das Leben – und gelegentlich auch Polizeiarbeit –
zu funktionieren hat.
Einige bekannte Figuren verbinden beide Seriengenerationen
miteinander. Besonders Heike Schäffer und Hans Zielonka sorgen dafür, dass sich
das neue Hengasch trotz aller Veränderungen nicht vollkommen fremd anfühlt.
Staffel 5 – Marie wird immer mehr Teil des Dorfes
In Staffel 5 ist Marie weiterhin alles andere als restlos
begeistert von ihrem Leben in Hengasch. Die ersehnte Rückkehr nach Köln
gestaltet sich schwieriger als gedacht, während in der Eifel zuverlässig neue
Fälle auf sie warten. Auch das neue Polizeitrio ist inzwischen stärker
zusammengewachsen. Privat wird Maries Beziehung zum Schweinebauern Gisbert
Cremer (Kai Schumann) wichtiger. Gleichzeitig beschäftigen Jenny ihre eigenen
Zukunftspläne und Heino wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Die
Kriminalfälle bleiben gewohnt ungewöhnlich.
Und genau hier findet auch die Neuauflage immer wieder zu
jenem trockenen Humor zurück, der zur DNA der Serie gehört: Große Dramatik
trifft auf bemerkenswert alltägliche Dorfprobleme. Eine Leiche kann auftauchen
– aber deshalb muss ja nicht gleich der gesamte Tagesablauf
durcheinandergebracht werden.
Und wie geht es weiter?
Nach Staffel 5 ist mit Mord mit Aussicht noch nicht
Schluss. Eine sechste Staffel mit 13 neuen Folgen wurde bereits gedreht. Marie
Gabler bleibt Hengasch erhalten und auch Heino Fuß und Jenny Dickel sind wieder
dabei. Die neuen Folgen sollen voraussichtlich 2027 ausgestrahlt werden.
Weil Mord mit Aussicht für mich eben mehr als nur
irgendeine Krimiserie ist, wollte ich Hengasch zumindest ein kleines Stück weit
selbst erleben. Bei einem Besuch in der Eifel habe ich deshalb einige der
originalen Drehorte der Serie besucht.
Besonders die ersten drei Staffeln haben es mir angetan –
nicht zuletzt wegen der großartigen Besetzung. Einer meiner persönlichen
Favoriten ist Bjarne Mädel als Dietmar Schäffer. Ich finde ihn in dieser Rolle
einfach besonders cool. Seine gemütliche Art, seine manchmal herrlich trockenen
Kommentare und vor allem seine Mimik sorgen für einige meiner liebsten Momente
der Serie. Dietmar muss häufig gar nicht viel sagen – manchmal genügt schon ein
Blick, und die Szene ist perfekt.
Überhaupt funktioniert das Zusammenspiel von Caroline Peters
als Sophie Haas, Meike Droste als Bärbel Schmied und Bjarne Mädel als Dietmar
Schäffer für mich außergewöhnlich gut. Gerade diese drei sehr unterschiedlichen
Charaktere machen einen großen Teil des Charmes der ursprünglichen Staffeln
aus.
Umso schöner war es für mich, bei meinem Besuch in der Eifel plötzlich selbst an Orten zu stehen, die ich aus so vielen Folgen kenne. Auch wenn Hengasch nur auf dem Bildschirm existiert, werden viele seiner bekannten Schauplätze dadurch erstaunlich real. Einige der von mir besuchten Drehorte stelle ich auf meinem Blog genauer vor – natürlich auch mit eigenen Fotos.
Kallmuth als Hengasch
Bei meinem Besuch in Kallmuth bei Mechernich war ich
zugegebenermaßen ein wenig enttäuscht. Dabei gehört der kleine Ort eigentlich
zu den wichtigsten realen Schauplätzen von Mord mit Aussicht: Kallmuth
verkörpert in zahlreichen Aufnahmen das fiktive Hengasch und ist auch im
bekannten Intro der Serie zu sehen.
Besonders prägend für die vertraute Silhouette von „Hengasch“ ist die katholische Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Georg, die über dem Ort thront. Wer das Intro von Mord mit Aussicht kennt, dürfte diesen Anblick sofort mit Hengasch verbinden. Fährt man von der anderen Seite nach „Hengasch“ hinein, gelangt man zu einem weiteren besonders bekannten Drehort: der Aussichtsplattform oberhalb des Friedhofs. Genau diese Strecke kennt man aus dem Intro von Mord mit Aussicht. Hier fährt Sophie Haas mit ihrem BMW in Richtung Hengasch – hinein in jenes kleine Eifeldorf, in das sie ursprünglich überhaupt nicht versetzt werden wollte und das schließlich doch zu einem wichtigen Teil ihres Lebens wird.
Vor Ort ist dieser Wiedererkennungswert besonders schön. Mit dem Blick über die Landschaft kann man die aus der Serie bekannten Einstellungen gut nachvollziehen und sich problemlos vorstellen, wie Sophie gleich mit ihrem BMW um die Ecke kommt. Für mich gehört die Stelle deshalb zu den Drehorten, an denen das Hengasch-Gefühl sofort wieder da ist.
Dass die Serie in Kallmuth bis heute ihre Spuren hinterlassen hat, merkt man bereits am Ortseingang. Die Einwohner haben den Kult um Mord mit Aussicht aufgegriffen und ein zusätzliches Schild angebracht, auf dem Sophie, Dietmar und Bärbel zu sehen sind. Eine schöne Erinnerung daran, dass aus dem kleinen Eifelort für Millionen Fernsehzuschauer zumindest ein Stück weit Hengasch geworden ist.
Die Polizeiwache aus der ersten Staffel
Auch die erste Hengascher Polizeiwache findet man in Kallmuth. Für die Außenaufnahmen in Staffel 1 diente die ehemalige Schule in der Quellenstraße 5 in 53894 Mechernich-Kallmuth als Kulisse für Sophies neue Dienststelle.
Wer allerdings mit der Erwartung dorthin fährt, die aus der
Serie bekannte Polizeiwache nahezu unverändert vorzufinden, könnte – so wie ich
– etwas enttäuscht sein. Das Gebäude selbst vermittelt heute nur noch bedingt
das Gefühl, vor der berühmten Polizeiwache von Hengasch zu stehen.
Hinzu kommt, dass die vertrauten Innenräume der Wache nicht
einfach hinter den Fenstern dieses Gebäudes lagen.
Deutlich mehr Hengasch-Gefühl kam bei mir im Bornheimer
Ortsteil Walberberg auf. Die schmalen Straßen, kleinen Wege und älteren Backsteinhäuser
passen einfach wunderbar zu dem beschaulichen Dorf, das man aus Mord mit
Aussicht kennt. Tatsächlich wurde Walberbergs dörfliches Flair für
verschiedene Szenen der Serie genutzt. Unter anderem entstanden hier Aufnahmen
für die Radarkontrolle in der Folge „Henghasch“, bei der Dietmar einmal mehr
seiner Arbeit nachgeht. Als Kulisse diente dabei der Bereich am Dikopshof mit
der Heilig-Kreuz-Kapelle zwischen Walberberg und Keldenich. Auch die Kitzburg
wurde für Mord mit Aussicht genutzt und ist in der Folge „Fingerübungen“
zu sehen.
Bei meiner Recherche bin ich außerdem auf einen weiteren
interessanten Drehort gestoßen: Auch das Wohnhaus von Hans Zielonka befindet
sich in Walberberg. Gerade wenn man durch die kleinen Straßen fährt, kann man
sich gut vorstellen, wie Sophie, Dietmar und Bärbel hier unterwegs sind. Im
Gegensatz zu manch anderem Drehort hatte ich in Walberberg deshalb tatsächlich
ein wenig das Gefühl, durch das echte Hengasch zu laufen – obwohl dieses
bekanntlich aus vielen verschiedenen Orten zusammengesetzt wurde.
Auch wenn mich die ehemalige Polizeiwache in Kallmuth
zunächst etwas enttäuscht hat, ist Kallmuth für Fans dennoch einen Besuch wert.
Schließlich steht man hier tatsächlich in einem der Orte, die dem fiktiven
Hengasch sein unverwechselbares Gesicht gegeben haben. Und spätestens beim
Blick auf St. Georg fühlt man sich dann doch ein kleines bisschen so, als wäre
man gerade selbst in Hengasch angekommen.
Forsthaus „Heckhaus 57“ in Much
Einer der wohl bekanntesten und beliebtesten Drehorte aus Mord
mit Aussicht ist das Forsthaus „Heckhaus 57“ in Much. In den ersten drei
Staffeln dient es als Wohnhaus von Kriminalhauptkommissarin Sophie Haas,
gespielt von Caroline Peters.
Nach ihrer unfreiwilligen Versetzung nach Hengasch zieht Sophie zunächst nur widerwillig in das idyllisch gelegene Forsthaus ein. Eigentlich soll ihr Vater Hannes das Haus für ihren – zumindest aus Sophies Sicht – ohnehin nur kurzen Aufenthalt auf dem Land beziehen. Doch bekanntlich kommt alles anders, und das Forsthaus wird über die Jahre zum Schauplatz zahlreicher unvergesslicher Szenen.
Heute, rund 19 Jahre nach Beginn der Dreharbeiten im Jahr
2007, habe ich diesen besonderen Drehort selbst besucht. Erstaunlicherweise hat
sich vieles kaum verändert. Zwar ist das Grundstück heute deutlich stärker
bewachsen, doch das Haus ist noch immer sofort wiederzuerkennen. Auch der
kleine Brunnen am Eingang und vor allem die charakteristischen Stufen vor dem
Haus sind erhalten.
Gerade diese Treppe dürfte Fans bestens bekannt sein: Hier
wartet beispielsweise Tierarzt Jochen Kauth immer wieder auf Sophie, später
sitzt Sophie dort mit Bürgermeister Jan Schulte bei einem Glas Wein. Ganz
typisch: Sophie mit einer Zigarette, wenn der Polizeialltag mal wieder
besonders stressig war. Solche Szenen machen das Forsthaus weit mehr als nur zu
einer Kulisse – es gehört fest zur ursprünglichen Mord mit Aussicht-Ära
mit Caroline Peters als Sophie Haas.
Für die ersten drei Staffeln wurde das Heckhaus als Drehort
genutzt. Mit der Neuauflage ab Staffel 4 spielt es als Kulisse leider keine
Rolle mehr. Für Fans der ursprünglichen Serie ist ein Besuch dennoch etwas
Besonderes.
Interessant ist außerdem, dass das Forsthaus nicht nur in Mord
mit Aussicht auftaucht. Auch bei Alarm für Cobra 11 wurde das
Gebäude als Drehkulisse genutzt, unter anderem bereits um 2004 in der Folge „Vertrauter
Feind“ sowie viele Jahre später, 2017, in „Halloween“.
Wer heute vor dem Forsthaus steht, braucht jedenfalls nicht
viel Fantasie, um sich wieder mitten in Hengasch zu fühlen: Man sieht Sophie
Haas förmlich mit ihrem BMW über den Kiesweg fahren und vor dem Haus parken –
bereit, sich mit ihrem Vater zu streiten, mit den Schäffers zu grillen, auf der
Bank an der angrenzenden Wiese ein Glas Wein zu trinken oder einfach auf den
Stufen vor dem Haus zu sitzen und eine zu rauchen.
„Marienkapelle in Dümpelbach“
Bei der vermeintlichen Marienkapelle handelt es sich in
Wirklichkeit um die Johanneskapelle in Lindlar-Voßbruch im Bergischen Land in
Nordrhein-Westfalen. Wer die Folge kennt und heute vor der Kapelle steht,
erkennt den Drehort sofort wieder – auch wenn sich in den vergangenen 19 Jahren
einige Details verändert haben.
Besonders auffällig ist das große Kreuz an der Vorderseite,
das man aus der Serie kennt. Dieses gehört nicht dauerhaft zur Kapelle, sondern
wurde für die Dreharbeiten als Teil der Kulisse angebracht.
Interessant fand ich bei meinem Besuch außerdem, wie sehr
die Kameraführung die Wirkung eines Drehortes verändern kann. In der Folge
erscheint die Kapelle deutlich größer und imposanter, als sie in Wirklichkeit
ist. Vor Ort wirkt das Gebäude wesentlich kleiner und beschaulicher.
Auch der Eingangsbereich sieht heute etwas anders aus als
zur Zeit der Dreharbeiten. Die große, massive Tür, die in der Folge zu sehen
ist, wurde inzwischen ausgetauscht. Heute schützen Gitter die Kapelle vor
unbefugtem Zutritt. Zusätzlich ermöglicht eine Glastür Besucherinnen und
Besuchern einen Blick in das Innere, ohne dass die Kapelle dafür betreten
werden muss.
Trotz dieser Veränderungen ist die Johanneskapelle auch 19
Jahre nach den Dreharbeiten noch erstaunlich gut als die „Marienkapelle von Dümpelbach“
wiederzuerkennen. Gerade wenn man die entsprechende Folge im Kopf hat, ist es
spannend, die reale Kapelle mit den Kameraeinstellungen aus Mord mit
Aussicht zu vergleichen.
Die Polizeiwache ab Staffel 2
Deutlich cooler fand ich den Besuch der Hengascher
Polizeiwache, die ab Staffel 2 zum vertrauten Bild der Serie gehört. Das Backsteingebäude
ist die ehemalige Schule in Bornheim-Hemmerich und befindet sich an der Ecke
Kreuzbergstraße/Jennerstraße (Kreuzbergstraße 2). Wer die ersten drei Staffeln
von Mord mit Aussicht kennt, dürfte die Fassade sofort wiedererkennen. Und
anders als bei der ersten Polizeiwache in Kallmuth kam bei mir hier tatsächlich
dieses besondere Gefühl auf: Da ist sie – die Polizeiwache von Hengasch!
Ab Staffel 2 gehen hier Sophie Haas, Dietmar Schäffer und Bärbel Schmied ein und aus. Vor und rund um dieses Gebäude entstanden über die Jahre zahlreiche Szenen, und gerade deshalb ist die Wache für mich einer der interessantesten Drehorte der ganzen Serie.
Man kann sich sofort wieder vorstellen, wie Sophie Haas
genervt zum Dienst erscheint und versucht, in das gemütliche Hengascher
Polizeileben zumindest ein Mindestmaß an Großstadtprofessionalität zu bringen.
Daneben Dietmar, der mit seiner herrlich trockenen und oftmals vollkommen
unaufgeregten Art selbst die ungewöhnlichsten Situationen kommentiert oder
beispielsweise sein Dienstfahrzeug an einem Sonntag wäscht, und Bärbel, die
irgendwo zwischen beiden steht und häufig ihre ganz eigene Sicht der Dinge
beisteuert.
Gerade das Zusammenspiel dieser drei macht die Polizeiwache für mich so besonders. Sophie kann noch so energisch versuchen, eine ernsthafte Ermittlung zu führen – Hengasch findet eigentlich immer einen Weg, ihr dazwischenzufunken. Und manchmal reicht schon ein Blick von Dietmar, um eine ganze Szene lustig zu machen.
Auch Hans Zielonka, der ehemalige Chef der Hengascher Polizei, gehört untrennbar zu diesem Ort. Selbst nach seiner Pensionierung ist die Polizeiwache für ihn offenbar nie so ganz Vergangenheit. Dass Zielonka auch später immer wieder auftaucht und sich mit größter Selbstverständlichkeit in Dinge einmischt, die ihn eigentlich gar nichts mehr angehen, passt wunderbar zum trockenen Humor der Serie.
Wie sieht es heute aus?
Als ich selbst vor der ehemaligen Schule stand, fand ich
besonders spannend, durch die Fenster zu schauen. Die Räume wirkten bei meinem
Besuch leer und das Gebäude machte auf mich den Eindruck, derzeit kaum oder gar
nicht anderweitig genutzt zu werden. Ob es zuletzt tatsächlich ausschließlich
für die Dreharbeiten freigehalten wurde, konnte ich allerdings nicht sicher
feststellen.
Gerade diese Ruhe macht den Besuch irgendwie eigenartig. Im
Fernsehen verbindet man das Gebäude mit Sophie, Dietmar und Bärbel, später mit
Marie, Heino und Jenny – mit Ermittlungen, Diskussionen und dem ganz normalen
Hengascher Polizeichaos. Und dann steht man selbst davor und plötzlich ist
alles still.
Für mich gehört diese Polizeiwache deshalb zu den absoluten
Höhepunkten meiner Drehort-Tour. Schließlich wurden hier zwei Generationen von Mord
mit Aussicht miteinander verbunden: zunächst die Ära von Sophie Haas und
ihrem für mich unvergesslichen Team mit Dietmar und Bärbel und viele Jahre
später die Neuauflage rund um Marie Gabler.
Wenn man als Fan vor diesem Gebäude steht, braucht es
jedenfalls nicht besonders viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie gleich die
Tür aufgeht, Sophie genervt herauskommt und Dietmar ihr mit stoischer Ruhe
irgendeine vollkommen selbstverständliche Hengascher Erklärung hinterherruft.
Das Radioteleskop Effelsberg
Einer der wohl beeindruckendsten Drehorte von Mord mit
Aussicht ist das 100-Meter-Radioteleskop Effelsberg bei Bad Münstereifel.
In der Serie wird daraus das Radioteleskop „Zwiebelfeld“, das in der Folge
„Sonne, Mord und Sterne“ (Staffel 1, Folge 8) eine zentrale Rolle spielt.
Gleich zu Beginn wartet dort ein für Hengascher Verhältnisse selbst ziemlich
außergewöhnlicher Fall auf Sophie Haas, Dietmar und Bärbel: Mitten in der
riesigen Schüssel des Radioteleskops hängt die Leiche eines Astrophysikers.
Ausgerechnet zwischen internationaler Spitzenforschung, Wissenschaftlern und
den unendlichen Weiten des Universums muss das kleine Hengascher Polizeiteam
ermitteln. Gerade dieser Gegensatz sorgt für einige wunderbar skurrile und
trocken-humorvolle Momente. Das beeindruckende Teleskop ist dabei keine
Filmkulisse, sondern das echte Radioteleskop Effelsberg. Mit einem Durchmesser
von 100 Metern wirkt die Anlage schon im Fernsehen gewaltig – steht man jedoch
selbst davor, bekommt man erst ein richtiges Gefühl für ihre Dimensionen. Für
mich ist dieser Drehort deshalb etwas ganz Besonderes: Während viele
Schauplätze von Mord mit Aussicht durch kleine Eifeldörfer, alte Häuser
und schmale Straßen ihren Charme bekommen, zeigt sich Hengasch hier plötzlich
von einer völlig anderen Seite. Und trotzdem schafft es die Serie irgendwie,
selbst ein international bedeutendes Radioobservatorium so wirken zu lassen,
als gehöre es ganz selbstverständlich zur herrlich eigenwilligen Welt von
Sophie, Dietmar und Bärbel.
Vom Besucherparkplatz aus führt zunächst ein Fußweg in Richtung Radioteleskop. Unterwegs gibt es eine kleine Möglichkeit zur Einkehr, an der man sich stärken und auch das ein oder andere Souvenir mitnehmen kann. Anschließend geht es zu Fuß weiter in Richtung des Teleskops.
Nach rund 700 Metern erreicht man eine Aussichtsplattform. Von hier aus hat man bereits einen beeindruckenden Blick auf die riesige Konstruktion und kann sich anhand verschiedener Informationen näher mit dem Radioteleskop und seiner Bedeutung für die Forschung beschäftigen. Die mächtige Konstruktion ragt vor einem auf, während Treppen und technische Anlagen bis weit nach oben führen – Bereiche, die natürlich dem Betrieb vorbehalten und für Besucher nicht zugänglich sind. Auch die umliegenden Gebäude und Anlagen tauchen als Kulisse auf.
Lebensmittel Runkelbach – der kleine Dorfladen von Hengasch
Ein weiterer Drehort, der wunderbar in die beschauliche Welt
von Hengasch passt, ist „Lebensmittel Runkelbach“. Der echte Drehort befindet
sich in Nettersheim-Tondorf und diente in Mord mit Aussicht als kleiner
Dorfladen von Frau Runkelbach, gespielt von Friederike Frerichs. Besonders in
der Folge „Saftladen“ (Staffel 2, Folge 6 bzw. Folge 19 insgesamt) spielt ihr
Geschäft eine größere Rolle. Frau Runkelbach bekommt darin unliebsame
Konkurrenz durch eine vorübergehend eingerichtete Resterampe, die Lebensmittel
und andere Waren zu Spottpreisen verkauft. Entsprechend begeistert ist die
ohnehin nicht gerade für überschwängliche Freundlichkeit bekannte Frau
Runkelbach – natürlich – nicht.
Bei meinem Besuch in Tondorf wirkte das Gebäude dagegen vollkommen ruhig. Der ehemalige Laden steht heute leer, und ohne das Wissen um die Serie würde man vermutlich einfach daran vorbeifahren. Gerade solche unscheinbaren Drehorte finde ich besonders interessant: Im Fernsehen wird aus einem gewöhnlichen Gebäude durch Ausstattung, Schauspieler und Kameraführung ein lebendiger Dorfladen, in dem getratscht, eingekauft und selbstverständlich auch einmal über die neuesten Ereignisse in Hengasch diskutiert wird. Heute fehlt dieses geschäftige Treiben – doch mit etwas Fantasie kann man sich noch immer gut vorstellen, wie Frau Runkelbach hinter der Ladentheke steht und Sophie, Dietmar oder Bärbel mit ihrer gewohnt etwas mürrischen Art empfängt.
Das „Ausländerghetto“ von Hengasch – Het Paradijs am Kronenburger See
Ein etwas weiter von den übrigen Drehorten entferntes Stück
„Hengasch“ findet man am Kronenburger See in der Eifel. In der Folge „Frites
speciaal“ wird die dortige Ferienanlage zum fiktiven „Het Paradijs“, von den
Hengaschern wenig schmeichelhaft als „Ausländerghetto“ bezeichnet. Hier leben
zahlreiche Niederländer in ihren Ferienhäusern – und natürlich dauert es nicht
lange, bis Sophie Haas, Dietmar und Bärbel auch hier ermitteln müssen. Der
reale Drehort ist der Eifelpark Kronenburger See.
Für einen Besuch bietet sich die Anfahrt in Richtung Kronenburger See bei Dahlem-Kronenburg an. Von dort führt ein schöner Waldweg hinunter zum See und zur Ferienanlage. Schon der Spaziergang durch den Wald macht den Abstecher für mich lohnenswert, denn unten angekommen erkennt man mit etwas Serienkenntnis schnell die Umgebung wieder, die in Mord mit Aussicht als niederländische Ferienhaussiedlung herhalten musste.
Besonders schön ist, dass sich ein Besuch des Drehortes gut
mit einem Aufenthalt am Kronenburger See verbinden lässt. Rund um den See kann
man spazieren gehen und die Landschaft genießen. Auch für Hunde ist die
Umgebung interessant und am See gibt es verschiedene Freizeitmöglichkeiten. Je
nach Saison werden außerdem Boote beziehungsweise Tretboote angeboten – aus
einer reinen Drehortsuche kann so schnell ein kleiner Ausflug werden.
Für mich war dieser Drehort vor allem deshalb interessant,
weil man hier wieder einmal merkt, wie weit das vermeintlich kleine Hengasch in
Wirklichkeit auseinanderliegt. Während Sophie, Dietmar und Bärbel in der Serie
scheinbar nur ein paar Minuten durch die Eifel fahren, liegen zwischen den
tatsächlichen Drehorten teilweise ordentliche Entfernungen.
Und trotzdem funktioniert die Illusion erstaunlich gut:
Steht man unten am Kronenburger See zwischen Wald, Wasser und Ferienhäusern,
kann man sich durchaus vorstellen, dass irgendwo zwischen den Häuschen gleich
Sophie Haas auftaucht – vermutlich schon leicht genervt von Dietmar, den
Niederländern und Hengasch im Allgemeinen.
Das „Lovehotel Traube“ – zwischen Weinbergen und amourösen Abenteuern
Einen besonders schönen, aber auch geschichtsträchtigen
Drehort von Mord mit Aussicht findet man im Ahrtal bei Mayschoß. Das
damalige Hotel Lochmühle wurde in der Folge „Lovehotel Traube“ (Staffel 3,
Folge 10) zum gleichnamigen Hotel „Traube“. Schon die Lage macht diesen Drehort
besonders: Umgeben von den steilen Weinbergen des Ahrtals und direkt an der Ahr
gelegen, bietet die Umgebung eine Kulisse, die perfekt zur vermeintlich
beschaulichen Eifelwelt der Serie passt.
In der Folge unternimmt Sophie gemeinsam mit ihrer besten Freundin Doro Goldbach, gespielt von Christine Urspruch, einen Wanderausflug. Eigentlich möchte Sophie bei Doro nur ihrem Ärger über Jan Schulte Luft machen. Doch aus einem gemütlichen Ausflug durch die Weinberge wird – wie könnte es bei Sophie Haas auch anders sein – ziemlich schnell eine neue Ermittlung. Im Hotel „Traube“ glaubt Sophie nämlich, einen Mord beobachtet zu haben. Das Problem dabei: Es gibt keine Leiche.
Das hält Sophie natürlich keineswegs davon ab, weiter zu ermitteln.
Während andere Menschen bei einem Aufenthalt zwischen Weinbergen vielleicht
einfach ein Glas Ahrwein trinken und die Landschaft genießen würden, beginnt
Sophie lieber mit der Suche nach einem möglicherweise gar nicht existierenden
Mordopfer. Doro begleitet das Ganze mit ihrer ganz eigenen Art – und gerade das
Zusammenspiel von Caroline Peters und Christine Urspruch macht die Folge für
mich besonders unterhaltsam.
Nach und nach stellt sich heraus, dass die „Traube“ noch ein
ganz anderes Geheimnis besitzt. Das Hotel ist offenbar ein beliebter Treffpunkt
für Städterinnen, die sich nach einem amourösen Abenteuer mit Männern aus der
Eifel sehnen. Unter den Herren befinden sich unter anderem ein Masseur, ein
ehemaliger Bäcker und sogar ein Nacktputzer. Hengasch beziehungsweise die Eifel
zeigt sich hier also einmal von einer etwas anderen Seite.
Besonders herrlich wird die Situation, als ausgerechnet
Heike Schäffer unter falschem Namen im Hotel auftaucht. Für Dietmar dürfte die
Vorstellung, dass seine Heike ausgerechnet in einem solchen Etablissement
unterwegs ist, ungefähr so entspannend sein wie eine Verkehrskontrolle ohne
Butterbrot. Am Ende finden Dietmar und Heike allerdings wieder zueinander.
Der reale Drehort hat seit den Dreharbeiten leider eine
dramatische Veränderung erlebt. Das damalige Hotel Lochmühle wurde bei der
verheerenden Hochwasserkatastrophe im Ahrtal im Juli 2021 schwer getroffen.
Große Teile des Hotels wurden durch die Wassermassen massiv beschädigt.
Umso schöner ist es, dass an diesem Ort heute wieder Leben eingekehrt ist. Nach dem Wiederaufbau und umfangreichen Renovierungsarbeiten befindet sich hier heute das May Hotel Mayschoß. Wer die alte Folge kennt, wird den Ort trotzdem wiedererkennen – auch wenn sich seit Sophies und Doros Aufenthalt einiges verändert hat.
Geblieben ist vor allem die wunderschöne Landschaft. Die Weinberge rund um Mayschoß gehören für mich unbedingt zu diesem Drehort dazu. Sie sind nicht einfach nur Hintergrund, sondern sorgen in „Lovehotel Traube“ für genau jene Mischung aus Eifelidylle und Provinzcharme, die Mord mit Aussicht so besonders macht. Wer heute hierherkommt, sollte deshalb nicht nur das ehemalige „Hotel Traube“ anschauen, sondern sich auch etwas Zeit für die Umgebung nehmen.
Für mich ist dieser Drehort außerdem ein schönes Beispiel
dafür, wie Realität und Serie manchmal auf besondere Weise miteinander
verbunden bleiben. Im Fernsehen ist es noch immer das etwas verruchte
„Lovehotel Traube“, in dem Sophie einen Mord ohne Leiche aufklären möchte und
die Hengascher Männer offenbar ganz besondere Nebenbeschäftigungen pflegen. In
Wirklichkeit hat der Ort eine Naturkatastrophe erlebt, wurde wieder aufgebaut
und ist heute erneut ein Hotel.
Interessant ist, dass die „Traube“ nicht erst in der späteren Folge „Lovehotel Traube“ in Erscheinung tritt. Bereits in „Spätlese“ (Staffel 1, Folge 9) begegnet uns mit Johann Traube eine Figur dieses Namens im Umfeld der Hengascher Weinwelt. Die Folge spielt ohnehin stark mit der Weinregion: Sophie, Dietmar und Bärbel ermitteln zwischen Winzern, Weinbergen und einem äußerst wertvollen alten Spätburgunder.
Besonders markant am späteren realen Drehort des Hotels ist
der große Bogen am Eingangsbereich. Er verleiht dem Gebäude einen hohen
Wiedererkennungswert und fällt auch beim Vergleich mit den Aufnahmen aus Mord
mit Aussicht sofort ins Auge.
Kloster Marienthal – Drehort der Folge „Spätlese“
Einer meiner schönsten Drehorte von Mord mit Aussicht
liegt mitten in der Weinlandschaft des Ahrtals: die Klosterruine Marienthal bei
Dernau. Sie diente als einer der zentralen Schauplätze der Folge „Spätlese“
(Staffel 1, Folge 9). Anders als bei manchen Drehorten wurde hier nicht nur die
Umgebung genutzt – auch innerhalb der historischen Klostermauern entstanden
Aufnahmen für die Folge. Unter anderem singt hier die Weinkönigin Julia Jahn
gemeinsam mit ihrem Chor. Mit den alten Mauern und den unmittelbar angrenzenden
Weinbergen bietet das Kloster eine Kulisse, die wie geschaffen für diese Folge
wirkt.
Natürlich bleibt die Idylle nicht lange ungestört. Mitten in einem Weinberg wird eine Leiche gefunden. Sophie, Dietmar und Bärbel glauben aufgrund der geringen Körpergröße zunächst erschrocken, dass dort ein Kind liegt. Tatsächlich handelt es sich bei dem Toten um Arno Hümmel, einen kleinwüchsigen Dieb und Hehler, der erst wenige Tage zuvor aus dem Gefängnis entlassen worden war. Dass ausgerechnet ein vorbestrafter Einbrecher in einem Weinberg bei Hengasch tot aufgefunden wird, lässt natürlich vermuten, dass es hier um mehr als eine gewöhnliche Weinprobe gegangen ist.
Und tatsächlich führt die Spur zu einem ganz besonderen
Tropfen: dem sagenumwobenen „Dernfelder Schieferchen“, einem Spätburgunder aus
dem Jahr 1959. Die Flasche soll einst von John F. Kennedy persönlich signiert
worden sein und gilt inzwischen als verschollen. Für Weinliebhaber und Sammler
ist sie entsprechend wertvoll – und plötzlich bekommt auch die Vergangenheit
des toten Arno Hümmel eine ganz neue Bedeutung.
Gerade diese Geschichte passt wunderbar zu Mord mit
Aussicht: Ein verschollener Spitzenwein mit Kennedy-Unterschrift, ein toter
Einbrecher im Weinberg und mittendrin Sophie Haas, Dietmar Schäffer und Bärbel
Schmied. Nur in Hengasch kann aus einer alten Flasche Rotwein offenbar ein
ausgewachsener Mordfall werden.
Für mich gehört das Kloster Marienthal auch unabhängig von der Serie zu den besonders sehenswerten Drehorten. Die alten Klostermauern, die Weinberge und die Landschaft des Ahrtals sorgen für eine ganz eigene Atmosphäre. Wenn man die Folge „Spätlese“ kennt und anschließend selbst zwischen den Mauern steht, erkennt man einige Perspektiven wieder und bekommt einen schönen Eindruck davon, wie geschickt die reale Umgebung für das fiktive Hengasch genutzt wurde.
Besonders interessant ist dabei, dass die Weinberge nicht einfach nur eine hübsche Hintergrundkulisse sind, sondern unmittelbar zur Handlung gehören. Wein, Winzer und das legendäre „Dernfelder Schieferchen“ ziehen sich durch den gesamten Fall. Dadurch gehört „Spätlese“ für mich zu den Folgen, bei denen Drehort und Geschichte besonders schön miteinander verschmelzen.
Gasthof Aubach – hier trifft sich ganz Hengasch
Einer meiner absoluten Lieblingsdrehorte war der Gasthof
Aubach aus Staffel 2 und 3. In Wirklichkeit handelt es sich um den Gasthof
Röttgen, Kirchweg 6 in 53819 Neunkirchen-Seelscheid. Bereits von außen erkennt
man das markante Fachwerkgebäude sofort wieder. Noch beeindruckender wird es
allerdings, wenn man das Gasthaus betritt: Auch die Innenaufnahmen des Aubachs
wurden tatsächlich hier gedreht. Gastraum und Saal sehen noch heute erstaunlich
vertraut aus. Als Fan hat man deshalb wirklich das Gefühl, gerade mitten in
Hengasch gelandet zu sein.
Das Aubach ist in den beiden Staffeln schließlich weit mehr
als irgendeine Dorfkneipe. Hier wird getrunken, gefeiert, gestritten, gesungen
und über das halbe Dorf getratscht. Zahlreiche bekannte Figuren gehen ein und
aus und immer wieder wird das Gasthaus zum Mittelpunkt des Hengascher
Dorflebens.
Bürgermeisterwahl mit Grillwurst
Besonders gut in Erinnerung bleibt das Aubach in „Einer
muss singen“. Ausgerechnet am Tag der Bürgermeisterwahl wird hinter dem
Gasthof ein Mitglied des Männergesangsvereins erschlagen aufgefunden – mit
einem bereits für Zielonka ausgefüllten Stimmzettel in der Hand. Während Sophie
also einen Mord aufklären muss, liefern sich Hans Zielonka und Jan Schulte
gleichzeitig ihren Kampf ums Bürgermeisteramt.
Auch Heike Schäffer mischt kräftig mit und unterstützt Jan
Schulte, während Dietmar einmal mehr zwischen allen Stühlen sitzt: Auf der
einen Seite seine „Muschi“, auf der anderen sein ehemaliger Chef Zielonka. Am
Ende gewinnt Jan die Wahl – was Zielonka natürlich nicht einfach kommentarlos
hinnimmt.
Besonders schön ist, dass auch der Vorplatz des Gasthofs
noch vorhanden ist. Genau diese Umgebung gehört zu den Szenen rund um die Wahl
und das Hengascher Dorfleben. Wo im Fernsehen bei der Auszählung
zusammengekommen, diskutiert und natürlich auch Grillwurst gegessen wird, kann
man heute selbst stehen. Gerade solche eigentlich unspektakulären Plätze
bekommen als Fan plötzlich eine völlig andere Bedeutung.
„Einer muss singen“ – und zwar direkt am Aubach
Auch der Hengascher Männergesangsverein ist eng mit diesem
Drehort verbunden. Für „Einer muss singen“ wurden echte Mitglieder
verschiedener regionaler Musik- und Gesangsvereine eingesetzt. Die große
Musikparade vor dem Aubach wurde direkt am Gasthof Röttgen und in den angrenzenden
Straßen gedreht.
Wer von dort die Straße entlanggeht, bewegt sich also tatsächlich auf einer der Strecken, auf denen der Männerchor beziehungsweise die Musikvereine in der Serie unterwegs sind. Für mich sind gerade solche Stellen spannend, weil man nicht nur vor einem einzelnen Gebäude steht, sondern plötzlich die komplette Umgebung aus der Folge wiedererkennt.
Selbst Fraktus feiert im Aubach
In Staffel 3 bekommt das eigentlich beschauliche Aubach dann
noch einmal einen ziemlich ungewöhnlichen Besuch. In „Tod eines Roadies“ taucht
die Elektropop-Band Fraktus in Hengasch auf. Ausgerechnet das kleine Dorf wird
damit zeitweise zum Schauplatz des Musikgeschäfts – einschließlich Band,
Roadies und natürlich eines neuen Todesfalls für Sophie und ihr Team.
Auch Szenen mit Fraktus entstanden am Gasthof Röttgen. Der Kontrast könnte kaum besser zu Mord mit Aussicht passen: Auf der einen Seite das urige Hengascher Fachwerkgasthaus, auf der anderen Seite eine Elektropop-Band. Und irgendwo dazwischen Sophie Haas, die eigentlich nur herausfinden möchte, wer schon wieder wen umgebracht hat.
Innen fast wie damals
Hier wurden tatsächlich auch der Gastraum und der Saal für die Dreharbeiten genutzt. Und genau das merkt man. Vieles wirkt noch erstaunlich vertraut und erinnert unmittelbar an die Serie. Für mich gehört der Gasthof deshalb zu den Drehorten mit dem stärksten Hengasch-Gefühl überhaupt. Das Fachwerkhaus, der Vorplatz, die Straße davor und vor allem die vertrauten Innenräume ergeben zusammen einen Ort, an dem man sich nicht nur eine bestimmte Kameraeinstellung anschauen kann. Hier lässt sich ein ganzes Stück Hengasch wiedererkennen.
Ob Bürgermeisterwahl, Männerchor, Dorffest, Fraktus oder einfach nur das ganz normale Chaos bei einem Bier: Das Aubach ist das Wohnzimmer von Hengasch. Und wenn man selbst einmal darin steht, fehlen eigentlich nur noch Dietmar, Bärbel und Sophie an der Theke.
Der perfekte Ausgangspunkt, um die Drehorte von Mord mit Aussicht und die wunderschöne Eifel zu erkunden, ist das Ferienhaus Weitblick. Von hier aus lassen sich viele der bekannten Schauplätze wunderbar entdecken und gleichzeitig entspannte Tage in der Eifel genießen.
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