„Es kann nur diese Frau sein“– 50 Jahre Liebe in Crailsheim

Gisela und Stefan Seichter aus Altenmünster feiern Goldene Hochzeit. Sie blicken auf 50 Jahre voller Liebe und Erinnerungen zurück – mit Tränen in den Augen, einem Lachen und viel Humor.

Gisela und Stefan Seichter aus Crailsheim-Altenmünster feiern ihre Goldene Hochzeit und blicken auf 50 gemeinsame Ehejahre zurück

Seit 50 Jahren Seite an Seite: Stefan und Gisela Seichter aus Altenmünster feiern ihre Goldene Hochzeit und blicken gemeinsam auf ein Leben voller Liebe, Humor und besonderer Erinnerungen zurück.

Alles begann in der damaligen Diskothek New Yorker in Crailsheim. Dort fiel Stefan Seichter seine Gisela auf. „Ich hab sie gesehen und überlegt, was ich machen kann, dass ich sie für mich gewinne.“

Im Urlaub schrieb er ihr Briefe und Postkarten. „Es hat viel Liebe und Überzeugungskraft gekostet.“ Schließlich fragte er: „Kannst du dir was mit mir vorstellen?“ Heute, rund fünf Jahrzehnte später, sagt der 71-Jährige: „Wenn ich mir eine Frau aussuchen könnte, dann kann es nur diese sein.“

Er sei schon immer ein Stratege gewesen, ergänzt seine Frau mit einem Lachen. Um ihm zu imponieren, trank sie damals sogar einen Martini, obwohl er ihr nicht schmeckte.

Ihre junge Liebe hatte es zunächst schwer: Giselas Eltern waren gegen die Beziehung, ihr Vater ließ Stefan nicht einmal in die Wohnung. „Ich musste immer vor der Tür warten.“ Gisela wusste dennoch, dass er der Richtige war: „Ich habe gemerkt, dass er ein Guter ist. Noch dazu hatte er ein Auto. Da war man damals In“, erzählt die 72-Jährige mit einem Lachen.

Nach einem Jahr verlobten sie sich. 1975 zogen beide mit 22 Jahren in Crailsheim zusammen. Bei der Baugenossenschaft mussten sie nachweisen, dass sie heiraten würden. Bald darauf war Gisela schwanger. Am 8. Oktober 1976 heirateten sie.

Heute leben sie in Altenmünster. „Ach Spatz“, sagt die 72-Jährige bei der kleinen Zeitreise und greift nach der Hand ihres Mannes. „Wir freuen uns, wenn wir so leben dürfen. Nebeneinander aufzuwachen und zu sehen, dass es dem anderen gut geht.“ Für Stefan Seichter gibt es „nichts Schlimmeres, als nebeneinanderher zu leben“.

Die guten Tage behalten

2021 erhielt er die Diagnose Parkinson. „Die Krankheit hat uns noch näher zusammengebracht“, sagt seine Frau. „Stefan ist der Positivere von uns beiden. Die guten Tage behält er, die schlechten schmeißt er weg.“ Ihrem Mann steigen Tränen in die Augen. Seinen Humor, den er sich trotz der Krankheit bewahrt hat, liebt sie besonders: „Er sagt einen Spruch und bringt einen so durch dunklere Zeiten.“ Auch wenn die drei Söhne manchmal sagen: „Mensch Papa, jetzt reicht's mal“, hält sie dagegen: „Er ist, wie er ist. Papa ist eben direkt.“ Dafür sei sie dankbar: „Er ist heute noch so, wie ich ihn kennengelernt habe.“

Auch das Tanzen ist geblieben. Jeden Montag besuchen sie eine Parkinson-Tanzgruppe in Aalen. Besonders gerne erinnern sie sich an die Jahre zwischen 50 und 60: „Wir gingen auf Bälle und haben sehr viel getanzt.“ Gisela Seichter liebte es, sich schön zu machen und auszugehen. Ein Porträt im Wohnzimmer zeigt sie im Ballkleid, ihren Mann im Anzug. „Wenn du willst, dass wir da hingehen, dann schmeiß ich mich in den Anzug“, habe er immer gesagt.

Seit der Diagnose hat sich ihr Leben verändert. Stefan Seichter fährt nicht mehr Auto – und erinnert sich schmunzelnd an die Fahranfänge seiner Frau. „Nicht die Führerscheinsache“, mahnt sie mit einem Lachen. Doch er erzählt von der Delle im neuen Renault: Ein Lastwagen, eine „arg enge Lücke“, die doch nicht reichte. Aus Angst verschwieg sie den Schaden zunächst. Heute lacht der 71-Jährige darüber.

Gisela Seichter arbeitete als Verkäuferin und später 20 Jahre in leitender Funktion bei der Hospizgruppe in Crailsheim. „Ich bin stolz auf das, was ich geleistet habe. Mein Mann war immer an meiner Seite. Wenn jemand gestorben ist, ging er mit mir spazieren.“ Stefan Seichter fügt hinzu:„Ich liebe an meiner Gisela alles“, und bricht in Tränen aus. „Wir sagen uns jeden Tag, dass wir uns lieb haben“, ergänzt sie und hält seine Hand.

Auch mit seinem Schwiegervater versöhnte er sich nach Jahren – sieben Jahre lang waren sie per Sie.

Viele Geschichten sind geblieben: Auf dem Weg zum Standesamt musste die Hochzeitsgesellschaft umdrehen, weil Giselas Bruder und Trauzeuge seinen Ausweis vergessen hatte.

Gemeinsam ins nächste Kapitel

Ihr größtes Glück sind heute die drei Söhne und drei Enkelsöhne im Alter von fünf, drei und einem Jahr. Zwei Enkel sind regelmäßig bei ihnen. Besonders beliebt ist „Der Regenbogenfisch“. „Elias ist noch nicht mal zur Tür rein und fragt: Oma, wo ist das Buch?“ Auch die Schwiegertöchter gehören fest zur Familie. „Wir haben uns immer vorgenommen, sie so zu akzeptieren, wie sie sind“, sagt Gisela Seichter. Für jede der drei sind sie heute ebenfalls Eltern.

Ihre Goldene Hochzeit feiern sie zu zweit in einer Hochzeitssuite in Neustettlein. „Wir wollen das nachholen, was wir bei unserer eigenen Hochzeit verpasst haben.“ Damals bestimmte Giselas Vater, wie gefeiert wurde. Dieses Mal entscheiden sie selbst: „Wir wollen wir sein und zu zweit feiern. Wir konnten schon immer gut miteinander und brauchen nur uns.“

Anschließend feiern sie im kleinen Familienkreis – von der damaligen Hochzeitsgesellschaft lebe kaum noch jemand.

50 Jahre später sitzen sie noch immer Seite an Seite, lachen, weinen und halten sich an den Händen. Die guten Tage behalten sie, die schlechten werfen sie weg.


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