Ausbildung zur Bestattungsfachkraft: Der Tod ist ihr Alltag
Michaela Botsch schloss im Juni ihre Ausbildung zur Bestattungsfachkraft bei Bestattungen Kraus erfolgreich ab. Justin Trump kommt ins zweite Lehrjahr – beide geben den Menschen gern etwas zurück.
Rebekka Hourticolon (links) ist Bestattungsmeisterin und
Ausbilderin. Justin Trump (Zweiter von links) startet im September ins zweite
Lehrjahr. Michaela Botsch schloss im Juni ihre Ausbildung erfolgreich ab. Tommy
Berges ergriff seine Chance für ein Praktikum und reiste dafür sogar aus
Thüringen an.
Die Arbeit eines Bestatters beginnt lange vor der
Trauerfeier. Im Versorgungsraum des Bestattungsinstituts Kraus in Fichtenau werden
Verstorbene gewaschen, hygienisch versorgt, eingebettet, frisiert, rasiert und
für ihren letzten Weg vorbereitet. Auch die Wundversorgung gehört dazu. Dafür
kommen Nahttechniken wie die Tabaksbeutelnaht zum Einsatz.
Medizinische Instrumente und Reinigungsutensilien prägen das Bild. Direkt daneben befindet sich die Kühlung mit einem Verstorbenen, den die Bestattungsfachkraft Michaela Botsch und Auszubildender Justin Trump nach dem Interview mit der Zeitung versorgen.
Für Michaela Botsch stand der Berufswunsch früh fest. „Ich wusste mit elf, dass ich Bestatterin werden will. Der Beruf tut mir gut. Ich bin hier aufgeblüht“, erzählt die 23-Jährige aus Dinkelsbühl. Im Juni schloss sie ihre dreijährige Ausbildung erfolgreich ab. Dass Bestattungsfachkraft erst seit 2003 ein anerkannter Ausbildungsberuf ist, wissen wenige. „Ich wollte immer einen sozialen Beruf ausüben und den Menschen etwas zurückgeben.“
Aufgaben in der Ausbildung
Ihre Aufgaben reichen weit über den Versorgungsraum hinaus. Vor wenigen Wochen hielt Botsch ihre erste selbst geschriebene Trauerrede. Berührungsängste kennt sie nicht: Ob Säugling, Kind oder Erwachsener – jeder Verstorbene wird mit derselben Sorgfalt und Würde behandelt.
Zur Ausbildung gehören neben der praktischen Versorgung auch rechtliche Grundlagen, Trauerpsychologie, Beratungsgespräche und Organisation. Botsch besuchte die Berufsschule in Bad Kissingen und das Bundesausbildungszentrum für Bestatter in Münnerstadt. Dort lernen die Auszubildenden unter anderem auf dem Lehrfriedhof das Öffnen und Schließen von Gräbern sowie den Umgang mit Auslandsüberführungen. „Wir lernen, wie Verstorbene in einen Zinksarg eingebettet und dieser fachgerecht verlötet wird.“ Ein weiterer Ausbildungsbaustein ist die Leichenbergung. Insgesamt verbringen angehende Bestattungsfachkräfte fünf Wochen in Münnerstadt, während der Berufsschulunterricht im Blocksystem stattfindet.
Neben der klassischen Erd- und Feuerbestattung besteht auch die Möglichkeit, die Urne im Rahmen einer Seebestattung beizusetzen. Dabei wird eine spezielle Urne unter anderem im Mittelmeer oder der Nord- und Ostsee beigesetzt. Diese müsse sich innerhalb von 24 Stunden auflösen. Die Angehörigen erhalten eine Seekarte mit den genauen Koordinaten der Beisetzungsstelle.
Jeder Tag anders
Justin Trump startet im September ins zweite Lehrjahr. „Der Beruf ist vielfältig. Die Arbeit mit Angehörigen und Verstorbenen sowie die Organisation haben mich überzeugt. Kein Tag ist wie der andere“, sagt der 26-Jährige aus Schnelldorf. Auch Praktikant Tommy Berges aus Thüringen sammelt derzeit Erfahrungen im Betrieb. Durch den Tod seiner Großmutter kam der 24-Jährige erstmals mit der Branche in Berührung. „Ich habe mich damals um Vieles gekümmert. Da wusste ich: Das ist ein Beruf mit Zukunft.“
Die hauseigene Kapelle und der Abschiedsraum bieten Angehörigen die Möglichkeit, in ruhiger Atmosphäre Abschied zu nehmen. Am Eingang werden Besucher von einer Sarg- und Urnenausstellung empfangen. „Am Tod können wir nichts ändern. Aber wir können den Abschied so gestalten, dass Angehörige leichter ihren Weg ins Leben zurückfinden“, sagt Rebekka Hourticolon, Tochter der Gründer Eva-Maria Kraus und Manfred Kraus. Besonders am Herzen liegt ihr die offene Abschiednahme und individuelle Gestaltung der Trauerfeiern. 2019 absolvierte sie ihren Meister im Bestattungswesen. Als Ausbilderin legt sie großen Wert auf den offenen Umgang mit Emotionen. „Wir sprechen im Team über unsere eigene Trauer. Gefühle zu zeigen ist wichtig.“
Das Unternehmen wurde 1998 gegründet und betreibt neben dem Stammhaus in Unterdeufstetten weitere Filialen in Ellwangen, Crailsheim und Dinkelsbühl. Ausgebildet werden ausschließlich volljährige Personen mit Führerschein, die vorher ein Praktikum im Betrieb absolviert haben.
Die Arbeit verlangt auch psychische Belastbarkeit. Bestattungsfachkräfte werden immer wieder mit schweren Unfallfolgen konfrontiert. „Deshalb begleiten wir unsere Auszubildenden individuell und bereiten sie auf solche Situationen vor“, erklärt Hourticolon.
Die Handwerkskammer Heilbronn-Franken informiert: Im Jahr 2025 befanden sich in den Landkreisen Schwäbisch Hall und Heilbronn jeweils zwei Personen in einer Ausbildung. Der Hohenlohekreis wies keine Auszubildenen aus. Im Main-Tauber-Kreis war ein Auszubildender vertreten. Die Zahl der gesamten Region Heilbronn-Franken beläuft sich auf 6 angehende Bestattungsfachkräfte.
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