Hightech und Handwerk Hand in Hand: So arbeitet Maschinen- und Anlagenführer Metin Toncer

Metin Toncer schloss seine Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer bei der BTE BiegeTechnik-Engineering GmbH erfolgreich ab. Täglich sorgt er an modernen Maschinen für millimetergenaue Arbeit.

Metin Toncer an einer Biegemaschine bei BTE BiegeTechnik-Engineering

Metin Toncer (rechts) kam vor rund vier Jahren allein aus der Türkei nach Deutschland. An seiner Biegemaschine fertigt er mit Präzision Rohrteile. Ausbildungsleiter Hartmut Dörr schätzt vor allem seine gewissenhafte Arbeitsweise.

Vier Produktionshallen, rund 80 Maschinen und modernste Robotertechnik: Die BTE BiegeTechnik-Engineering GmbH in Ilshofen fertigt Präzisionsteile für unterschiedlichste Branchen. Rund 130 Mitarbeiter und drei Auszubildende arbeiten in dem auf Rohrbearbeitung spezialisierten Betrieb.

In den Hallen arbeiten Mensch und Maschine Hand in Hand. Roboter übernehmen den Materialtransport zwischen den Biegemaschinen, zehn Schweißroboter erledigen einen Großteil der Schweißarbeiten. Dennoch bleibt auch das manuelle Schweißen ein wichtiger Bestandteil der Produktion.

Gefertigt werden unter anderem Trägersysteme für Lüftungsanlagen, Abgasführungen für Nutzfahrzeuge sowie Hydraulik- und Kühlwasserleitungen. Kunden kommen außerdem aus der Medizintechnik, dem Maschinenbau und der Sitzindustrie. Das Unternehmen setzt bewusst auf eine breite Aufstellung am Markt.

Mensch und Maschine

Trotz der Automatisierung sind Fachkräfte unverzichtbar. Maschinen müssen programmiert, eingerichtet und überwacht werden. Einer von ihnen ist Metin Toncer. Der 22-Jährige aus Schwäbisch Hall schloss im Juli seine Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer erfolgreich ab.

Toncer stammt aus der Türkei und lebt seit vier Jahren in Deutschland. Ursprünglich studierte er Jura. „Das Interesse hatte ich schon seit der fünften Klasse“, erzählt er. Nach seiner Einreise wollte er das Studium fortsetzen, doch seine Deutschkenntnisse reichten dafür zunächst nicht aus. Stattdessen entschied er sich für eine Ausbildung im Handwerk – und bereut diesen Schritt nicht. „Mein Onkel hatte in der Türkei einen Handwerksbetrieb. Ich wollte dort arbeiten, aber er meinte, das sei keine gute Idee, weil ich sein Neffe bin“, erinnert sich Toncer schmunzelnd. Schon früh lernte der 22-Jährige, auf eigenen Beinen zu stehen: Mit 16 Jahren zog er von zu Hause aus und wurde dadurch schnell selbstständig.

Seine Arbeit verlangt Präzision und technisches Verständnis. Für jedes Bauteil existiert ein eigenes Programm, neue Werkstücke programmiert Toncer selbst. „Wenn die Maschine eingerichtet ist, lege ich das Rohr ein, starte den Vorgang und kontrolliere das fertige Teil anschließend mit der Messmaschine.“ Gearbeitet wird im Millimeterbereich. Die Messmaschine mit acht Kameras überprüft jedes Werkstück. „Im Betrieb arbeite ich lieber als in der Berufsschule. Der Kontakt zu den Kollegen gefällt mir sehr.“

Für den Beruf seien außerdem logisches Denken und Flexibilität wichtig. In der Berufsschule Schwäbisch Hall lernen die Auszubildenden den Umgang mit unterschiedlichsten Maschinen – vom Kran bis zur Bohrmaschine.

Karriere mit Perspektive

Seine praktische Abschlussprüfung absolvierte Toncer direkt an seiner Maschine. Technischer Ausbildungsleiter Hartmut Dörr sieht das als Vorteil. Seit 1996 betreut er den Nachwuchs im Unternehmen. „Metin Toncer hat sich hervorragend ins Team integriert. Er arbeitet sehr gewissenhaft und zeigt großes Interesse.“

Dörr absolvierte selbst eine Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker und machte anschließend den Meister. „Das Handwerk ist unglaublich vielseitig. Genau das hat mich damals begeistert.“ Dass Künstliche Intelligenz den Beruf des Maschinen- und Anlagenführer ersetzen wird, glaubt er nicht. „Jedes Rohr verhält sich anders. Erfahrung und Fachwissen lassen sich nicht automatisieren.“

Die zweijährige Ausbildung selbst beginnt mit einem Durchlauf aller Abteilungen. Im zweiten Lehrjahr können sich die Auszubildenden auf Bereiche wie Biegen, Schweißen oder Umformen spezialisieren.

Die BTE BiegeTechnik-Engineering GmbH wurde 1996 in Ilshofen gegründet und bildet neben Maschinen- und Anlagenführern auch Industriemechaniker sowie Kaufleute für Büromanagement und Industriekaufleute aus. Nachwuchs wird kontinuierlich gesucht.

Durchdachtes Konzept

Beim Rundgang fällt das durchdachte Sicherheitskonzept auf. „Sicherheit hat bei uns oberste Priorität“, betont Dörr. Lichtschranken stoppen Maschinen automatisch, sobald jemand den Gefahrenbereich betritt. Auch der Materialfluss ist klar organisiert – von der Anlieferung über Sägen, Reinigen, Biegen und Schweißen bis zur Qualitätskontrolle und Auslieferung.

Für Metin Toncer ist die Ausbildung erst der Anfang. Nach seinem Abschluss möchte er sich zum Industriemechaniker weiterqualifizieren. Für ihn steht fest: Im Handwerk sieht er seine berufliche Zukunft.

Der Beruf des Maschinen- und Anlagenführers wird sowohl bei der Handwerkskammer Heilbronn-Franken als auch der Industrie- und Handelskammer geführt. 2025 befanden sich in der Region Heilbronn-Franken insgesamt 111 Personen in einer Ausbildung. Davon entfielen 58 auf den Landkreis Heilbronn, 25 auf den Landkreis Schwäbisch Hall, 26 auf den Hohenlohekreis und zwei auf den Main-Tauber-Kreis.


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