Lehrling im Handwerk: „Aus Liebe zu Fliesen“
Florian Schäfer befindet sich im zweiten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Fliesenleger bei Fliesen Schäfer in Crailsheim. Besonders schätzt er die Freiheit und Abwechslung seines Berufs.
Das Zuschneiden von Fliesen gehört für Florian Schäfer
(rechts) zum Arbeitsalltag. Dass sein Vater Heiko Schäfer gleichzeitig
Ausbilder ist, sehen beide gelassen.
„Mein Beruf hat auch viel mit Kunst zu tun“, sagt Florian Schäfer aus Rechenberg. Der 18-Jährige absolviert seine Ausbildung zum Fliesenleger bei Fliesen Schäfer in Crailsheim und befindet sich im zweiten Lehrjahr. Für den Beruf brauche es Genauigkeit, körperliche Belastbarkeit und Interesse an der Arbeit mit Fliesen. „Auf der Baustelle wird verfugt, Fliesen abgeschliffen und verlegt – exakt nach der Wasserwaage ausgerichtet, sonst stimmt das Fugenbild nicht“, erklärt er.
Seine Ausbildung bereitet ihm große Freude. „Der Beruf bedeutet für mich Freiheit und Abwechslung. Jeden Tag im Büro in derselben Umgebung zu sitzen, könnte ich mir nicht vorstellen.“ Besonders schätzt er die unterschiedlichen Baustellen und die immer neuen Herausforderungen. Ein Projekt ist ihm dabei besonders in Erinnerung geblieben: „Wir haben in einem 1,50 Meter tiefen Pool die komplette Rückwand mit Mosaikfliesen gestaltet. Das hat mehrere Wochen gedauert, war aber eines der Highlights meiner Ausbildung.“
Kreativität trifft Handwerk
Die Berufsschule besucht Schäfer im Blockunterricht in Heilbronn, die überbetriebliche Ausbildung absolviert er ebenfalls im Blocksystem in Mannheim. In den Werkstätten stehen vor allem praktische Aufgaben auf dem Programm. „Wir haben Fliesenmuster umgesetzt oder nach Schnittmustern Kreise und Sterne gefliest.“ Dabei sei auch Kreativität gefragt. „Man muss den Beruf wollen, bereit sein zu lernen und die Techniken sicher beherrschen.“
Erste Erfahrungen sammelte Schäfer bereits vor der Ausbildung im Familienbetrieb. „Ich war oft mit meinem Vater auf Baustellen unterwegs. Der Beruf hat mich immer interessiert.“ Dass sein Vater zugleich Ausbilder ist, sei kein Problem. „Ich arbeite überwiegend mit meinen Kollegen zusammen.“
Den Meisterbetrieb gründete Heiko Schäfer 2004. Gemeinsam mit acht Gesellen und Ehefrau Bianca Schäfer im Büro ist das Team komplett. Ausgebildet werden ausschließlich Fliesenleger.
Der 50-Jährige selbst schloss seine Ausbildung 1994 ab und legte 1999 die Meisterprüfung in Heilbronn ab – „aus Liebe zu Fliesen“, erklärt er mit einem Lachen. Ob groß- oder kleinformatige Fliesen, Altbau oder Neubau – die Vielseitigkeit des Berufs und die täglichen Herausforderungen motivieren ihn. „Heute arbeiten unsere Auszubildenden mit Fliesen bis zu 2,60 Metern. Früher waren Standardformate üblich. Auch in diesem Beruf ist der zeitliche Wandel da.“
Der Familienbetrieb ist überwiegend regional in sowie um Crailsheim tätig und konzentriert sich vor allem auf private Bauvorhaben. Zwar hat das Unternehmen bereits exklusive Projekte wie Villen oder Poolanlagen außerhalb der Region umgesetzt, hauptsächlich wird jedoch an Badsanierungen in der Region gearbeitet. Zum Leistungsspektrum gehören Fliesen-, Mosaik- und Natursteinarbeiten. Darüber hinaus werden auch Arbeiten im Gewerbe und der Industrie realisiert, beispielsweise in der Lebensmittelbranche sowie in Arztpraxen oder Laboren, wo Boden- und Wandbeläge besondere Anforderungen erfüllen müssen.
Als Ausbilder legt Heiko Schäfer Wert auf fachliches Können, Sauberkeit und einen respektvollen Umgang mit Kollegen und Kunden. „Ich erwarte, dass unsere Azubis mit Herz bei der Sache sind. Jeder sollte so arbeiten, wie er es sich für das eigene Zuhause wünschen würde.“
Handwerk mit Perspektive
Das familiäre Arbeitsklima sei ein wichtiger Bestandteil des Unternehmens. Bianca Schäfer verweist außerdem auf die guten Verdienstmöglichkeiten im Handwerk. „Viele junge Menschen zieht es heute in die Industrie. Dabei kann man auch im Handwerk sehr gut verdienen“, erklärt sie. Zusätzlich vermittle die Ausbildung zum Fliesenleger Kenntnisse aus verwandten Gewerken wie dem Maurer- und Zimmererhandwerk. Florian Schäfer möchte später den Meister machen und kann sich vorstellen, den Familienbetrieb zu übernehmen.
Trotz der Herausforderungen während der Corona-Pandemie konnte der Betrieb alle Mitarbeiter weiterbeschäftigen und halten. Regelmäßige Workshops sorgen dafür, dass das gesamte Team fachlich auf dem neuesten Stand bleibt. Für Heiko Schäfer steht fest: „Im Handwerk gibt es viele Berufe mit Zukunft. Einen Fliesenleger wird künstliche Intelligenz niemals ersetzen.“
Auch Florian Schäfer ist überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. „Das Handwerk muss einem liegen. Man braucht Ausdauer, aber der Beruf hält fit.“ Praktika empfiehlt der angehende Geselle allen Jugendlichen, die sich für den Beruf interessieren.
Einblicke in aktuelle Projekte und den Arbeitsalltag gibt das Team regelmäßig auf Instagram unter @fliesen.schaefer.
Die Handwerkskammer Heilbronn-Franken informiert: Im Jahr 2025 befanden sich im Landkreis Schwäbisch Hall fünf und im Landkreis Heilbronn 22 Personen in einer Ausbildung zum Fliesen-, Platten-, u. Mosaikleger. Der Hohenlohekreis war mit einem Azubi sowie der Main-Tauber-Kreis mit acht vertreten. Die Zahl der gesamten Region Heilbronn-Franken beläuft sich auf 36 Lehrlinge.
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