„The Pure Runway“ in Kirchberg: Wenn Mode Geschichten erzählt

Außergewöhnliche Mode, kunstvolle Engelsflügel und 52 Models: Beim „The Pure Runway“ im Landhotel Kirchberg standen Nachwuchstalente, kreative Designer und individuelle Schönheit im Rampenlicht.

Model in türkisfarbenem Abendkleid mit großen weißen Engelsflügeln von Designawings auf dem Laufsteg der Modenschau The Pure Runway im Landhotel Kirchberg.

Ein Hauch von Magie auf dem Laufsteg: Mit kunstvollen Engelsflügeln von Designawings begeisterte dieses Model das Publikum beim „The Pure Runway“ in Kirchberg.

Elegante Haute Couture, kunstvolle Engelsflügel und jede Menge Leidenschaft: Bei der Fashionshow „The Pure Runway“ des The Pure Model Collective im Landhotel Kirchberg standen außergewöhnliche Designerkreationen und Nachwuchsmodels im Mittelpunkt. Ihre Mode präsentierten die ukrainische Designerin Vlada Dizik und das Label Designawings von Angel. Dizik, die infolge des Ukrainekrieges nach Deutschland zog, setzt auf Nachhaltigkeit und Upcycling. Aus antiken Wandteppichen, historischen Stickereien und Perlen schafft sie einzigartige Kleidungsstücke, die sie bereits bei der Paris Fashion Week und in Cannes präsentierte.

Hinter dem Label Designawings steckt die Designerin Angel aus Nordrhein-Westfalen. Ihre kunstvollen Engels- und Fantasy-Flügel sollen Mut, Stärke und Selbstbewusstsein symbolisieren. Rund zwei bis drei Wochen benötigt sie für ein Flügelpaar. Die Idee entstand aus persönlichen Erfahrungen: Nachdem sie drei Jahre lang einen demenzkranken Menschen begleitet hatte, verarbeitete sie die belastenden Erlebnisse durch ihre Kreativität. „Um wieder Stärke zu finden, habe ich diese Flügel gestaltet“, erzählt sie. Den Anstoß zur Vermarktung gab ihre Tochter Dianne Rossi, das Gesicht von „The Pure Runway“. Sie habe die Flügel im Wohnzimmer bei ihr gesehen und gemeint, dass das Kunst sei. Rossi teilte ein Foto auf Instagram – prompt erhielt ihre Mutter einen Auftrag über 16 Designerflügel. Seit eineinhalb Jahren ist Angel nun als Designerin tätig.

Mode ohne Grenzen

Insgesamt 52 Models präsentierten die Kreationen auf dem Kirchberger Laufsteg. Die Organisation übernahm Dianne Rossi. „Einige haben Erfahrung, andere sind noch Newcomer“, berichtet sie. Ziel sei es, den Teilnehmern eine Plattform zu bieten und ihre Bekanntheit zu steigern.

Eine entscheidende Rolle spielt dabei Martin Gabert. Der 49-jährige Kirchberger ist Inhaber von The Pure Model Collective, Fotograf und Modelcoach. Er bereitet die Models mit Choreografietraining auf ihre Auftritte vor und bildet Menschen mit erkennbarem Talent kostenlos aus. „Im Vordergrund stehen die Ausdruckskraft, der Mensch und sein Talent“, betont er.

Die erwachsenen Models waren zwischen 18 und 60 Jahre alt. „Curvy, dünn, groß, klein – es kommt auf die Ausstrahlung an“, betont Rossi. Auch sie selbst wurde erst mit 31 Jahren Model. Zuvor arbeitete die gelernte Medizinische Fachangestellte als selbstständige Beautytrainerin.

„Martin hat mich gesehen und unterstützt“, erzählt sie. Heute trägt sie den Titel „Misses Kreis Lippe“ und möchte im kommenden Jahr in Ägypten bei einem Miss-Deutschland-Wettbewerb antreten.


Model mit langen braunen Haaren in rosafarbenem Abendkleid und weißen Engelsflügeln bei der Modenschau The Pure Runway in Kirchberg an der Jagst.

Doch nicht nur Models sollen von der Veranstaltung profitieren. Gabert möchte auch unabhängigen Designern eine Bühne bieten. „Wir wollen die ganze Modebranche fördern. Vielen fehlt die Unterstützung, um Reichweite und Bekanntheit aufzubauen“, betont er.

Gabert kritisiert die hohen Teilnahmegebühren vieler Modenschauen, bei denen Designer oft kaum Mitspracherecht hätten. Mit The Pure Model Collective möchte er ihnen bessere Möglichkeiten bieten, ihre Kreationen zu präsentieren.

Die Veranstaltung fand erstmals im Landhotel statt und soll künftig jährlich stattfinden. Dabei steht jedes Jahr ein anderes Motto im Mittelpunkt. „Der Fokus der nächsten Veranstaltung liegt auf Designer-Start-ups“, verrät Gabert. Sogar Designer aus London hätten Interesse gezeigt.

Für den Organisator gab es an diesem Abend außerdem eine Überraschung: Da Gabert seinen 49. Geburtstag feierte, überraschten ihn Kollegen und Publikum mit Luftballons, einem Geburtstagsständchen und einer Süßigkeitentorte.


Model in zartrosa Abendkleid mit großen weißen Engelsflügeln auf dem roten Laufsteg der Modenschau The Pure Runway in Kirchberg an der Jagst.

Persönlichkeit im Fokus

Unter den rund 150 Gästen befand sich auch Elisabeth Kuhn aus Heilbronn, die mit ihren beiden Cousinen angereist war. „Unsere Cousine läuft hier mit. Wir wollen sie unterstützen und interessieren uns auch für Mode“, erzählt sie. Für alle drei war es der erste Besuch einer solchen Veranstaltung.

Zu den VIP-Gästen gehörte Marvin Keil, der eigens aus Frankfurt angereist war. Als Celebrity-Lobbyist betreut er Schauspieler, Sänger, Moderatoren und Influencer. Seine Arbeit führt ihn zu Filmfestspielen, VIP-Veranstaltungen und in das Umfeld der Formel 1.

Nach einer Ausbildung zum Fachinformatiker begann Keil ein Jurastudium, das er jedoch abbrach. Heute berät er unter anderem Models beim Aufbau ihrer Personenmarke. „Als Model braucht man Personality und Ausstrahlung“, betont er. Klassische Schönheitsideale hätten an Bedeutung verloren.

Entscheidend sei, Menschen für sich zu begeistern und die eigenen Stärken sichtbar zu machen. „Nur weil jemand einmal berühmt war, heißt das nicht, dass er es auch bleibt“, erklärt Keil. Deshalb entwickelt er individuelle Konzepte, die Marketing und psychologische Aspekte verbinden.

Genau diese Individualität stand auch beim „The Pure Runway“ im Mittelpunkt. Ob Nachwuchsmodel, erfahrene Laufstegpersönlichkeit oder unabhängiger Designer: Die Veranstaltung zeigte, dass Mode weit mehr ist als schöne Kleidung. Sie erzählt Geschichten von Menschen, ihren Träumen und dem Mut, den eigenen Weg zu gehen.

Hinweis: Mehr zur Veranstaltung und den Menschen dahinter lesen Sie in der Januarausgabe 2027 unseres Magazins „Menschen“.


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