90 Kilometer mit Maultier zurückgelegt: Millas ungewöhnliche Reise nach Fichtenau

Die 18-jährige Milla Weiß aus Nürnberg ritt mit ihrem Maultier zum Eselhof Rötlein nach Fichtenau. Dabei war diese außergewöhnliche Wanderung ursprünglich überhaupt nicht geplant.

Milla Weiß mit ihrem Maultier auf dem Eselhof Rötlein in Fichtenau

Nach einem dreitägigen Ritt haben Milla Weiß und ihre Maultierstute Negra den Eselhof erreicht. Dort darf sich Negra nun von den Strapazen der Reise erholen und ihre Ferien gemeinsam mit ihrem Eselsfreund Gustl genießen.

Während viele die heißen Sommertage im Freibad oder bei einem Eis verbringen, entschied sich die 18-jährige Milla Weiß aus Nürnberg für ein ungewöhnliches Abenteuer: Gemeinsam mit ihrer Maultierstute Negra legte sie rund 90 Kilometer von Nürnberg bis zum Eselhof Rötlein in Fichtenau zurück. Drei Tage war das Duo unterwegs und bewältigte dabei täglich etwa 30 Kilometer.

Ursprünglich war die Wanderung gar nicht geplant. Für die Urlaubszeit suchte die Familie eine Unterkunft für ihre beiden Tiere. Esel Gustl wurde mit dem Pferdeanhänger zum Eselhof Rötlein gebracht. Da Negra nicht in den Anhänger wollte, entschied sich Weiß kurzerhand, mit ihr zum Hof zu reiten.

Die Route führte unter anderem über Oberasbach, Rohr, Neuendettelsau, Dentlein am Forst und Schopfloch nach Rötlein. Orientiert habe sich die 18-Jährige mit Google Maps. Die Wanderung selbst habe ihr Vater per GPS-Tracker begleitet, besuchte sie in den Mittagspausen und brachte Verpflegung. Besonders schön sei die spontane Gastfreundschaft eines Bauernhofs gewesen, auf dem Milla Weiß und ihr Maultier übernachten konnten.

Für Negra war es die erste mehrtägige Wandertour. Tag eins verlief weitgehend entspannt. Rund 25 Kilometer legten die beiden zurück. Selbst ein Traktor, der ihr normalerweise Schwierigkeiten bereitet hätte, brachte das Maultier nicht aus der Ruhe. Am Abend fand sie auf einem Bauernhof einen Platz im Paddock, während Weiß in einer Ferienwohnung übernachtete.

Regen, Umwege und Lastwagen

Am zweiten Tag wurde die Tour anspruchsvoller. Reiterin und Maultier verirrten sich mehrfach, mussten Wege doppelt zurücklegen und zeitweise auf Straßen ausweichen, auf denen Lastwagen an ihnen vorbeifuhren. Bei einem Dorffest legten sie eine Pause ein. Trotz Musik, Menschen und Trubel blieb die Stute gelassen. Als später ein geplanter Waldweg gesperrt war, halfen Anwohner spontan und erlaubten den beiden, über eine Wiese weiterzureiten. Den Abend verbrachten die beiden auf einem Hof, auf dem der Vater von Milla Weiß bereits einen Camper bereitgestellt hatte.

Am dritten Tag kam starker Regen hinzu. Trotzdem setzten die 18-Jährige und ihr Maultier die Reise fort. Kurz vor dem Ziel sorgte ein weiterer Irrweg dafür, dass aus vermeintlich drei Kilometern plötzlich sechs wurden. Die Erschöpfung war Mensch und Tier anzumerken. Dennoch bewahrte Negra auch in schwierigen Situationen die Ruhe – ob an engen Stellen mit Leitplanken, auf schmalen Wegen oder entlang der Landstraßen mit vorbeifahrenden Lastwägen.

„Beide waren müde, wie man das nach einem Drei-Tage-Ritt erwarten kann“, berichtet Iris Niederecker vom Eselhof Rötlein. Umso größer sei die Freude gewesen, als die Stute am Ziel ihren Stallgefährten Gustl wiedersah.

Ihre Erlebnisse teilte Weiß auch in den sozialen Medien. Der Beitrag erreichte inzwischen mehr als 16.000 Aufrufe. Für Niederecker ist die große Resonanz wenig überraschend: Maultiere seien im Reitsport vergleichsweise selten und weckten schon deshalb Neugier. Hinzu komme der Abenteuercharakter einer solchen Tour. „Unerwartete Hindernisse wie Regen, gesperrte Wege, Verkehr oder Umwege sorgen für Spannung und machen die Geschichte lebendig“, erklärt sie. Eine mehrtägige Wanderung erfordere Mut, Ausdauer und gute Vorbereitung. Entscheidend sei zudem das gegenseitige Vertrauen zwischen Mensch und Tier. „Besonders beeindruckend ist, wie ruhig Negra in ungewohnten Situationen blieb und beide als Team schwierige Momente gemeistert haben.“

Erlebnisse rund um den Esel

Maultiere seien für längere Touren besonders gut geeignet. „Ein Maultier entsteht aus der Kreuzung einer Pferdestute und einem Eselhengst. Es vereint die körperliche Leistungsfähigkeit und Größe des Pferdes mit der Gelassenheit, Trittsicherheit und Besonnenheit des Esels“, erklärt Niederecker.

Während die Familie Urlaub macht, verbringen Negra und Gustl nun ihre Ferien gemeinsam mit den anderen sieben Eseln auf dem Eselhof Rötlein. Morgens geht es auf die Weide, mittags wird geruht und am Abend genießen die Tiere beim Grasen Sonne und Wind.

Der idyllisch in der Fichtenauer Weiherlandschaft gelegene Eselhof Rötlein bietet eine Esel-, Pferde- und Katzenpension an. „Die Tiere werden während der Urlaubszeit bestens versorgt und verbringen ihre Ferien in einer artgerechten Umgebung“, betont Niederecker. Seit 2018 gehören zudem Eselwanderungen, Picknick- und mehrtägige Trekkingtouren, Betriebsausflüge, Kinderferienprogramme sowie Angebote für Familien und Gruppen zum Programm. Die gestalteten Busgruppenprogramme seien auch unter anderem für Senioren bestens geeignet. Zu den Familienangeboten zählen die „Eltern-Genießer-Tage“: Während Kinder zwischen sechs und dreizehn Jahren mit den Eseln die Umgebung erkunden und spielerisch Naturaufgaben lösen, haben ihre Eltern vier Stunden Zeit für eigene Unternehmungen. Darüber hinaus können Familien bei verschiedenen Disziplinen gemeinsam mit den Eseln Geschick und Teamgeist unter Beweis stellen. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite des Eselhofs Rötlein.


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