Lehrling im Handwerk: Mit elf Jahren den Beruf gefunden

Raphael Braun ist ausgebildete Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice bei der Möbel Bohn GmbH und kann sich nicht vorstellen, beruflich etwas anderes zu machen.

Raphael Braun ist ausgebildete Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice bei der Möbel Bohn GmbH und kann sich nicht vorstellen, beruflich etwas anderes zu machen.

Kein Tag ist für Raphael Braun wie der andere: Mit Freude startet er morgens mit dem Transporter, liefert Möbel aus und sorgt dafür, dass sich Kunden in ihrem Zuhause wohlfühlen. Von links: Personalleiter Tobias Lehr, Abteilungsleiterin Larissa Hald, Ausbildungsleiterin Katharina Stütz und Raphael Braun in seinem Element.

„Schon als Kind hat es mir Spaß gemacht, Möbel aufzubauen“, sagt Raphael Braun aus Crailsheim. Der 22-Jährige arbeitet heute als ausgebildete Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice bei der Möbel Bohn GmbH. An sein erstes selbst aufgebautes Möbelstück erinnert er sich noch genau: „Das war eine Kommode für meinen Bruder – da war ich elf Jahre alt.“ Während sein Bruder heute im Büro arbeitet, kam das für Braun nie infrage. Auf die Ausbildung aufmerksam wurde er durch einen Freund. Nach erfolgreichem Abschluss arbeitet er inzwischen als Geselle im Unternehmen.

Die Ausbildung dauert regulär drei Jahre und findet im Blockunterricht in Eberbach statt. „Die Praxisphasen haben mir aber besser gefallen“, sagt Braun mit einem Lachen. Sein Arbeitsalltag beginnt montags bis freitags im Lager: Möbel verladen, den Transporter vorbereiten und anschließend zum Kunden fahren, wo die Möbel – häufig Küchen – montiert werden. „Ich habe eigentlich schon alles aufgebaut.“ Für den Beruf brauche man körperliche Belastbarkeit, technisches Verständnis und räumliches Denken. „Man trägt Möbel auch mal bis in den vierten Stock.“ Auch Mathematikkenntnisse und ein freundlicher Umgang mit Menschen seien wichtig.

Abwechslung im Alltag

Besonders schätzt Braun das familiäre Klima. „Schon als Azubi hatte ich das Gefühl, angekommen zu sein. Wir sind ständig unterwegs, es ist immer was los und nie langweilig.“ Meist führen die Touren in einem Umkreis von rund 70 Kilometern um Crailsheim, mehrtägige Einsätze sind selten.

„Im handwerklichen Bereich bilden wir vor allem Fachkräfte für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice sowie Gestalter für visuelles Marketing aus“, erklärt Personalleiter Tobias Lehr. „Unser Ziel ist es, die Auszubildenden zu übernehmen. Deshalb bilden wir nur in Berufen aus, in denen wir anschließend konkrete Stellen anbieten können.“ Darüber hinaus bietet Möbel Bohn Ausbildungsplätze im Einzelhandel, Büromanagement, in der Lagerlogistik, im E-Commerce sowie IT-Bereich an. Das Unternehmen beschäftigt rund 100 Mitarbeiter und zwölf Auszubildende. Tobias Lehr legt besonderen Wert auf ein respektvolles Miteinander. „Unsere Leute sollen gerne zur Arbeit kommen. Die besten Systeme bringen nichts, wenn die Motivation fehlt.“ Da der Kontakt mit Endkunden zum Alltag gehöre, seien Offenheit und soziale Kompetenz entscheidend. Innerhalb des Unternehmens herrsche eine bewusst flache Hierarchie. Vor allem im Bereich Möbel-, Küchen- und Umzugsservice suche das Unternehmen Nachwuchs. Lehr glaubt, dass handwerkliche Berufe durch die zunehmende Bedeutung von Künstlicher Intelligenz künftig noch gefragter werden könnten. Beim Berufsinformationstag im Hangar Crailsheim habe er häufig von Eltern gehört, dass sie sich für ihre Kinder gezielt Berufe wünschen, „die später nicht einfach durch KI ersetzt werden können“. Karrieremöglichkeiten gebe es im Unternehmen viele – etwa durch Projekte. Auch Raphael Braun sieht für sich Perspektiven: Denkbar seien der Ausbilderschein oder ein Aufstieg zum Erstmonteur. „Ich möchte auf jeden Fall in diesem Beruf bleiben“, sagt er.

Nachwuchs gesucht

Ein Beispiel für die Flexibilität des Unternehmens ist Ausbildungsleiterin Katharina Stütz. Die 28-Jährige hatte sich ursprünglich für den Küchenverkauf beworben. Heute begleitet sie die Auszubildenden mit viel Engagement. „Als Ausbilderin ist man immer auch ein Vorbild. Wichtig ist, dass die Azubis schnell Verantwortung übernehmen können.“ Auch bei Bewerbungen achtet Möbel Bohn nicht nur auf Schulnoten. „Natürlich müssen die Auszubildenden die Berufsschule schaffen. Aber wichtiger ist, ob jemand menschlich ins Team passt“, erklärt Stütz. Offenheit, Kommunikationsfähigkeit und technisches Interesse spielen eine große Rolle. Initiativbewerbungen seien jederzeit willkommen.

Und was rät Raphael Braun jungen Menschen, die sich für den Beruf interessieren? Seine Antwort kommt prompt: „Hier herrscht ein familiäres Miteinander. Wenn ihr Bock auf den Beruf habt, dann kommt in unser Team – wir suchen immer Leute.“

Der Ausbildungsberuf der Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice wird sowohl von der Handwerkskammer Heilbronn-Franken als auch von der Industrie- und Handelskammer betreut. Im Jahr 2025 befanden sich im Landkreis Schwäbisch Hall keine Personen in dieser Ausbildung. Im Main-Tauber-Kreis sowie im Hohenlohekreis absolvierte jeweils eine Person die Ausbildung, während der Landkreis Heilbronn mit insgesamt acht Auszubildenden deutlich stärker vertreten war.


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