Mit 1.300 Kilogramm in eine neue Tradition: Spektakuläre Premiere bei der Roßfelder Sichelhenket

Tradition trifft auf neue Ideen: Bei der Roßfelder Sichelhenket feierte das „SAU-Starke Schlepper-Schieben“ Premiere. Rund 1.000 Gäste erlebten drei Festtage voller Gemeinschaft und Gaudi.

Oberbürgermeister Christoph Grimmer und Ortsvorsteher Hartmut Werny schieben einen 1.300 Kilogramm schweren Schlepper bei der Roßfelder Sichelhenket

Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer (rechts) und Ortsvorsteher Hartmut Werny eröffneten das „SAU-Starke Schlepper-Schieben“ mit vollem Körpereinsatz – und kamen beim 1.300 Kilogramm schweren Schlepper ordentlich ins Schwitzen.

Die Dorfgemeinschaft Roßfeld lud wieder zur traditionellen Sichelhenket ein. Freitag machte „Harmonic Highway“ mit Live-Musik im Festzelt den Auftakt. Am Samstag lockte das Bobbycar-Rennen: Rund 45 Fahrer gingen an den Start – für ein Bobbycar ist man offenbar nie zu alt. Dazu gab es Kesselfleisch, Bratwurst mit Kraut, Gegrilltes, Kuchen und Pommes.

Kinder und Erwachsene beim Bobbycar-Rennen der Roßfelder Sichelhenket

Nachdem sich die kleinen Rennfahrer beim Bobbycar Rennen auf der Strecke behauptet hatten, waren die Erwachsenen an der Reihe. Mitmachen durfte jeder von drei bis 99 Jahren. Hier ging Christian Ott an den Start.

„Vor 44 Johr, doa woar dieser Platz noch leer“, eröffnet Vorstand Friedrich Eißen seine Büttelrede. Es war die 43. Ausgabe. Der 1983 gegründete Verein wollte ursprünglich Geld für einen Dorfbrunnen erwirtschaften. Doch dabei blieb es nicht: „Es wurde für viele bleibende Anschaffungen angespart und auch die Roßfelder Heimatstuben eingerichtet“, sagt Eißen stolz.

Vor fünf Jahren übernahm er den Vorsitz von Klaus Mayer. Wichtig ist ihm, die nächsten Generationen zu gewinnen. Das sei bei veränderten Interessen nicht leicht. Umso wichtiger: Traditionen bewahren und offen für Neues bleiben.

Abschied vom Saurennen

Über 40 Jahre gehörte das Saurennen trotz Protesten und Hinderungsversuchen zur Sichelhenket. Plüschschweine und das „Vegane Wildschwein“ überzeugten als Alternative nicht. Eine neue Idee musste her – rund 1.300 Kilogramm schwer.

Neben Frühschoppen, Festgottesdienst mit Pfarrer Jacob Wahl und Posaunenchor, Kinderflohmarkt, Roßfelder Dorfmusikanten und Waldsägewettbewerb feierte das „SAU-Starke Schlepper-Schieben“ Premiere. „Der Sichelhenket-Schlepper-Cup ist ein neuartiges Gaudi-Event, das Teamgeist mit einem spaßigen, originellen und zugleich sicheren sportlichen Wettbewerb verbindet“, erklärt Eißen.

Am Sonntag wurde es dann ernst: Dem Regen zum Trotz starteten jeweils Zweierteams und schoben einen Schlepper über die 25 Meter lange Strecke nach Zeit. Strohballen säumten den liebevoll gestalteten Weg und bildeten zugleich die Abgrenzung zu den Zuschauern. Die Moderation übernahm Eißen selbst. Vom Eingangstor aus verfolgten Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer, Eißen und Ortsvorsteher Hartmut Werny.

Oberbürgermeister Christoph Grimmer eröffnet mit Ortsvorsteher Hartmut Werny die Roßfelder Sichelhenket

Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer (Mitte) sprach ein Grußwort und eröffnete den ersten Sichelhenket-Schlepper-Cup. Anschließend verfolgte er gemeinsam mit Friedrich Eißen (rechts) und Ortsvorsteher Hartmut Werny das Geschehen vom Eingangstor aus.

Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer brachte auf den Punkt, worum es an diesem Wochenende ging: „In Roßfeld versteht man es, gemeinsam ein traditionelles Fest auf die Beine zu stellen.“ Gleichzeitig kämen immer wieder neue Ideen hinzu – wie in diesem Jahr der erste Sichelhenket-Schlepper-Cup. „Aber am Ende geht es bei diesem Wettbewerb darum, gemeinsam etwas zu erleben und miteinander eine gute Zeit zu haben.“ Dafür brauche es Menschen, die Verantwortung übernehmen und sich mit Leidenschaft engagieren. Sein Dank galt deshalb besonders der Dorfgemeinschaft Roßfeld um Friedrich Eißen und seinem Team sowie den zahlreichen Helfern und Mitwirkenden.

Grimmer und Ortsvorsteher Hartmut Werny eröffneten den Cup selbst mit Muskelkraft. Es folgten unter anderem Lisa und Timo Schmidt als „Minimotoren“, Joscha Neuwirth und Daniel Menger als „Asphaltklempner mit Allradantrieb“, Gerd Breuninger und Ben Geiß sowie Kevin und Lars Baumann. Dass 1.300 Kilogramm nicht mal eben ins Rollen kommen, stellte auch Simon Breuninger außer Atem fest. Am Ende sei man einfach froh, wenn man das Ziel erreicht habe. „Der Anfang ist am anstrengendsten – bis der Traktor mal in Bewegung ist.“ Der Schlepper „hängt sich ganz schön rein“. Auch Oberbürgermeister Grimmer brauchte danach erst einmal etwas zu trinken.

Roßfelder Dorfmusikanten beim Einzug zum ersten Sichelhenket-Schlepper-Cup in Roßfeld

Den Einzug zum ersten Sichelhenket-Schlepper-Cup gestalteten die Roßfelder Dorfmusikanten gemeinsam mit den Kindern des Kindergartens Sterntaler, die mit einer kleinen Showeinlage für Unterhaltung sorgten.

Kinder laufen beim Bobbycar-Rennen der Roßfelder Sichelhenket über die mit Strohballen gesicherte Strecke

Feuerwehr mit Atemschutz auf Überholspur

Das 1.300 Kilogramm schwere Fendt Dieselross F16 aus dem Jahr 1962 steuerte Roland Dietzel. Drei Feuerwehr-Teams traten in voller Atemschutzausrüstung an. Johannes Kettemann und Robin Ackermann siegten in 15,1 Sekunden vor Dominik Graf und Felix Spieler (15,6) sowie Philipp und Johannes Mack (16,2). Dazu gab es Pokale und 70, 50 bzw. 30 Euro Preisgeld.

Feuerwehrleute aus Roßfeld schieben in voller Atemschutzausrüstung einen 1.300 Kilogramm schweren Schlepper

Mit voller Atemschutzausrüstung stellte sich die Feuerwehr Roßfeld der schweißtreibenden Herausforderung beim Schlepper-Schieben – und das mit Erfolg: Gleich die ersten beiden Plätze gingen an die Feuerwehrteams.

Die Idee stammte von Schriftführer Gerd Breuninger. Der Vorstand hatte nach einer Alternative zum Saurennen gesucht. Laut Eißen ergaben Recherchen, dass ein solcher Cup offenbar noch nirgends veranstaltet worden sei. Das Schlepper-Schieben verbindet Landwirtschaft, Ernte und Brauchtum mit Sport, Teamgeist und Gaudi. Neben Kraft zählen Technik, Timing und Zusammenspiel.

Für Unterhaltung sorgten die Dorfmusikanten und Kinder des Kindergartens Sterntaler. Eine Anfrage beim TÜV Süd in Crailsheim habe den Verein in seinem Vorhaben zusätzlich bestärkt.

Über 100 Ehrenamtliche halfen an den drei Festtagen sowie beim Auf- und Abbau. „Alle haben mit Begeisterung mitgeholfen“, freut sich Eißen. Geplant und organisiert wurde die Sichelhenket bereits seit Jahresbeginn.

Zahlreiche Besucher verfolgen trotz Regen das Schlepper-Schieben bei der Roßfelder Sichelhenket

Dem Regen zum Trotz säumten am Sonntag zahlreiche Besucher die Rennstrecke und verfolgten gespannt das „SAU-Starke Schlepper-Schieben“, das vielleicht den Grundstein für eine neue Roßfelder Tradition gelegt hat.

„Wie eine fünfte Jahreszeit“

Und wie kam nun das neue „SAU-Starke Schlepper-Schieben“ bei den Besuchern an? Genau das wollte Eißen am Ende des Cups wissen. Die Antwort kam prompt – und lautstark: Links und rechts der Rennstrecke wurde applaudiert und geklatscht. Mit rund 1.000 Gästen seien zudem mehr Besucher als in den Vorjahren zum Festwochenende gekommen.

Für den 29-jährigen Roßfelder Moritz Breuninger bedeutet das Event „Heimat, Kultur und Beisammensein“. Früher fuhr er beim Bobbycar-Rennen mit, seit 16 Jahren hilft er in der Küche. Für ihn muss diese Tradition erhalten bleiben – die Sichelhenket sei „wie eine fünfte Jahreszeit“.

Peter Gansky lobt Fest und Helfer sowie das Schlepper-Schieben, trauert aber dem Saurennen nach. Ähnlich sieht es Jürgen Frey aus Maulach: „Das Schlepper-Schieben ist eine gute Alternative. Es ist zwar schade, dass es das Saurennen nicht mehr gibt, aber das Schlepper-Schieben hat seinen Platz gefunden.“ Frey ist jedes Jahr dabei und fuhr beim Bobbycar-Rennen diesmal auf Platz drei der Erwachsenen. Entscheidend seien für ihn jedoch „der Austausch, die Menschen und die Gemeinschaft“ sowie das abwechslungsreiche Kinderprogramm.

Diese Mischung prägt die Sichelhenket seit über vier Jahrzehnten: Traditionen, treue Besucher, helfende Hände und Mut zu Neuem. Ob das „SAU-Starke Schlepper-Schieben“ zur neuen Roßfelder Tradition wird, zeigen die kommenden Jahre. Die Premiere hat jedenfalls schon einmal ordentlich etwas ins Rollen gebracht.




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