Vom Abi in die Lehre
Uhrmachergeselle Josua Prassler arbeitet mit Leidenschaft bei Juwelier Druckenmüller. Warum auch der angehende Auszubildende Adrian Dautaj vom Uhrmacherhandwerk begeistert ist.
Bei Juwelier Druckenmüller treffen Erfahrung und Nachwuchs
aufeinander: Uhrmachergeselle Josua Prassler (vorne links), der angehende
Auszubildende Adrian Dautaj (vorne rechts), Goldschmiedegesellin Iris Kirchhoff
(hinten links), Geschäftsführerin Anja Druckenmüller und Firmengründer Klaus
Druckenmüller (hinten rechts).
„Ich wünsche mir wieder mehr Meister in unserem Handwerk“,
sagt Anja Druckenmüller aus Crailsheim. Die Goldschmiedemeisterin und staatlich
geprüfte Gestalterin für Schmuck und Gerät kehrte 2006 in den Familienbetrieb
Juwelier Druckenmüller zurück. Nach ihrer Zeit als Werkstattleiterin arbeitete
sie sich in die Verwaltungsaufgaben ein. Seit 2023 ist die 44-Jährige alleinige
Geschäftsführerin der Crailsheimer Filiale und für die Ausbildung im
kaufmännischen Bereich sowie im Goldschmiedehandwerk verantwortlich. „Meine
Eltern haben mir immer offengelassen, welchen beruflichen Weg ich einschlagen
möchte.“ Schon als Kind half sie im Betrieb mit. „In der Lehre bin ich richtig
aufgeblüht und konnte meine Kreativität ausleben.“ Ihr Bruder Björn
Druckenmüller, gelernter Uhrmacher, leitet die Filiale in Schwäbisch Hall.
Handwerk liegt in der Familie
Qualität hat für Anja Druckenmüller oberste Priorität: „Unsere Uhrmacher erhalten spezielle Zertifizierungen für Ersatzteile. So wird sichergestellt, dass nur geschulte Fachkräfte damit arbeiten.“ Mit der Ausbildung junger Menschen möchte sie dem Fachkräftemangel entgegenwirken. „Wir sind ein kleiner Betrieb und unterstützen unsere Mitarbeiter, wo wir nur können. Wir brauchen Menschen, die unsere Qualitätsansprüche mittragen.“
Für die Ausbildung der Uhrmacher ist ihr Vater Klaus Druckenmüller zuständig. „Der Uhrmacher ist immaterielles Kulturerbe. Der Goldschmied ist auf dem Weg dorthin“, sagt der 72-Jährige. „Ich bekam von meinen Eltern eine Eisenbahn und tauchte dadurch in die Welt des Mikrokosmos ein.“ Schon als Achtjähriger drückte er sich regelmäßig die Nase an den Schaufenstern platt.
1984 gründete er sein Unternehmen, vier Jahre später folgte die zweite Filiale in Schwäbisch Hall. „Meine Frau hat mich immer unterstützt. Beide Kinder begeisterten sich für das Handwerk. Anja saß schon als Kind mit am Tisch und diskutierte mit uns über neue Schmuckkollektionen. Meine Enkelin begleitet uns bereits auf Schmuckmessen und zeichnet Designs nach.“
Besonders schätzt er das sichtbare Ergebnis der eigenen Arbeit. „Das tut der Seele gut.“ Trotz des Onlinehandels setzt er weiterhin auf persönliche Beratung: „Im Geschäft kann man eine Uhr anfassen, anlegen und spüren, wie sie sich am Handgelenk anfühlt.“ In den ersten Jahren arbeitete er oft bis spät in die Nacht. „Ich denke, das Geschäft hat sich durch Fleiß, Ehrlichkeit, Gesundheit und ein bisschen Glück so etabliert.“
Höchste Präzision
Auch Uhrmachergeselle Josua Prassler aus Hessental unterstützt den Betrieb mit großer Leidenschaft. Wer ihm zuhört, merkt, dass der Beruf für ihn mehr als nur Arbeit ist. „Als Kind hat mich Mechanik schon immer fasziniert“, erzählt der 21-Jährige. Noch vor seiner Ausbildung eignete er sich Vieles selbst an. Während der Corona-Zeit zerlegte er eine alte Pendeluhr seiner Großmutter und setzte sie wieder zusammen. „Mir ist alles um die Ohren geflogen. Am Ende hat sie aber wieder funktioniert.“ Die dreijährige Ausbildung absolvierte er an der staatlich anerkannten Feintechnikschule in Schwenningen. Ebenso die duale Ausbildung im Blocksystem ist möglich. Diese beginnt Auszubildender Adrian Dautaj im September an der Berufsschule in Pforzheim.
Für den Beruf seien vor allem Geschick, Feingefühl und Geduld wichtig. Daneben brauche es räumliches Vorstellungsvermögen sowie Kenntnisse in Physik, Mathematik und technischem Zeichnen. Seine Taschenuhr trägt Prassler stets bei sich. „Die habe ich auf dem Dachboden hier bei den Umbaumaßnahmen gefunden und repariert.“
Besonders wichtig sei höchste Präzision. „Fünf Millimeter sind nicht dasselbe wie 5,01.“ Gehe eine Uhr am Äquator nur eine Sekunde nach, könne das bereits eine Abweichung von rund 500 Metern bedeuten.
Adrian Dautaj beginnt im September seine Ausbildung zum Uhrmacher. Die Begeisterung für den Beruf kam bei dem 19-Jährigen aus Jagstzell allerdings erst später. Zuvor hatte er sogar über den Lehrerberuf nachgedacht und deshalb das Wirtschaftsgymnasium besucht. Den entscheidenden Impuls gaben seine Mitschüler. „Bei meinen Klassenkameraden begann damals der Uhrenhype.“ Er beschäftigte sich intensiv mit Uhrwerken und baute schließlich selbst eines zusammen. „Ich dachte mir: Das ist cool, ich mache etwas Eigenes daraus.“
Mit einem leeren Uhrengehäuse stand er beim Juwelier vor der Tür. „Frau Druckenmüller hat mich gefragt, ob nicht eine Ausbildung in Erwägung ziehe.“ Kurz darauf entschied er sich für ein Praktikum, bevor er den Ausbildungsvertrag unterschrieb.
Nach Angaben der Handwerkskammer Heilbronn-Franken wurde im Kammerbezirk seit vielen Jahren kein Uhrmacher mehr ausgebildet. Mit Adrian Dautaj erlernt nun erstmals seit langer Zeit wieder ein Auszubildender den Beruf des Uhrmachers. „Wir freuen uns, dass wir nun wieder einen Uhrenmacher in Ausbildung haben“, sagt Jérôme Umminger, Abteilungsleiter für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Handwerkskammer Heilbronn-Franken.
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