Eine singende Bestattungsmeisterin
Als ausgebildete Bühnendarstellerin kehrte Rebekka Hourticolon ins Familienunternehmen Bestattungen Kraus zurück – und fand ihre Berufung. In ihrer Arbeit sieht sie eine besondere Sinnhaftigkeit.
Für Rebekka Hourticolon gehören Singen und Bestatten
untrennbar zusammen. Mit ihrer Stimme berührt sie Menschen im Innersten und
begleitet sie einfühlsam durch die Zeit der Trauer.
Anfangs hatte Rebekka Hourticolon ganz andere Berufspläne.
„Ich habe mich für vieles interessiert – unter anderem für Theologie oder eine
Hotelausbildung“, erinnert sich die 47-Jährige aus Dinkelsbühl. Schließlich
entschied sie sich für die Bühne.
Als sie 13 Jahre alt war, zog ihre Familie nach Fichtenau. 1998 entstand das heute Familienunternehmen Bestattungen Kraus. Am Peutinger-Gymnasium in Ellwangen machte sie ihr Abitur mit den Leistungsfächern Musik und Altgriechisch. Parallel erhielt sie von 1996 bis 1999 ein Gesangsstipendium an der Berufsfachschule Dinkelsbühl.
„Ich habe schon als Kind gerne gesungen.“ Zum Gesangsunterricht kam sie auf ungewöhnliche Weise: „Mein Osteopath hat es empfohlen, damit sich mein Kiefer lockert. Zum Gesang bin ich gekommen – gelockert hat sich trotzdem nichts“, erzählt sie mit einem Lachen.
Verrückte Auftritte
2000 zog sie nach Hamburg und absolvierte bis 2003 an der Stage School ihre Ausbildung zur Bühnendarstellerin in Gesang, Schauspiel und Tanz. Es folgten Engagements im Altona Theater und St. Pauli Theater. 2004 rief sie ihre „Engel-Agentur“ ins Leben – eine Künstleragentur, bei der Menschen einen „Engel“ buchen konnten. Mit ihrem Team trat sie bei Hochzeiten, Jubiläen, Weihnachtsfeiern, Märkten, in Seniorenheimen und Kindergärten auf. Besonders in Erinnerung blieb ihr eine Hochzeit, bei der die verkleideten Künstler sogar als Trauzeugen unterschrieben. Auch ein Auftritt in dreizehn Metern Höhe zur Eröffnung des Weihnachtsmarktes im Karl-May-Dorf Bad Segeberg gehörten dazu. „Wir haben crazy Sachen gemacht.“
2014 kehrte die gelernte Bühnendarstellerin nach Fichtenau zurück. Zuvor hatte sie ihre Eltern regelmäßig im Bestattungsinstitut vertreten und sich unter anderem in der hygienischen Versorgung weitergebildet. „Mir war klar, dass ich ins Familienunternehmen einsteigen werde.“
An ihre erste eigene Begleitung erinnert sie sich noch gut: „Die damalige Vertretung hat mir einfach einen Koffer in die Hand gedrückt und mich zu einem Sterbefall geschickt.“ Schnell erkannte sie die Sinnhaftigkeit des Berufs. „Im Bestattungsinstitut hatte ich das Gefühl, wirklich etwas bewegen zu können.“
Nachdem sie ihre Ausbildung zur geprüften Bestatterin abgeschlossen hat, folgten die Weiterbildung zur Bürokommunikationsfachwirtin für das Bestattungswesen und 2019 der Abschluss als Bestattungsmeisterin. „Meine Eltern haben uns Kindern immer die Freiheit gelassen, unseren eigenen Weg zu gehen, und uns dabei unterstützt.“ Umso größer sei heute ihre Freude, dass mit ihr und ihrer Schwester Verena Kraus im Büro, zwei Töchter ins Familienunternehmen zurückgekehrt sind. „Es ist schön, mit der Familie zusammenzuarbeiten. Sie hatte bei uns schon immer einen hohen Stellenwert.“ Als älteste von vier Geschwistern wuchs Rebekka Hourticolon mit dem Beruf auf. „Ich bin oft mit meinem Vater mitgegangen und habe geholfen.“
Voller Lebensfreude
Heute ist sie verheiratet und Mutter eines 17-jährigen Sohnes. Yannis besucht das Wirtschaftsgymnasium in Crailsheim, unterstützt den Familienbetrieb und engagiert sich bei der Feuerwehr. „Deshalb begleitet er mich und seinen Opa immer wieder.“ So wolle die 47-Jährige ihn behutsam auf belastende Situationen vorbereiten und ihm zugleich vermitteln, welche verantwortungsvolle Aufgabe ihre Familie übernimmt. „Beruflich orientiert er sich eher an seinen beiden Onkeln.“ Diese leben in München und haben Betriebswirtschaftslehre beziehungsweise Wirtschaftsinformatik studiert.
Das Singen ist bis heute ihre große Leidenschaft. In ihrer Arbeit helfe ihr die Musik, Menschen zu erreichen und in der Trauer eine Brücke zu bauen. „Deshalb ist mir die offene Aufbahrung so wichtig. Allein durch meinen Gesang kann ich Menschen berühren. Ich danke Gott für meine Stimme.“
Wer Rebekka Hourticolon begegnet, erlebt eine Frau voller Lebensfreude. „Ich sage immer: Ich bin eine singende Bestattungsmeisterin“, erklärt sie mit einem Lachen. Gerade in den schwersten Stunden möchte sie Familien Kraft geben, damit das Leben für sie weitergehen kann. Das Singen ist für sie ein Ausgleich. Ebenso wichtig sei es, die Trauer der Angehörigen nicht zur eigenen werden zu lassen. Privat liebt sie deshalb Farben. „Rot ist meine Lieblingsfarbe.“ Selbst im Arbeitsalltag trägt sie zumindest ein rotes Uhrenband. „Im Institut trage ich Schwarz, aber für mich bedeuten Farben Leben.“
Gemeinsam mit ihrer Mutter Eva-Maria Kraus bietet sie Trauerbegleitungen, Workshops, Vorträge und Seminare an. „Unserer Familie ist es wichtig, Trauernden ein möglichst breites Angebot zu bieten.“ Mit drei Filialen in Dinkelsbühl, Crailsheim und Ellwangen bildet der Hauptsitz in Unterdeufstetten für sie „das Auge im magischen Dreieck“.
Neben ihrem Beruf arbeitet sie als Sängerin und freie Rednerin für Trauerfeiern, Hochzeiten und Willkommensfeiern. Weitere Informationen unter: www.trauerklänge.de.
Musik und Bestattung gehören für Rebekka Hourticolon
untrennbar zusammen – beides gibt ihr die Möglichkeit, Menschen zu berühren und
ihnen beizustehen.
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