Jedes Kind lernt anders
Der Verein Lernschatz-Akademie, ansässig im Schloss Tempelhof stellte beim „Tag voller Lernschätze“ im Waldkindergarten sein Konzept für individuelles Lernen vor. Rund 50 Gäste nahmen teil.
An neun Stationen konnten Eltern mit ihren Kindern das
Konzept des Vereins kennenlernen.
„Unser größtes Anliegen ist es, das Konzept des
individuellen Lernens in die Welt zu tragen“, betont Alexandra Kraus. Die
57-Jährige ist Vorsitzende des Vereins Lernschatz-Akademie im Schloss
Tempelhof. Gegründet wurde der Verein im Oktober 2025 mit dem Ziel, eine neue
Lernkultur zu fördern. Im Mittelpunkt stehen Fragen wie: Wie gelingt gutes
Lernen? Und wie können Kinder bestmöglich begleitet werden?
Beim „Tag voller Lernschätze“ kamen rund 50 Kinder und Eltern in den Waldkindergarten des Schloss Tempelhofs, um das Konzept kennenzulernen. Mithilfe eines eigens entwickelten Kartensets führt das Team um Alexandra Kraus die Gäste durch den Tag. „An einem Handbuch arbeiten wir derzeit noch“, erklärt sie. Die Karten sollen Familien dabei unterstützen, miteinander ins Gespräch zu kommen und individuelle Lernwege zu entdecken. Künftig möchte der Verein damit auch Workshops an Schulen und Kindergärten anbieten. Beim Kauf der Kartenbox ist ein Einführungsworkshop bereits enthalten. „Jeder Mensch lernt auf seine eigene Weise. Das Lernmaterial ist vielseitig einsetzbar – nicht nur für Familien, sondern auch für Unternehmen, etwa im Teambuilding“, sagt Kraus.
Neun Kategorien und Stationen
Das Kartenset umfasst neun Kategorien: Lernkraft – Wie du an Neues herangehst, Lernkompass – Wie du entscheidest, Lernweg – Wie du die Welt entdeckst, Lernzugang – Wie du Neues aufnimmst, Lernort – Wo du dich wohlfühlst, Lernbewegung – Dein Bewegungsbedarf, Superhirn – Welcher Sinn dich leitet, Lernbrille – Wie du die Welt siehst sowie Lernfunke – Was dich motiviert. Diese Themen werden an diesem Tag an verschiedenen Stationen im Wald spielerisch erlebbar gemacht.
Die Sozialpädagogin und Coachin lebt selbst in der Gemeinschaft Schloss Tempelhof. „Wir sollten Kinder ihren eigenen Weg gehen lassen.“ Auch Maike Brendle, Schulleiterin der dortigen Schule, engagiert sich im Verein. „Unser Verein ist unabhängig von der Schule entstanden, ergänzt das dortige Lernkonzept aber hervorragend“, erklärt Kraus.
Zum Verein gehört ein achtköpfiges Team aus ganz Deutschland. Andreas Wagner kümmert sich als Informatiker um Website und Onlineshop. Sein Sohn wird bald eingeschult. „Ich habe mich gefragt: Wie kann Lernen auch anders funktionieren? Als der Prototyp des Kartensets fertig war, dachte ich: Das muss größer werden.“ Für den Aktionstag reiste er eigens aus der Pfalz an.
An den Stationen entdecken die Teilnehmenden unterschiedliche Lerntypen und Perspektiven. So können sie herausfinden, ob sie eher Starter, Macher, Jongleur, Wegweiser oder Spiegel sind und welche Stärken damit verbunden sind.
Nach einer gemeinsamen Mittagspause arbeiten die Teilnehmenden mit ihren eigenen Lernthemen weiter. Jede und jeder durfte dafür ein persönliches Thema mitbringen – etwa ein Hobby, ein Buch oder eine neue Fähigkeit. Am Nachmittag entwickeln Kleingruppen aus gezogenen Lernschatzkarten kreative Beiträge wie Theaterstücke, Bilder oder Land-Art-Installationen.
Selbstbestimmtes Lernen
Während die Erwachsenen sich über Elternschaft, Kindergarten, Schule und neue Lernkultur austauschen, können die Kinder die Spiel- und Lernangebote im Wald nutzen. Hängematten, Kletter- und Bewegungsangebote sowie kreative Werkstätten laden zum Entdecken ein. Der Tag versteht sich als lebendiger Lerngarten, in dem selbstbestimmtes Lernen im Mittelpunkt steht.
„Die Stationen gefallen mir richtig gut. Besonders schön finde ich die Hängematte. In der Schule mag ich vor allem Sport, Kunst und Musik“, erzählt die achtjährige Olivia Weber. Gemeinsam mit ihrem Vater Stephan Weber ist sie aus Erlangen angereist. Da in Bayern gerade die Sommerferien begonnen hatten, nutzte er den ersten Ferientag für einen gemeinsamen Ausflug. „Ich mache sehr gerne Ausflüge mit meinem Papa“, ergänzt Tochter Olivia.
Auch ein 23-Jähriger aus Göttingen nahm an der Veranstaltung teil. „Ich war für eine Gasthelferwoche hier, weil ich mich für das Leben in einer Gemeinschaft interessiere.“ Das Lernkonzept habe ihn überzeugt: „Ich habe nach der elften Klasse die Schule verlassen, weil ich mit dem klassischen Schulsystem nicht mehr zurechtgekommen bin.“
Ein weiteres Projekt des Vereins ist der Lernschatz Kids Club, der von Andreas Wagner und Amira Schneider begleitet wird. Schneider, ebenfalls Mitglied des Teams, hat einen siebenjährigen Sohn. „Viele Eltern fragen sich, wie sie ihre Kinder auf diese verrückte Welt vorbereiten können, die sich ständig verändert“, sagt sie.
Der Kids Club startet im Oktober. „Kinder brauchen heute mehr als Schulwissen. Sie brauchen Vertrauen in sich selbst, um mit Unsicherheiten gut umgehen zu können“, betont Schneider. In den Treffen sollen Eltern außerdem ihre eigene Lernbiografie reflektieren, denn das Elternhaus spiele eine entscheidende Rolle. Das Angebot richtet sich an Kinder zwischen fünf und acht Jahren – insbesondere in der Übergangsphase vom Kindergarten zur Schule.
Wer mehr über den Verein und seine Arbeit erfahren möchte, findet weitere Informationen unter www.lernschatz-akademie.de.
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